Korbacher "Urzeitdackel" bekommt Gesellschaft

Sensationsfund in Korbacher Spalte: Seltenes Fossil entdeckt - Bindeglied zwischen Amphibien und Reptilien

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Das „Korbacher Urzeitkrokodil“: Der Nachweis einer weltweit seltenen, rund 255 Millionen Jahre alten reptilienähnlichen Amphibienart in der Korbacher Spalte erregt Aufsehen. Bislang gab es nur Fundstellen in Russland und China.

Für Wissenschaftler ist es eine Sensation: Forscher sind auf ein rund 255 Millionen Jahre altes Fossil aus der Korbacher Spalte gestoßen, das ein Bindeglied zwischen Amphibien und Reptilien darstellt.

Der Korbacher Urzeitdackel bekommt Gesellschaft: Erstmals in Mitteleuropa haben Forscher in Korbach die Hautknochenplatte einer reptilienähnlichen Amphibie (Chroniosuchier) identifiziert, die den wissenschaftlichen Namen „Hassiacoscutum munki“ erhalten hat. Sie lebte in der Epoche des Oberperms, die vor 260 Millionen Jahren begann und vor 252 Millionen Jahren endete.

Das Fundmaterial wird zurzeit im Leibniz-Institut für Evolutionsforschung an der Berliner Humboldt-Universität vom Wirbeltierpaläontologen Professor Dr. Jörg Fröbisch bearbeitet. Mit drei weiteren Autoren hatte Fröbisch im Oktober 2019 eine wissenschaftliche Beschreibung des nur zwei mal zwei Zentimeter großen Fundstücks im Journal der „Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie“ (Sitz in Maryland/USA) veröffentlicht. Norbert Panek, Leiter des Geopark-Projektbüros in Korbach, wertet den Fund als einen weiteren Beleg für die herausragende internationale Bedeutung der Korbacher Fundstätte.

Bislang gab es solche Funde nur in Russland und China

Der „Urzeitdackel“: Eine Skelettrekonstruktion des Procynosuchus im Korbacher Museum.

Bisher wurden hauptsächlich Knochenfragmente säugetierähnlicher Reptilien, unter anderem des berühmten „Korbacher Urzeitdackels“, nachgewiesen. Chroniosuchier waren bisher nur aus Fundstätten in Russland und China sowie zuletzt aus Laos und aus wesentlich jüngeren Fundstellen bekannt. Die zu dieser Gruppe zählenden Wirbeltiere wurden lange Zeit als überwiegend im Wasser lebende Räuber und im traditionellen Sinn als Amphibien interpretiert, deren Schädelform Krokodilen ähnelt.

Aus den Strukturen der Knochen wurde zwischenzeitlich aber geschlossen, dass Chroniosuchier möglicherweise auch auf dem Festland lebten. Sie sind durch eine Reihe von miteinander gelenkig verbundener Hautknochenplatten entlang der Körperrückenlinie gekennzeichnet, die möglicherweise zur Stabilisierung ihres Rumpfes bei der Fortbewegung auf dem Land beitrugen. Andere Merkmale könnten allerdings auch darauf hindeuten, dass sie zumindest teilweise im Wasser lebten.

Korbach war vor 255 Millionen Jahre eine Wüste

Am Fundort Korbach waren bisher im Wasser lebende Wirbeltiere nicht nachgewiesen worden. Während des späten Perms lag das Gebiet bei Korbach auf dem 20. nördlichen Breitengrad in einer wüstenähnlichen, nahezu gewässerfreien Küsten-Ebene mit trocken-heißem Klima und spärlicher Vegetation. Die landschaftlichen Gegebenheiten lassen daher darauf schließen, dass „Hassiacoscutum munki“ eine hauptsächlich auf dem trockenen Land lebende Form gewesen ist.

Das Vorkommen stellt weltweit ein Verbindungsglied zu anderen mittel- und spätpermischen Fundstätten dar, in denen ebenfalls kontinentale Chroniosuchier gefunden wurden.

Ein Stück Evolution

Auch stammesgeschichtlich ist der Fund aus der Korbacher Spalte von Bedeutung, denn er dokumentiert eine Gruppe von Wirbeltieren, die sowohl Merkmale von Amphibien als auch von Reptilien aufweisen. Aus den „reptilienähnlichen“ Amphibien entwickelten sich bereits im Oberkarbon (rund 300 Millionen Jahre vor heute) die ersten frühen Reptilien, deren eine Hauptentwicklungslinie zu den „säugetierähnlichen“ Reptilien (Therapsiden) wie dem „Urzeitdackel“ sowie später schließlich zu den Säugetieren und den Primaten führte, aus denen sich dann wiederum vor rund drei Millionen Jahren die Gattung Homo – der Mensch – herausbildete. red

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