Illegale Lagerung von Abfall

Unternehmer und Tochter vor Gericht: Es geht um 2000 Tonnen Müll

Waldeck-Frankenberg. Ein Unternehmer und seine Tochter standen am Dienstag vor dem Korbacher Amtsgericht. Den beiden aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg wird vorgeworfen, auf zwei Grundstücken Abfälle gelagert zu haben, obwohl sie dafür keine Genehmigung hatten.

Die Liste der widerrechtlich abgelagerten Materialien ist lang: Bauschutt, Fliesen, Kunststoffe, Folien, Asbest-platten, Schrott und Holz wurden bei der Kontrolle durch die Polizei und das Kasseler Regierungspräsidium dort gefunden. Teilweise seien die Materialien auch belastet gewesen, sagte die Staatsanwältin.

„Wir sind keine Umweltsünder“

Tausende Tonnen seien es nicht gewesen, sagte der 74-jährige Unternehmer aus. Außerdem seien die Materialien nur zwischengelagert gewesen. Sie sollten dort aussortiert und später entsorgt werden, so die Aussage. Normalerweise werde das direkt an den Baustellen gemacht, doch dort sei kein Platz für die Container gewesen. Mittlerweile ist alles weg, sagte der Unternehmer. „Wir sind keine Umweltsünder“, betonte er.

Als Zeuge war ein technischer Angestellter des Kasseler Regierungspräsidiums geladen. Dort war eine Beschwerde über das Unternehmen eingegangen. „Angeblich sollte auf den Grundstücken Material vergraben worden sein“, sagte der Mann. Das Problem sei nicht nur der abgelagerte Müll gewesen. Laut Gutachten seien Belastungen nachgewiesen worden. Zuvor waren zahlreiche Proben genommen worden.

Was genau dort festgestellt wurde, konnte der Mann nicht sagen. Jedoch: „Ich sehe die Gefahr, dass Boden und Grundwasser verunreinigt werden.“ Etwa vier Meter tief war mit einem Bagger gegraben worden, um Proben zu nehmen, erklärte er. „Was darunter liegt, können wir noch nicht sagen.“

Die betroffene Unternehmerfamilie hatte ihrerseits ebenfalls einen Gutachter beauftragt, der Proben genommen hat. Nun werde gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden, sagte der RP-Mitarbeiter. Ende des Jahres solle ein Konzept vorliegen, wie es weitergeht.

Inwiefern tatsächlich auch die 47-jährige Tochter verantwortlich ist, ist derzeit noch nicht klar. Dass sie niemals Geschäftsführerin gewesen sei, machte ihr Anwalt mehrmals deutlich. Ihr Mann und ihr Vater seien für die Geschäftsführung verantwortlich. Sie selbst wollte sich zu den Vorwürfen vor Gericht nicht äußern.

Der Verteidiger des Unternehmers regte zwischenzeitlich an, das Verfahren einzustellen. Für die Staatsanwältin kam das allerdings nicht in Frage. Denn der Angeklagte musste sich am Dienstag nicht zum ersten Mal wegen der verbotenen Ablagerung von Müll vor Gericht verantworten. Einmal wurde ihm bereits eine Geldstrafe auferlegt, ein zweites Mall wurde das Verfahren eingestellt.

In der Anklage ist von insgesamt mehr als 2000 Tonnen die Rede. Der Prozess wird im nächsten Jahr fortgesetzt.

Von Julia Renner

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