Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Tiere lebten „in ständiger Angst“: Prozess gegen Hundezüchter aus dem Landkreis

Waldeck-Frankenberg. Wegen Tierquälerei musste sich am Dienstag ein 65-Jähriger aus dem Landkreis vor dem Korbacher Amtsgericht verantworten. Der Hundezüchter ist sich allerdings keiner Schuld bewusst. Vielmehr, so glaubt er, habe es vor allem eine Amtstierärztin auf ihn abgesehen.

„Ich bin von Ihrer Schlechtigkeit überzeugt", schimpfte er.

Immer wieder musste sich nicht nur die Amtstierärztin Beleidigungen anhören. Die hessische Landesbeauftragte für Tierschutz, Dr. Madeleine Martin, sei mit ihren Kollegen im vergangenen Jahr bei einer Kontrolle „über ihn her gefallen, vermummt.“

Ob er stets „zum Wohl der Tiere gehandelt“ habe, wie er behauptete, ist noch nicht endgültig entschieden. Sowohl die Amtstierärztin, als auch die Tierschutzbeauftragte widersprachen ihm allerdings. Bei einer Kontrolle im vergangenen Jahr stellten die Tierärzte getrockneten Kot und Urin an Wänden, Decken und Fressnäpfen fest. In den Wassernäpfen hatten sich teilweise bereits Algen gebildet. Das Fell sei bei vielen Hunden und Katzen verfilzt gewesen, Müll habe herum gelegen und der Auslauf sei ungepflegt gewesen.

Für die Tierschutzbeauftragte war vor allem eins auffällig: die Tiere hatten nicht nur Angst vor den Besuchern, sondern auch vor dem Angeklagten. Sie hätten unterwürfige Gesten gemacht, sie verkrochen, den Schwanz eingezogen und seien nicht einmal nach mehreren Ruf-Versuchen gekommen. „Eigentlich sind es alle menschenfreundliche Hunde, aber es war schwer, an sie heranzukommen“, sagte sie aus. „Man muss davon ausgehen, dass sie ständig in Angst leben.“

Beleidigende Briefe 

Apathisch hätten dagegen die Katzen gewirkt, die teilweise stark abgemagert waren und ebenfalls verfilztes Fell hatten. Außerdem lebten sie in zu kleinen Käfigen.

Der Angeklagte kann das alles nicht nachvollziehen. Für ihn sei es eine „natürliche Tierhaltung“, die er betreibe. Die Zwinger würden täglich gereinigt, er könne sich für seine Arbeit „auf die Schulter“ klopfen, betonte er. Die Amtstierärztin betreibe dagegen „Schikane“, wolle ihn „ruinieren“. Auch seien angeblich zufriedene Kunden gegen ihn aufgehetzt worden. Dass die Amtstierärzte keine Ahnung von Tierhaltung hätten und „Schreibtischtäter“ seien, stellte er gleich mehrfach fest.

Dass es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit dem Veterinäramt gab, machte die Amtstierärztin deutlich. Zahlreiche Mängelberichte seien geschrieben worden, geändert habe sich kaum etwas. Sie und ihre Kollegen hätten immer wieder beleidigende Briefe bekommen, sagte sie aus. Auch züchte er derzeit ohne gültige Genehmigung vom Amt.

Weitere Tierärzte sollen beim nächsten Verhandlungstermin Ende Oktober gehört werden.

Von Julia Renner

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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