Hinausgezögertes Ende der Sportsaison

Geringere Wasserabgabe: Sparmodus kommt Edersee zugute

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Nur noch zu 46 Prozent gefüllt: Der Pegel im Edersee sinkt. Die Tourismusbranche zieht trotzdem eine positive Bilanz. Probeweise war die Wasserabgabe reduziert worden. Die Aufnahme entstand vor wenigen Tagen.

Trotz eines deutlich gesunkenen Wasserstands im Edersee ziehen Wassersportler und die Tourismusbranche der Region eine positive Bilanz.

Dank einer sparsameren Bewirtschaftung des Stausees habe man bisher alle Wassersportmöglichkeiten erhalten können, sagte Thomas Hennig vom Regionalverband Eder-Diemel auf Anfrage. Nun würden allerdings die ersten Boote wegen des gesunkenen Wasserstands aus dem See geholt. Seit ein paar Tagen ist erstmals in dieser Saison das „Edersee-Atlantis“ – die Überreste alter Siedlungen auf dem Seegrund – zu sehen.

Der Füllstand des nordhessischen Stausees betrug zuletzt 45 Prozent. Er ist die größte Attraktion der Ferienregion im Kreis Waldeck-Frankenberg. Sein Wasser dient aber auch dazu, über Eder und Fulda die Weser schiffbar zu halten. Deswegen ist die Wasserabgabe ein Politikum. 

Ende Juni hatten die zuständigen Behörden neue Regeln vorgestellt, die das Wasser länger im Edersee halten sollen. Dabei wird, vereinfacht gesagt, ab einem bestimmten Füllstand des Sees weniger Wasser abgegeben.

Viele Boote können erst später aus dem See geholt werden

„Das hat auf jeden Fall etwas gebracht“, sagt Hennig. Die Verhältnisse im See seien zwar nicht optimal, aber gut – trotz Wasserdefiziten aus dem trockenen Jahr 2018. „Ohne die neue Bewirtschaftungsform hätten 50 Prozent der Boote vor drei Wochen aus dem See geholt werden müssen.“ Stattdessen beginne diese Phase erst jetzt und betreffe vor allem größere und schwerere Boote.

Hennig ist auch Inhaber einer Segelschule und rechnet damit, den Betrieb wie geplant bis Anfang Oktober aufrecht erhalten zu können. Insgesamt gebe es im Wassersportbereich am Edersee leichte Zuwächse bei den Gästezahlen, die aber weit von früheren Ergebnissen entfernt seien.

Aufgetaucht: Die Brücke bei Asel ragt wieder aus dem Edersee heraus.

„Die Gesamtsituation hat sich verbessert“, sagt auch Claus Günther von der Edersee Touristic GmbH. Alle Wassersportbetriebe hätten mitgeteilt, gut über die Hauptferiensaison zu kommen. „Dazu hat der Sparmodus beigetragen“, erklärt Günther. Allerdings ist die Saison für den Edersee mit dem Ferienende in Hessen nicht vorbei: Bundesländer wie Bayern haben gerade Ferien bekommen, auch von dort kämen Touristen an den Edersee, die nun von sinkenden Wasserständen betroffen seien. Fehlten Niederschläge, habe der Edersee weiterhin ein Problem. 

Schon Ende Juni war der Punkt erreicht

Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden in Niedersachsen bestätigt den positiven Effekt der neuen Regelung. Man habe deutlich früher mit der reduzierten Wasserabgabe aus dem See angefangen als vorher. Ab einem Seeinhalt von 175 Millionen Kubikmeter Wasser wird am Edersee in den Sparmodus geschaltet. Dieser Punkt war bereits Ende Juni erreicht. 

Der Effekt ist messbar: Über 90 Millionen Kubikmeter waren Anfang August im See – im Vorjahr waren es nur 80 Millionen. Damit sei man zufrieden – mit dem trockenen Wetter dagegen weniger, sagte eine Sprecherin.

In den vergangenen Tagen verlor der Edersee jedoch schnell Wasser. Zuletzt wurde die Schifffahrt in der Weser wieder mit größeren Mengen unterstützt. Bis zu 30 Kubikmeter Wasser – das sind 200 Badewannen – wurden pro Sekunde abgelassen. 

Von Göran Gehlen (mit dpa)

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