Erziehungswissenschaftler fordert radikale Reform des Schulunterrichts

Peter Struck: Kinder lernen ganz anders

Peter Struck fordert eine andere Lernkultur.

Waldeck-Frankenberg. Schule und Unterricht müssen radikal verändert werden: Zum Beispiel sollten die Kinder ein kleinen Gruppen, am besten gar nur zu zweit lernen. Das 

forderte der Erziehungswissenschaftler Professor Peter Struck. Bei der Auftaktveranstaltung des Topas-Ausbildungsverbundes in Korbach sprach Struck über „Die 15 Gebote des Lernens – Was uns die Hirnforscher über Erziehung, Bildung und Ausbildung sagen“.

Man habe festgestellt, dass Kinder am besten zu zweit lernen, erklärte Struck. Und vor allem dadurch, dass sie das zu Lernende anderen zu erklären haben. Sie lernten besser von Gleichaltrigen als von noch so guten Erwachsenen.

Klassen müssten deshalb zu Lernfamilien mit Werkstattcharakter gewandelt werden, Schulen zu Lerndörfern. Kinder lernen besser durch eigenes Handeln und Sprechen als durch Zuhören – eine weitere Erkenntnis der Hirnforscher.

Nötig sei auch eine andere Fehlerkultur, da Kinder über Um- und Irrwege lernen. Noten sollen erst ältere Jugendliche erhalten. Neben Fachlehrern bräuchten Schulen Klassenlehrer, die etwas von Ernährung, Bewegung, Verhaltensstörungen, Gewalt- und Suchtprävention sowie Medienerziehung verstehen.

Zur Person

Prof. Dr. Peter Struck, geb. 1942, war fast zehn Jahre Volks- und Realschullehrer und danach vier Jahre lang Schulgestalter in der Behörde für Schule,Jugend und Berufsbildung in Hamburg. Seit 1979 hat er eine Professur für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Sozial- und Schulpädagogik, Bildungspolitik, Jugendforschung, Familienerziehung und Medienpädagoge.

Lehrpläne müssten dünn wie in den Niederlanden werden, damit Zeit für Üben und Anwenden gewonnen wird, fordert Struck. Halbtagsschulen reichten hingegen für die immer wissensstärkere Welt nicht mehr aus. Nach dem schwachen Abschneiden Deutschlands in der Pisa-Studie müssten Veränderungen in der Lernkultur stattfinden, sagte Erziehungswissenschaftler Struck.

Gute Beispiele seien Finnland, Schweden und Kanada. Für die Umsetzung seien Erkenntnisse von Hirnforschern und Lernpsychologen zu berücksichtigen.

In den 15 Geboten des Lernens heißt es unter anderem: Mit dem Lernen müsse früher und ganz langsam begonnen, das Tempo dann aber stärker als bisher gesteigert werden.

Das bedeute Einschulung mit fünf Jahren und Erwerb der Hochschulreife am Ende der Klasse 12. Das Projekt Topas (Top Ausbildungsstellen) ist als freiwillige Arbeitsgemeinschaft von 40 Meisterbetrieben der Region und der Kreishandwerkerschaft im Landkreis sehr erfolgreich, sagte Handwerks-Geschäftsführer Gerhard Brühl am Mittwochabend.

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Hier können Sie sich das PDF zu den Lerngeboten runterladen

Um die Qualität und Attraktivität der beruflichen Bildung im Handwerk zu erhöhen, werden regelmäßig Veranstaltungen für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe angeboten. Hintergrund ist der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung. Am Mittwochabend hieß Topas-Vorstandsmitglied Stefan Veltum 60 Vertreter von Schulen, Betrieben und Handwerkerschaft willkommen.

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