"Was kommt noch?": Menschen machten im Ortsbeirat ihrem Unmut Luft

Ehringer wehren sich gegen Schließung ihrer Bücherei

Ehringen. Ihren Unmut über die von den Stadtverordneten beschlossene Schließung der Ehringer Bücherei machten zahlreiche Anwesende bei einer öffentlichen Ortsbeiratsitzung deutlich.

Die Ehringer Bürger können nicht begreifen, warum die Ehringer Bücherei wegen Sparmaßnahmen schließen soll, aber die Volkmarsen Bücherei an zwei Tagen und mit zwei Beschäftigten geöffnet bleibt.

„Macht Volkmarsen einen Tag zu und beschäftigt nur eine Person, dann habt ihr das Geld für Ehringen eingespart“, schlägt eine ältere Dame vor. Ortsbeiratsmitglied Gottfried Henkelmann stellte anhand von Recherchen fest, dass von 4500 Volkmarser Einwohnern durchschnittlich 0,3 Personen die Bücherei in Volkmarsen nutzen, in Ehringen seien es auf die Einwohner gerechnet 1,5 Personen. Zudem erinnerte Henkelmann an das von IKEK erstellte Leitbild der Stadt Volkmarsen, in dem es heißt, Ziel sei es, bestehende Gemeinschaftseinrichtungen und Orte der Kommunikation zu erhalten, fördern und gegebenenfalls auszubauen.

Ortstvorsteher Günther Henkelmann zeigte Verständnis für den Unmut der Ehringer, an dem Beschluss der Stadtverordneten sei jedoch nichts zu ändern. Er erklärte dass man nur noch versuchen könne, dem Magistrat eine Lösung zum Erhalt der Ehringer Bücherei anzubieten. Mit der Kürzung des städtischen Budgets zur Anschaffung neuer Bücher von 800 auf 600 Euro, dem Verzicht auf die Hälfte der Personalkosten, einem Beitrag aus dem Ortsteil-Budget und einem geplanten Bücherei-Fest sollen 600 Euro aus Ehringen eingebracht werden.

Die jährlichen Kosten für die Ehringer Bücherei belaufen sich auf zirka 1500 Euro. Nicht einverstanden waren die anwesenden Ehringer über den Vorschlag, die Personalkosten zu halbieren. Christa Haupt, die in diesem Jahr seit 30 Jahren die Ehringer Bücherei führt, sei mit so viel Engagement dabei und bringe selbst Bücher zu Lesern nach Hause, dass es nicht in Ordnung sei, wenn sie auf die Hälfte ihrer ehrenamtlichen Vergütung verzichten solle.

Christa Haupt hatte den Verzicht allerdings selbst vorgeschlagen, ebenso wie Petra Köther, Vertretung für Christa Haupt und zuständig für die Raumpflege. Um diese Kosten aufzufangen, erklärten sich die anwesenden Rentner, die Bücher kostenlos ausleihen können, bereit, in Zukunft zu bezahlen.

„Man fragt sich nur, was kommt noch. Erst das Schwimmbad, jetzt die Bücherei. Bleibt abzuwarten, für was unser Ortsteil als nächstes aufkommen soll, damit es uns erhalten bleibt“, gab Jochen Siebert zu bedenken.

Trotz allen Unmuts ist der Vorschlag an den Magistrat unsere einzige Möglichkeit, unsere Bücherei zu retten, stellte Ortstvorsteher Henkelmann fest. Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, dem Magistrat das Angebot zu unterbreiten, dass sich die Ehringer mit rund 600 Euro einbringen, um die Bücherei zu erhalten. (ysk)

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