Neuer Fragebogen bei Blutspende: Hatten Sie schon Sex gegen Geld?

Sehr detaillierte Fragen: Im neuen Fragebogen werden Blutspender nach bi- und homosexuellen Sexualpartnern gefragt, ebenso nach einem möglichen Gefängnisaufenthalt, Spritzen und Auslandsurlauben. Foto:  Renner

Waldeck-Frankenberg. Wer in Hessen Blut spenden möchte, muss seit jeher zuvor einen Fragebogen ausfüllen. Seit Juni gibt es einen neuen, statt 17 müssen Spender nun 30 Fragen beantworten - darunter einige sehr persönliche.

Das gefällt nicht allen Blutspendern. Die Fragen sind aber wichtig, um das Risiko von Infektionen auszuschließen und die Sicherheit der Blutspende zu garantieren.

Hatten Sie in den letzten vier Monaten Sexualverkehr, für den Sie Geld oder andere Leistungen bezahlt haben? Waren Sie innerhalb der letzten vier Monate in Haft? Der neu entwickelte Fragebogen für Blutspender fragt detailliert nach dem Sexualverhalten, vorausgegangenen Reisen ins Ausland, diversen Erkrankungen sowie Drogen und Medikamenten.

„Die Regeln der Blutspende sind nicht strenger geworden, es wird nur genauer gefragt“, sagt Stefanie Fritzsche, Pressesprecherin des Blutspendedienstes für Hessen und Baden-Württemberg. Neue Themen seien bei der Abfrage nicht hinzu gekommen.

Beim Blutspendetermin am Montagabend in Marienhagen sei der neue Fragebogen überhaupt kein Diskussionsthema gewesen, sagt Silke Groß, die neue Blutspendebeauftragte des DRK-Kreisverbandes Frankenberg. Sie sei zumindest nicht auf die Fragen angesprochen worden. Zuletzt in Allendorf/Eder hätten aber zwei Spender gesagt, dass die Fragen in die Privat- und Intimsphäre gehen würden. „Dafür haben wir Verständnis, es geht aber darum, jegliches Risiko auszuschließen und ganz sicher zu gehen“, sagt Groß.

Michaela Heer, Werbereferentin des Blutspendedienstes, weist darauf hin, dass die Fragen beantwortet werden müssten, sonst dürfe man nicht spenden. Sie räumt ein, dass Spender irritiert sein könnten, wenn sie den neuen Fragebogen zum ersten Mal sehen: Der Bogen ist größer und hat jetzt zwei Seiten, es gibt 30 statt 17 Fragen, die zum Teil detaillierter sind. „Es hat sich aber nicht großartig etwas geändert. Die Spender kennen die Fragen und den Ablauf“, sagt Heer. „Letztlich geht es darum, die Sicherheit der Konserven zu gewährleisten.“

Es gibt aber auch andere Erfahrungen: Bei Blutspendeterminen in Lohfelden bei Kassel seien Spender wieder gegangen, weil sie die Fragen nicht beantworten wollten, sagte die dortige Ortsvorsitzende Petra Karasek der HNA. „Viele finden den Eingriff in die Privatsphäre zu intensiv.“ Sie selbst findet die Fragen „entwürdigend“, dennoch versuche sie mit ihren Mitstreitern, die Menschen zu überzeugen. Schließlich sei es wichtig, Blut zu spenden. „Die Spender wollen etwas Gutes tun, müssen dafür aber die Hosen runterlassen“, kritisiert Karasek. Der Blutspendedienst müsse nun damit rechnen, belogen zu werden. (ren/jpa)

• Der nächste Blutspendetermin in Frankenberg findet am Montag, 31. Oktober, von 15.30 bis 19.30 Uhr in der Ederberglandhalle statt.

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