Abschluss des Projekts Land-Kultur-Perlen im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Mehr als Kühe und Kirmes: Lob für Kultur im ländlichen Raum

Förderung für ein besonderes Musikprojekt: Die Schüler der Klasse H8 der Mittelpunktschule Goddelsheim wurden bei der Gründung einer Stomp-Musikgruppe unterstützt, die mit Alltagsgegenständen Musik macht. Fotos:  Renner

Waldeck-Frankenberg. Das hessische Modellprojekt Land-Kultur-Perlen startete im vergangenen Jahr in Waldeck-Frankenberg.

22 kleinere Projekte der kulturellen Bildung wurden mit insgesamt 23.000 Euro gefördert. Jetzt zog Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein beim Abschluss in Vöhl eine positive Bilanz.

Die kulturelle Bildung im ländlichen Raum sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagte der Minister. Die Vielfalt in Waldeck-Frankenberg sei beeindruckend. „Was ich eben gesehen habe, macht mich glücklich“, sagte er, nachdem er sich die Ergebnisse der Projekte in der Vöhler Henkelhalle angeschaut hatte.

Die Fokussierung auf Kunst und Kultur in urbanen Räumen sei eine „Fehlentwicklung“. „Das müssen wir ändern und den Blick auf den ländlichen Raum weiten.“ Man hoffe, Impulse gesetzt zu haben, sagte Rhein, der auch in Zukunft eine Unterstützung der kulturellen Bildung versprach. „Der ländliche Raum ist ein Raum, in dem es sich zu leben lohnt. Ohne wäre Hessen ein armes Land“, sagte der Politiker.

Umdenken in Ministerien

Landrat Dr. Reinhard Kubat freute sich, dass der Auftakt des Modellprojekts in Waldeck-Frankenberg stattfand. Die 22 Projekte seien erfolgreich und von großer Nachhaltigkeit geprägt. „Die Projekte schaffen Sinnstiftendes für die Gemeinschaft“, lobte Kubat. Auch im Nachmittagsunterricht an den Schulen im Landkreis solle mehr Raum für Kultur geschaffen werden, kündigte er an.

Blick auf die Ergebnisse: Minister Boris Rhein mit Karoline Petersen von der Künstlergruppe Artur in Korbach.

Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert sagte, dass die Kultur im ländlichen Raum zwar professionell sei, aber von Ehrenamtlichen getragen werde. Er hoffe, dass das Projekt zu einem Umdenken in den Ministerien führe, wo Kultur häufig nur als Einsparmöglichkeit gesehen werde. Mit dem Projekt Land-Kultur-Perlen habe man vieles richtig gemacht, sagte Lothar Behounek, Vorsitzender der Landesvereinigung Kulturelle Bildung. Er lobte „Tatkraft, Engagement und Herzblut“ der Menschen im Landkreis. Behounek übergab eine Skulptur an einen Vertreter des Landkreises Fulda als Zeichen für die zweite Förderrunde des Modellprojekts. In diesem Jahr werden im Landkreis Fulda zahlreiche Vorhaben aus dem Bereich der kulturellen Bildung unterstützt.

Dr. Birgit Wolf, Autorin und Lehrbeauftragte aus Berlin, referierte darüber, dass Breitenkultur im ländlichen Raum „von allen für alle“ gemacht werde, den Gemeinsinn stärke und Identität stifte. Der ländliche Raum sei mehr als Kühe und Kirmes. Die Aktiven vor Ort bräuchten Beratung, unter anderem darüber, welche Fördermöglichkeiten es gebe und welche Qualifikationsmöglichkeiten. Ein Kümmerer sei nötig. Auch Kooperationen und Kommunikation seien entscheidend, und das in den Gemeinden und auch darüber hinaus. Allen Aktiven sollte Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil werden.

Diese Projekte im Landkreis wurden gefördert

Dr. Birgit Wolf

Diese 22 Vereine, Gruppen, Personen und Organisationen im Landkreis bekamen eine Mikroförderung: Aktion für behinderte Menschen Waldeck-Frankenberg, Reinhard Mehles „Storytelling“, Verein zur Förderung der Altstadt von Bad Wildungen, Ortsbeirat Frohnhausen, Förderverein des Klosters Flechtdorf, Stefan Tiepermann „Grenzen überwinden“, Heimatverein Allendorf/Hardtberg, Stadt Frankenberg, Heimat- und Kulturverein Geismar, Musikschule Frankenberg, Klosterfreunde Haina, Studio Kathaco, Karoline Petersen „Kunststuhl“, Stadtarchiv Korbach, Burg Lichtenfels, Mittelpunktschule Goddelsheim, Stadt Rosenthal, MGV Liedertafel Twiste, Förderkreis Synagoge Vöhl, Rückblende – Gegen das Vergessen Volkmarsen, Förderverein WaJuKu Waldeck und Wilhelm Sauer „Runter vom Sofa“.

Einen Überblick über alle geförderten Projekte und weitere Infos zum Modellprojekt gibt es auch auf www.landkulturperlen.de.

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