Neue Hör-CD: Kulturverein Goddelsheim lässt Vertriebene zu Wort kommen

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Hör-CD und Broschüren: Zeitzeugen berichten in Wort und Schrift über ihre Lebensgeschichten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Goddelsheim. Das Schicksal der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten und in Goddelsheim dauerhaft oder vorübergehend eine neue Heimat fanden, stand im Fokus des Kartoffelbratens in Goddelsheim.

Das Fest wird vom Verein zur Erhaltung alten Kulturgutes in Goddelsheim ausgerichtet und entwickelt sich immer mehr zu einem kulturellen Glanzlicht des Lichtenfelser Stadtteils.

Mit einem von den Trommlern Gunjoscha, dem Frauenchor und dem Meisterchor Goddelsheim feierlich umrahmten Festakt in der Kirche wurden die damaligen Vertriebenen und Flüchtlinge gewürdigt. Vorsitzender Reinhard Weber hob die enormen Anstrengungen der Betroffenen und die große Integrationsleistung der damaligen Goddelsheimer Familien hervor, mussten sie doch teilweise für viele Jahre Wohnraum zur Verfügung stellen und ihr Leben mit den Neuankömmlingen teilen.

Sieben Personen in einem Zimmer waren keine Seltenheit, wie eine Zeitzeugin berichtet. Von 1324 Einwohnern waren 245 im Jahre 1950 Flüchtlinge (18,5 Prozent). Irmhild Weber zitierte aus der Charta der Vertriebenen, die Hilfe für die „Vertriebenen wie alle Flüchtlinge der Welt als Aufgabe für die Weltbevölkerung“ postuliert.

In den Sommerferien hatten Reinhard Weber und Torben Schott Zeitzeugen besucht und ihre Lebensgeschichten aufgezeichnet: Wie war das Leben in ihrer alten Heimat? Wann und warum mussten sie ihre Heimat verlassen? Wie lief die Flucht ab? Wie wurden sie in Goddelsheim aufgenommen?

Acht Betroffene erzählen ihre bewegten Lebensgeschichten. Vier Zeitzeugen haben ihre Erinnerungen aufgeschrieben. Aber auch Ur-Goddelsheimer kommen zu Wort und berichten aus ihrer Perspektive.

Ergebnis der Recherchen sind eine Hör-CD und eine Broschüre. Titel: „Krieg, Vertreibung, Flucht: Neue Heimat Goddelsheim – Zeitzeugen in Wort und Schrift“. Inspiriert von der Filmmusik in Edgar Reitz’ Familienepos „Heimat“ aus den 1980er-Jahren hat Jugendkulturpreisträger Torben Schott Musiksequenzen arrangiert, mit Goddelsheimer Musikern eingespielt und an passenden Stellen in der CD eingebaut. (red)

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