Schulstunden mit 65 Minuten im Landkreis derzeit kein Thema

Nicht verändert: Die Schulen im Landkreis Waldeck-Frankenberg bleiben bei der 45-minütigen Unterrichtsstunde. Foto: Daher

Waldeck-Frankenberg. Im Schwalmgymnasium in Treysa dauert eine Schulstunde seit dem vergangenen Schuljahr 65 Minuten.

Wir haben Schulen in Waldeck-Frankenberg gefragt, ob das auch für sie in Frage kommt.

„Bei uns bleiben die 45 Minuten“, sagten aber stellvertretend drei Schulen auf HNA-Anfrage. „Ich habe mich zwar an meiner alten Schule intensiv damit beschäftigt, aber es passt derzeit nicht in unser Gesamtkonzept“, sagt Stefan Hermes, Schulleiter der Frankenberger Edertalschule. Er war früher Fachbereichsleiter an der König-Heinrich-Schule in Fritzlar. So hätten die 65 Minuten sicherlich Vorteile, wie die höhere Konzentration im Vergleich zu den Doppelstunden, allerdings auch einige Nachteile. Der Busverkehr sei beispielsweise an die 45 Minuten gekoppelt, Fächer wie der Sportunterricht würden darunter leiden, erklärt Hermes weiter. Die Edertalschule habe bereits das Schulprogramm für die nächsten drei Jahre verabschiedet, die 65 Minuten seien dort nicht eingeplant worden.

Auch Heinz-Günther Schneider, Pädagogischer Leiter der Gesamtschule Battenberg, sagt: „In unserer Schule bleiben die 45 Minuten.“ Obwohl es im Kollegium ein breites Meinungsspektrum gebe und die Mathematiker in großer Masse dafür plädierten, habe sich das Konzept in Battenberg nicht durchgesetzt.

In der Alten Landschule in Korbach stoße die Umstellung auf keinerlei Zustimmung, berichtet Schulleiter Robert Gassner. So wäre über die 65 Minuten zwar auf Fortbildungen gesprochen worden, allerdings stünden sie weder bei den Lehrern noch bei den Eltern auf der Tagesordnung.

Das Staatliche Schulamt in Fritzlar, das sowohl für das Schwalmgymnasium in Treysa mit seinen 65-Minuten-Schulstunden als auch die Schulen in Waldeck-Frankernberg zuständig ist, bestätigt durch Juristin Franziska Mainczyk, dass bisher keine Schule in Waldeck-Frankenberg die Unterrichtstunde zeitlich verändern wolle.

Die Entscheidung über die Einführung des 65-Minuten-Modells liege bei den Schulen selbst, erklärt Mainczyk weiter und verweist auf den Paragraphen 127a des Hochschulgesetzes: „Das Schulamt macht grundsätzlich keine Vorgaben, da die Schule [...] selbstständig in der Planung und Durchführung des Unterrichts [...] ist.“

Bisher hat im Schulamtsbezirk also nur das Treysaer Schwalmgymnasium die Möglichkeit wahrgenommen, die Unterrichtszeit zu ändern. Schulleiter Frank Siesenop erklärt: „Nicht Nachmittagsunterricht an sich ist ein Problem, sondern der zu vollgepackte Schultag.“ Durch die 65-Minuten sollen Förderangebote und AGs Raum bekommen. „Beim Wechsel zur verkürzten Gymnasialzeit vor einigen Jahren wurde viel verdorben, weil es nicht durchdacht war“, sagt der Pädagoge. Bis zu acht Fächer prasselten täglich auf die Schüler ein, im Kielwasser kamen die entsprechend überbordenden Hausaufgaben hinterher. So schnell wie möglich sei die Anzahl der Fächer pro Tag durch den Wechsel zu Doppelstunden reduziert worden, um einen ruhigeren Rhythmus zu erreichen.

„Heute will die 45-Minuten-Stunde keiner mehr“, sagt Siesenop, doch der 90-Minuten-Takt sei auch nicht optimal. Deshalb der Kompromiss mit 65 Minuten.

Von Johanna Daher

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