Musiker der dänischen Band beziehen ihre Zuhörer in das Konzert mit ein

Sie teilen ihre Leidenschaft

Versunken in ihre eigene Musik: Die dänische Band Klezmofobia mit (von links) Bjarke Kolerus, Channe Nussbaum und Ole Reimer. Hinten verdeckt: Jonatan Aisen am Schlagzeug. Foto:  Friedewald

Vöhl. Ein musikalisches Spektakel der besonderen Art erwartete am Samstag die Zuhörer in der ausverkauften Vöhler Synagoge. Die dänische Band Klezmofobia, welche schon 2009 in dem kleinen Saal begeisterte, versprach wieder Unterhaltung und Musik vom feinsten.

Spannung und Neugier lagen in der Luft, als fünf Musiker schweigend nacheinander auf die Bühne traten. Mit den ersten Tönen aus der Klarinette wurde der Zuhörer sogleich in die fremde Welt des New York Klezmer entführt, einer Musikrichtung, in welcher sich traditionelle Klezmerklänge mit Rock-, Surf- und Pop-Elementen mischen.

Mit extravaganter roter Bluse, passendem Lippenstift und brauner Lockenfrisur betrat Sängerin Channe Nussbaum schließlich die Bühne und sang selbstsicher und in sich versunken die ersten Töne von „Yommi“, ein Lied des neuen Albums „Kartushnik“. „Kartushnik“, das bedeutet Kartenspieler, wie sie bei der anschließenden Begrüßung erklärt.

Das gleichnamige Lied ist eine Polka. Leicht und flott setzt die Musik ein, wird lauter und erfüllt den ganzen Saal. Begeistert wippt das Publikum auf seinen Stühlen mit, doch Channe Nussbaum fordert auf, zu tanzen. Mit gekonnten Schritten bewegt sie sich im Takt der Musik, nimmt den ersten überraschten Zuschauer bei der Hand und tanzt mit ihm durch den schmalen Gang. Andere erheben sich ebenfalls von ihren Plätzen und so entsteht ein fröhlicher Ringelreigen. Das hätten sich wohl die wenigsten gedacht, doch Musik und Rhythmus sind ansteckend.

Auch die Band steht nicht still, nutzt die Bühne aus, zum Beispiel auch für eines der zahlreichen Soli von Klarinettist Bjarke Kolerus, welcher sein Instrument „klagen“ lässt, und Trompeter Ole Reimer. Ganz still wird es hingegen, als Nussbaum mit leisen, vibrierenden Tönen ein altes Volkslied auf Schwedisch anstimmt, bei welchem sie nur von Bass-Balalajkaspieler Jesper Lund Jakobsen begleitet wird. Die restlichen Mitglieder der Gruppe lauschen genauso andächtig wie das Publikum, Schlagzeuger Jonatan Aisen schließt sogar träumerisch die Augen.

Hier wird eine Besonderheit von Klezmofobia deutlich: Sie sind versunken in ihre eigene Musik und interagieren trotzdem auf einzigartige Weise mit den Zuhörern und lassen sie an ihrer Leidenschaft für Klezmer teilhaben.

Neben traditionellen jiddischen Liedern, auf welche nicht gesungen wird, hat Klezmofobia aber genauso fröhliche Lieder in ihrem Repertoire, bei welchen das Publikum auf Anweisung mitunter hochhüpfen oder auch mitsingen soll.

Von Marie Friedewald

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