Ein Leuchtturm im Garten

Ehemalige Seemänner gründeten am Rehbach eine Marinekameradschaft

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Stolz auf die Vereinsunterkunft: Ehrenvorsitzender Detlev Golchert auf dem Gelände der Marinekameradschaft Bad Wildungen in der Nähe des Rehbach-Strandes.

Rehbach/Bad Wildungen. Die Marinekameradschaft Bad Wildungen hat ein Stück Edersee-Geschichte mitgeschrieben. Vor 63 Jahren von ehemaligen Seemännern ins Leben gerufen, pflegen noch heute die Mitglieder die Geselligkeit und Kameradschaft im vereinseigenen Haus am Rehbach.

„Unseren Gründungsvätern ging es auch um die Kontaktpflege, denn die Kameradschaft an Bord von Schiffen oder U-Booten ist und war besonders stark ausgeprägt. Darum gründeten sie die Marinekameradschaft Bad Wildungen“, berichtet Ehrenvorsitzender Detlev Golchert. Bei den Initiatoren habe es sich ausschließlich um Männer aus der Badestadt gehandelt, die einst zur See fuhren. Während der Gründungsversammlung 1951 wählten die Mitglieder Edzard Lohstöter zum Vorsitzenden.

Die Männer zog es immer wieder ans Wasser. „Was lag da also näher als der Edersee, der direkt vor ihrer Haustüre lag“, sagt Detlev Golchert. Die ersten regelmäßigen Treffen fanden damals im Gasthaus Menze am Rehbach statt, das unter dem Dach der heutigen DLRG-Wachstation betrieben wurde. Irgendwann sei bei den Seemännern der Wunsch nach einer eigenen Unterkunft immer stärker geworden.

Bestehende Kontakte

Eine Sonderanfertigung und Unikat: Helmut Fuss (links) und Johann Spillner, der mit seiner Familie in der damaligen Gemeinde Edersee wohnte und arbeitete, montierten 1972 den Leuchtturm.

„Sie waren eine verschworene Gemeinschaft, die über entsprechende Kontakte verfügte. Heinrich Bertram, ein ehemaliger Kapitän, kannte einen einflussreichen Landesbediensteten in Wiesbaden, der ihnen die Nutzung des Grundstücks, auf dem unser Marineheim heute steht, ermöglichte.“

In den Anfangsjahren waren die Treffen der Seeleute und ihrer Familien eher spartanisch. „Da wurde noch in Ami-Zelten auf dem Grundstück übernachtet“, erzählt Golchert.

1960 ging es an den Bau des Hauses. Auch hier ließen die Vereinsmitglieder ihre Beziehungen spielen. Der Ehrenvorsitzende erinnert sich: „Bei einem Zementfabrikanten aus Erwitte wurden Shantys gesungen. Als Lohn gab es eine Lkw-Ladung Zement, der beim Bau verarbeitet wurde.“ Alle packten kräftig mit an, auch beim Einbau eines Eisenträgers, der mithilfe der dritten Kompanie des Versorgungsbataillons 56 der Bundeswehr aus Fritzlar erledigt wurde. „Die ersten Fenster stammten aus dem Kaiserhof in Bad Wildungen, die dort gegen neue Fenster ausgetauscht worden waren.“ Nach zwei Jahren Bauzeit war es schließlich soweit. 1962 stand das fertige Haus.

Detlev Golchert ist seit 46 Jahren Mitglied der Marinekameradschaft. „Ich bin zwar nie zur See gefahren, aber im Laufe der Jahre kamen immer mehr Mitglieder hinzu, die in landgestützten Verbänden gedient hatten oder noch dienten.“

Von Uli Klein

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