Auf Spuren der Vorfahren

Umzug der Oberförsterei vor 100 Jahren während einer Wanderung nachempfunden

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Umzug der alten Oberförsterei Bringhausen nach Affoldern vor 100 Jahren: Bringhäuser und Gäste wanderten auf alten Spuren, begleitet von „Oberförster August Hellwig“ – alias Matthias Schlote und der Grasfrau Iris Dorn-Fehr.

Bringhausen/Affoldern. Es mutete gespenstisch an, als die „Grasfrau“ Iris Dorn-Fehr und „Oberförster August Hellwig“ alias Matthias Schlote die ersten Geschichten und Anekdoten vor der im Nebel liegenden Liebesinsel im Bringhäuser Becken erzählten.

Gut 20 Interessierte trafen sich am Ufer des Edersees um gemeinsam den Umzug der alten Oberförsterei Bringhausen nach Affoldern nachzuerleben.

Matthias Schlote hatte die Idee während der Feierlichkeiten 100 Jahre Bringhausen und organisierte mit Iris Dorn-Fehr aus Affoldern die Wanderung. Beginnend mit der Legende des Brandes der Burg Bring, der Probleme der Menschen, die erst kurz zuvor mit einer Brücke nach Scheid eine neue Lebensqualität gewannen und dann den Seegrund verlassen mussten, über die Besonderheiten des Waldbölkers, des Oberförsters Kruhöffer, wussten die beiden, die in historischer Kleidung den Umzug anführten, zu unterhalten.

Anekdoten erzählt

Über so manchen Trick berichtete die „Grasfrau“ wie die Menschen an Wild gekommen waren. „Der Hunger saß immer mit am Tisch. So entwickelten die Bringhäuser markante Zeichen, wie zum Beispiel heraushängende Bettlaken, für die Wilderer. Die wussten dann, ob der Förster in den Wald ging oder zu Hause war“, schmunzelte Iris Dorn-Fehr, der man ansah, wie gerne sie in die Rolle der Erzählerin aus früheren Tagen schlüpft.

Die Nationalpark-Führerin schöpfte aus einem riesigen Fundus von Geschichten und Anekdoten rund um den Wald und die Menschen aus den vorigen Jahrhunderten.

Der Weg führte vom Ederseeufer vor der Liebesinsel, dem früheren Ort der Oberförsterei ins Mellbachtal Richtung Försterwiese und finstere Hölle.

Hier erfuhren die Teilnehmer, warum die finstere Hölle ihren Namen hat und wie früher mit Wilddieben umgegangen wurde. Weiter ging es über die alte Trasse des Wildgatters nach Hemfurth. Bei nunmehr strahlendem Sonnenschein wanderte die Gruppe auf dem alten Wasserweg nach Affoldern zum ehemaligen Forstamt, Ratzeburg 1. Zum Abschluss erläuterten Matthias Schlote und Iris Dorf-Fehr, was es mit dem Begriff Ratzeburg auf sich hat. Als Ratz werden die europäischen Iltisse bezeichnet, die zur Kaninchenjagd eingesetzt wurden. Man vermutet, dass die Bewohner des Anwesens sich Ratze als Jagdgenossen gehalten hatten und der Name daher rührte.

Tee und Kürbissuppe

Auf die Wanderer wartete bei der Ankunft noch eine Überraschung. Die neuen Besitzer des früheren Forsthauses luden alle zu Tee und einer Kürbissuppe aus eigenem Garten ein. Mit dieser Veranstaltung gehen in Bringhausen die Feierlichkeiten zu 100 Jahre Bringhausen zu Ende.

Von Heinz-W. Hilberg

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