Dominik Schmidt hat das Asperger-Syndrom und sucht einen Ausbildungsplatz

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Zeichnet gern: Dominik Schmidt mit Zeichnungen, die er von Zügen angefertigt hat. Sein Großvater Günter Hübel ist die wichtigste Bezugsperson für den 20-Jährigen.

Volkmarsen. Seinem Gegenüber kann er nur flüchtig in die Augen schauen, der Kontaktaufbau mit Fremden fällt ihm schwer und manchmal sind einfache Dinge wie Einkaufen eine Qual. Dominik Schmidt hat das Asperger-Syndrom.

Dennoch möchte er unbedingt „auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen“, wie er sagt. Am liebsten als Lokführer oder Straßenbahnfahrer.

Seit Jahren schon interessiert sich Dominik für Eisenbahntechnik. Die akribischen Zeichnungen von Zügen und Lokomotiven füllen bereits einige Mappen. „Ich entwickel auch Schienen-Fahrzeuge selbst“, sagt der 20-Jährige. Und: „Alles nach EU-Norm.“ Im Führerstand einer Regio-Tram oder Straßenbahn würde er gut zurechtkommen, ist er sich sicher.

„Ich will arbeiten“ 

Dass er durch seine Erkrankung im Nachteil ist auf dem Arbeitsmarkt, weiß Dominik. Er hat auch schon einige Eingliederungsqualifizierungen hinter sich, die ihm die Agentur für Arbeit zugewiesen hat. Derzeit versucht er sich in einem PC-Laden nahe Köln. Dort lebt der 20-Jährige mittlerweile in einer Jugendhilfeeinrichtung für Autisten. Am liebsten, so sagt er, würde er aber wieder in Volkmarsen wohnen. Dort, bei seinem Opa Günter Hübel, lebte er bereits zwei Jahre. Und dort fühlt er sich am wohlsten, er verbringt jeden Urlaubstag dort. Sein Großvater ist die engste Bezugsperson für ihn.

Er versucht, seinen Enkel aufzubauen, sagt der Rentner. Denn der sei mutlos geworden. „Ich denke immer wieder darüber nach, was ich machen soll“, sagt Dominik. Dabei wolle er gar nicht bevorzugt werden, sondern nur eine Chance. „Ich will arbeiten“, betont er. „Ich bin zu gut für eine Behindertenwerkstatt und nicht gut genug für den ersten Arbeitsmarkt“, fürchtet der junge Mann. Er hat einen Realschulabschluss mit Qualifikation.

Dass auch junge Menschen mit Behinderungen ausgebildet werden, sagt Ingo Pijanka von der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH. Eine ärztliche Eignungsprüfung sei aber vorgeschrieben. Einschränkungen gibt es bei psychischen Erkrankungen. „Man darf nicht vergessen, dass Fahrer von Bussen oder Trams eine enorme Verantwortung für ihre Fahrgäste tragen und sie immer und in jeder Situation auf den Verkehr konzentriert sein müssen“, so Pressesprecher Pijanka. Ein Facharzt müsse letzten Endes darüber entscheiden.

Potenzielle Arbeitgeber, die Kontakt mit Dominik Schmidt aufnehmen möchten, melden sich bei ihm per E-Mail an koef3@web.de.  

Hintergrund

Das Asperger-Syndrom: 

Das Asperger-Syndrom ist eine Form der Entwicklungsstörung Autismus, die meistens Jungen und Männer betrifft. Die Betroffenen zeigen stereotype Verhaltensweisen und eingeschränkte soziale Fähigkeiten, auch Emotionen anderer und die eigenen können sie schlecht deuten. Sprachentwicklung und Intelligenz sind bei Menschen mit Asperger-Syndrom in der Regel normal entwickelt. Oft haben Menschen mit Asperger spezielle oder ungewöhnliche Interessen.

Von Julia Renner

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