Tatwaffe gibt Gericht Rätsel auf

Prozess gegen Asylbewerber: Wesentliche Fragen bleiben offen

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Kassel/Dorfitter. Im Prozess gegen einen Asylbewerber aus Somalia, der einen 23-jährigen Landsmann lebensgefährlich verletzt haben soll, bleiben am zweiten Prozesstag offene Fragen.

Insbesondere die Tatwaffe gab dem Gericht Rätsel auf. Die vor Ort ermittelnde Kriminalbeamtin sagte aus, ihr sei am Tatort zugetragen worden, dass eine Person ein Messer aus einem Fenster der Unterkunft auf den Parkplatz geworfen habe. Zur Unterstützung habe sie das Technische Hilfswerk angefordert, das mit einem Metallsuchgerät Sträucher und Gebüsch nach einem Messer abgesucht habe. Gefunden wurde nichts.

Ein Hausbewohner hingegen hatte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, er habe dem Angeklagten, dem er am Morgen nach der Tat an der Haustür begegnet war, gesagt, dass die Polizei zu ihm unterwegs sei. Darauf habe der Somalier seine Jacke geöffnet, ein Messer herausgeholt und „über die Brüstung geworfen.“ Bei seiner Aussage vor Gericht bestätigte der Zeuge seine Beobachtung vom Tattag nicht: Er habe lediglich gesehen, dass etwas weggeworfen worden sei. „Was genau das war, habe ich nicht gesehen.“ Zu Prozessbeginn hatte der Korbacher Verteidiger Fahim Qayumi für seinen Mandanten erklärt, dass „von einem Messer keine Rede“ sein könne, ein solches Tatwerkzeug bei dem Angeklagten auch nicht gefunden worden sei.

Die Zeugenaussage des Rettungssanitäters, der zur Erstversorgung des 23-Jährigen in Dorfitter war, lässt anderes vermuten. Er sprach von mehreren rund 3 Zentimeter großen Stichwunden „in den Körper hinein“, die nur von einem spitzen Gegenstand stammen könnten. Eine Verletzung am Hinterkopf trug der Somalier offenbar von dem Schlag mit einer Bierflasche während der Handgreiflichkeiten davon. Dazu kamen vier Stichverletzungen, von denen eine den linken Lungenflügel traf.

Gegenüber der Polizei hatte der Beschuldigte den Streit mit seinem Landsmann eingeräumt, deutete einer Kriminalbeamtin sogar mit Gesten die seinem Opfer beigefügten Messerstiche an. Bei der Erklärung des genauen Tatherganges habe er jedoch „Erinnerungslücken gezeigt“, sagte der Kriminalbeamte, der den Angeklagten vernommen hatte.

Alkoholgutachten 

Ein vom Richter Mütze verlesenes Alkoholgutachten betätigte, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat zwischen 1,9 Promille und 2,3 Promille Alkohol im Blut gehabt haben muss. Ein Test auf weitere Drogen fiel negativ aus. Der Angeklagte habe „immer und viel getrunken“, sei dabei manchmal laut, aber nur selten aggressiv geworden, bestätigten Zeugen. (ptr)

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