Kadaver verwesen direkt an der Straße

Tote Ziegen auf Medebacher Hof: Strafanzeige gestellt

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Vermüllt: Auf einem Aussiedlerhof bei Medebach lagen auf einer Holzpalette mehrere tote Ziegen.

Medebach/Lichtenfels. Immer wieder bemerken Spaziergänger Kadaver auf seinem Hof. Jetzt wurde laut dem Pressesprecher des Hochsauerlandkreises Strafanzeige gegen einen Nordhessen gestellt, der die Tiere bei Medebach hält.

Die Bilder sind unerträglich: Auf einer Holzpalette liegen mehrere tote Ziegen direkt an der Straße Richtung Medebach. Sie sind teilweise bereits verwest und von Ratten angenagt. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. Daneben stehen eine rote Tierkadaver-Tonne sowie kaputte Regenfässer, aus denen Beine und Köpfe von notdürftig mit Folien abgedeckten Tieren ragen. Gleich wird ein Lkw von der Tierkörperbeseitigung kommen und sie abholen.

Die Ziegen gehören einem Mann aus Nordhessen, der seit Sommer 2014 auf einem Aussiedlerhof bei Medebach zwei Ställe angepachtet hat, um darin Ziegen zu züchten. Weit über 100 Tiere soll die Herde vor einigen Monaten umfasst haben, jetzt sind es noch etwas über 50, sagen die Grundstückseigentümerin und der Nachbar. Sie haben in der vergangenen Woche das Veterinäramt des Hochsauerlandkreises angerufen, weil ihnen der Zustand der Ziegen und die Kadaver aufgefallen waren. Ein Anwalt des Tierhalters hatte ihnen zuvor den Zutritt zur verpachteten Stall- und Hoffläche untersagt.

Auch um die Ställe herum häuft sich der Abfall: Knochen, leere Konservendosen, Autowracks, Hausmüll, verfaulte Siloballen und zersplitterte Fenster. Aus den Misthaufen und den beiden Ställen sickern Abwässer durch die Erde ins Grundwasser. Die Grundstückseigentümerin ist machtlos. Sie hat bereits mehrfach den Pachtvertrag gekündigt, ohne Erfolg.

Der Besitzer der verendeten Ziegen widerspricht jedoch dem Verdacht, dass er sich nicht ausreichend um seine Ziegen gekümmert habe. Die tot aufgefundenen Ziegen seien umgebracht worden, weil jemand sie im Stall aufgehängt habe. Es handele sich dabei um 23 Tiere, insgesamt seien 80 Ziegen beim Veterinäramt registriert: „Wir lieben unsere Tiere und werfen sie nicht achtlos weg“, sagte der der Redaktion namentlich bekannte Mann. Er vermute ein absichtliches Vorgehen, da am nächsten Tag das Kreisveterinäramt bei ihm vorstellig geworden sei. Zuvor sei er von den Veterinären einmal pro Jahr kontrolliert worden. Dabei wurden seine Ziegen ordentlich versorgt vorgefunden, was der Pressesprecher des Hochsauerlandkreises am Montag bestätigt hatte.

Seine beim Stall lagernden Maschinen und Siloballen seien ebenfalls mutwillig zerstört worden, der Müll gehöre nicht ihm. Einem bereits von ihm georderten Schuttcontainer sei die Zufahrt zum Grundstück verwehrt worden. Er werde heute Anzeige bei der Polizei erstatten.

Der Tierhalter berichtete weiter, dass seine vorhandenen Tonnen für die Zahl der toten Tiere nicht ausgereicht habe, daher hätte er einige auf eine Palette gelegt. Diese seien am Montag und Freitag von einem vom ihm bestellten Tierkörperbeseitigungsunternehmen abgeholt wurden.

Der Besitzer sagte außerdem, dass er einen Sachsenberger für Fragen rund um die Tierhaltung hinzugezogen habe. Dieser habe außer der Beratung nichts mit den Ziegen in dem genannten Stall zu tun gehabt. Es sei richtig, dass ein hessisches Gericht ihm bereits vor Jahren ein mittlerweile abgebüßtes Tierhaltungsverbot erteilt habe. Dies sei jedoch passiert, weil er aus Krankheitsgründen seine damaligen 30 Schafe nicht versorgen konnte und ein von ihm bestellter Betreuer sich nicht um die Tiere gekümmert habe.

Zuständig ist das Veterinäramt des Hochsauerlandkreises. Der Tierhalter ist dort seit 2014 bekannt. Damals befanden sich tote Ziegenlämmer in der Restmülltonne. Laut dem HSK-Pressesprecher Martin Reuther wird der Stall seitdem kontrolliert und sei seitdem unauffällig. Die derzeit noch gut 50 lebenden Tiere werden seit der vergangenen Woche alle zwei bis drei Tage kontrolliert. Die Veterinäre haben Strafanzeige wegen der verendeten Tiere sowohl gegen den Halter als auch den Betreuer gestellt.

Von Rita Maurer

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