Tattoos: Bei Farbe auf die Qualität achten

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Jede Menge Farbe: Ein Tattoo-Fan ließ sich bei der Tattoo und Piercing Show in Kassel im vergangenen Jahr ein großes Motiv auf die Brust stechen.

Bad Arolsen. Für Allergiker gefährlich? Stiftung Warentest hat Tattoofarben untersucht und dabei festgestellt, dass zwar keine verbotenen Inhaltsstoffe in den Flaschen stecken, sie aber dennoch nicht einwandfrei sind.

Dass sich das Sicherheits-Niveau in den vergangenen Jahren sehr erhöht hat, sagt dagegen der Bundesverband Tattoo.

Größter Kritikpunkt der Tester: In zwei schwarzen Farben wurden giftige sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. Einige davon seien krebserregend, heißt es in der Ausgabe 8/2014. Gordon Lickefett, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Tätowiermittel beim Bundesverband Tattoo, sagt dazu, dass das auf den ersten Blick zwar unschön sei. Allerdings: „Der Test schweigt sich darüber aus, in welcher Konzentration diese aufgefunden wurden.“

Kaum Untersuchungen 

Wie streng die Regeln in Sachen Tattoofarbe sind, weiß Tätowierer Alex Herbold aus Bad Arolsen. So gibt es manche Farbe, die im Rest der Welt erlaubt ist - in Deutschland allerdings nicht. Er selbst hat sich für die am häufigsten genutzte Tätowierfarbe entschieden, die sei auch für Allergiker geeignet und nickelfrei. Für die Inhaltsstoffe interessieren sich seine Kunden indes fast nie. Sie wollen meist nur wissen: Wie viel kostet das Tattoo? An der Farbe spart er allerdings nicht, sagt Herbold, der seit sechs Jahren ein eigenes Studio hat.

Für den 37-Jährigen ist die Diskussion generell übertrieben. „Wenn der Körper eine Farbe nicht verträgt, stößt er sie ab, die Farbe wächst raus.“ Dr. Thomas Meyer sieht die Thematik skeptischer. Der Landesvorsitzende Hessen im Berufsverband der Deutschen Dermatologen sagt: „Es ist nicht bekannt, was mit der Farbe in der Haut passiert, wo sie sich ablagert.“ Generell sind für Meyer die Spätfolgen einer Tätowierung nicht absehbar. Dass es bisher kaum Untersuchungen darüber gibt, was mit Tattoofarbe in der Haut über die Jahre passiert, kritisieren sowohl der Arzt als auch der Tätowierer.

Positivliste 

Der Bundesverband Tattoo führt selbst keine Untersuchungen von Tätowiermitteln durch. Hunderte Farben müssten sonst ständig auf mindestens 1400 Stoffe getestet werden, die nicht in der Farbe enthalten sein dürfen. „Dies ist durch den Verband nicht zu leisten und sollte auch darauf hindeuten, wie sehr der Test von Stiftung Warentest als stichprobenartig bezeichnet werden muss“, so Lickefett. Weder „technisch noch finanziell“ seien solche Untersuchungen leistbar.

Eingebunden ist der Bundesverband derzeit in erste medizinische Studien, die es ermöglichen sollen festzustellen, wie viel Farbe und auch wie viele Inhaltsstoffe beim Tätowieren in den Körper eingebracht und wie diese dort verstoffwechselt werden. Generell unterstützt der Verband eine Forderung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): eine sogenannte Positivliste mit der abschließenden Auflistung aller Stoffe, die in Tattoofarben eingesetzt werden dürfen.

Von den Tätowierern, die Mitglied im Bundesverband Tattoo sind, wird „das Arbeiten nach den höchstmöglichen Sicherheitsstandards erwartet“, so Gordon Lickefett. „Dies beinhaltet selbstverständlich das Verwenden von solchen Farben, die mit deutschen und europäischen gesetzlichen Vorgaben konform gehen.“

Generell seien allergische Reaktionen auf die Farben „derart selten, dass es sich hier wohl auch eher um eine theoretische Möglichkeit, als ein praktisch relevantes Problem handelt“, so Lickefett. Der Bundesverband wolle weder für Verbraucher, noch für Anwender irgendein Risiko. „Deshalb haben wir uns gegründet.“

Von Julia Renner

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