Herzhäuser versuchen, Ausweisung zu verhindern

Trotz Ausbildung: Der Pakistani Shabbir Ahmad soll abgeschoben werden

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Arbeit in der Backstube in Herzhausen: Der pakistanische Flüchtling Shabbir Ahmad mit Monika Schulte, Bäckermeister Frank Raabe und Karl-Heinz Stadtller (von links). 

Vöhl-Herzhausen. Jahre hat Frank Raabe vergeblich nach jungen Menschen gesucht, die das Bäcker werden wollen. Nun hat er jemanden gefunden, dem die Arbeit in der Nacht nichts ausmacht: Shabbir Ahmad.

Im Februar begann der Pakistani die Ausbildung bei Raabes, doch er soll abgeschoben werden.

Seit zwei Jahren lebt Shabbir Ahmad in Herzhausen. Anfang des Jahres kam er in das Geschäft von Frank Raabe und fragte nach einem Praktikumsplatz. Der Bäckermeister freute sich über das Interesse und sagte zu. Bei der Ausländerbehörde des Kreises und der Handwerkskammer habe er nachgefragt und grünes Licht bekommen, berichtet Raabe. Also begann Ahmad das Praktikum.

Arbeit macht Spaß

Die Arbeit machte dem 28-Jährigen Spaß und so begann er im Februar die Ausbildung zum Bäcker. Einen Pass hatte Ahmad zu dieser Zeit nicht. Als dann die Mitteilung über eine Duldung kam, war darauf der Vermerk, dass er nicht arbeiten dürfe. Zu dieser Zeit war der Flüchtling aber schon in der Ausbildung.

Um seine Identität zu bestätigen und einen neuen Pass zu bekommen, fuhr Shabbir Ahmad schließlich mehrmals nach Frankfurt ins pakistanische Konsulat, mal allein, mal in Begleitung der Familie Raabe. Schließlich bekam er eine sogenannte ID-Nummer, Ahmad arbeitete weiter. Allerdings: „Shabbir Ahmad ist bereits seit 2016 ausreisepflichtig, da mit Bescheid vom 12. Dezember 2016 eine Flüchtlingseigenschaft und ein Schutzstatus nicht zuerkannt wurden und der Asylantrag abgelehnt wurde“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel. In dem Bescheid wurde eine Frist von 30 Tagen zur Ausreise gesetzt, so Conrad. Die Ausreise wurde aber zunächst ausgesetzt, da er keinen Pass hatte und somit das Land nicht verlassen konnte. „Aus diesem Grund erhielt er eine Duldung mit der Auflage eines Beschäftigungsverbots.“ Dieses Verbot werde erteilt, wenn „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“ aus Gründen, die der Flüchtling selbst zu vertreten hat, nicht vollzogen werden können. Zu diesen Gründen gehört auch die nicht ausreichende Mitwirkung bei der Passbeschaffung, „was hier der Fall war“.

Karl-Heinz Stadtler, der den Pakistani in Deutsch unterrichtet, hatte gehofft, dass die sogenannte 3+2-Regel greift, die eine Aufenthaltserlaubnis für die Zeit der Ausbildung und zwei Jahre danach bedeutet. Aufgrund des Beschäftigungsverbots ist das aber nicht möglich.

„Er ist praktisch sehr gut“

Bei denen, die Shabbir die Chance auf eine Ausbildung geben wollen, macht sich ein „Gefühl der Hilflosigkeit“ breit. „Wer sich integrieren und arbeiten möchte, sollte die Chance bekommen“, sagt Stadtler. Das sieht Ahmads Chef ähnlich. „Er ist praktisch sehr gut“, sagt Frank Raabe. Zwar hapere es noch an den Deutschkenntnissen, doch er lerne fleißig.

Doch für das RP ist der Fall klar: Shabbir Ahmad muss ausreisen. „Konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung“ stehen bevor. Ahmad bleibe nur die Möglichkeit, gegen die Abschiebung zu klagen – oder freiwillig zu gehen und „damit die Chance auf ein Ausbildungsvisum zu wahren“, so Michael Conrad.

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