Aus fürs Jugendzentrum Volkmarsen: Suche nach Lösung

Viele Teilnehmer: Jugendliche, Eltern, Mitglieder des Magistrats und einige Stadtverordnete kamen zur Diskussionsrunde ins Jugendzentrum. Foto:  Renner

Volkmarsen. „Das große Ziel ist der Erhalt des Jugendzentrums", sagte Jenny Ried. In der vergangenen Woche hatte sie eine Demonstration organisiert, nun eine Diskussionsrunde.

Zu der waren am Mittwochabend viele Jugendliche, Eltern, aber auch Magistratsmitglieder gekommen. Vier Fraktionen waren ebenfalls vertreten - lediglich die CDU war nicht gekommen.

Das Ziel 

„Wir wollen bestehende Strukturen erhalten“, sagte Jenny Ried. „Die Jugend hat leider keine große Lobby, aber sie ist unsere Zukunft.“ Ohne das Jugendzentrum gebe es keinen Ort mehr für die Volkmarser Jugend.

Die Stimmung 

„Alle sind traurig, die Jugendlichen wollen, dass das Jugendzentrum erhalten wird“, sagte Jugendpfleger Marcos Koutelas. Für den 15-jährigen Jan-Luca ist das Zentrum „ein zweites Zuhause“. Schock und Unverständnis würden herrschen, sagte Ried. „Die Arbeit, der Herr Koutelas hier macht, ist klasse“, betonte eine Mutter.

Die Möglichkeiten 

Verschiedene Optionen wurden diskutiert. So beispielsweise die Gründung eines Trägervereins oder eines Fördervereins. „Das wäre dann aber eine dauerhafte Aufgabe, die Vereinsstruktur müsste stabil sein“, sagte ein Teilnehmer. Dass ein Förderverein nur flankierend laufen könne, sagte Ernst Klein. Auch ein mögliches Bürgerbegehren wurde besprochen. Dass Familienzentrum und Jugendzentrum unter einem Dach laufen könnten, war für die meisten keine Möglichkeit.

Am Raum werde es nicht scheitern, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Es gebe mehrere Objekte in der Kernstadt, die geeignet wären. Auch die Kirchengemeinden könnten ins Boot geholt werden, schlug Magistratsmitglied Hiltrud Schwarze vor.

Die Finanzierung 

Der „Knackpunkt“, wie Hakola Dippel sagte, sei die Finanzierung. Die Beschaffung von Fördergeldern sei möglich, dauere aber sehr lange, sagte ein Zuhörer. Dass Unternehmen aus Volkmarsen spenden könnten, wurde angeregt. Ob die Bereitschaft, sich über einen langen Zeitraum zu engagieren, bei den Geschäftsleuten da sei, ist aber unklar. Bei einer Kooperation mit einer anderen Kommune, beispielsweise mit Breuna, gebe es lediglich eine einmalige Förderung, sagte Linnekugel. Ein Förderverein, so wurde deutlich, könne nicht die komplette Finanzierung übernehmen, sondern lediglich beispielsweise Anschaffungen wie Computer übernehmen.

Die Zuständigkeit 

Kathrin Harder, die die Diskussion gemeinsam mit Jenny Ried moderierte, sieht die Stadt in der Pflicht. Jugendbetreuung sei laut Gesetz eine verpflichtende Aufgabe für jede Kommune, sagte sie. Thomas Neutze (FDP) sagte, dass es strittig sei, ob dies tatsächlich so ist. Ein Jugendzentrum werde unter der Überschrift „Freiwillige Leistungen“ geführt. Die Angaben dazu seien unterschiedlich.

Die Politik 

Man solle einen „Blick nach vorn“ wagen, sagte Hartmut Linnekugel, und „gemeinsam überlegen, wie man die Jugendarbeit gestalten kann“. „Heute sitzen die Falschen hier“, sagte Bruno Kramer (SPD) mit Blick auf die CDU, die zur Diskussion nicht gekommen war. „Es wurde uns einfach gemacht“, sagte Klaus Teppe (FWG). In dem monatelangen Prozess habe es nur „vorsichtige Reaktionen“ gegeben. Dass Diskussionen nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden dürften, mahnte Christel Keim (SPD).

Das Ergebnis 

Die „einzige Chance“ sei es, das Thema noch einmal ins Parlament zu bringen, sagte Bruno Kramer. Dies könne beispielsweise über die Unabhängige Liste passieren, da ein entsprechender SPD-Antrag bereits abgelehnt wurde. Die vier anwesenden Fraktionsvorsitzenden wollten sich nun abstimmen. Ein Bürgerbegehren könne später noch fokussiert werden, so der Tenor der Versammlung.

Dass die CDU nicht bei der Diskussionsrunde war, habe personelle Gründe gehabt, sagte Thomas Viesehon, Vorsitzender der Volkmarser CDU, auf HNA-Nachfrage. Alle möglichen Teilnehmer der Partei seien terminlich bereits eingebunden gewesen.

„Aber wir sind nach wie vor offen und bereit für Gespräche“, betonte Viesehon. Dass niemand von Seiten der CDU am Mittwoch dort gewesen war, sei „keine grundsätzliche Absage an eine Beteiligung“. Man sei gerne gewillt, sich der Diskussion zu stellen.

Dennoch, so betonte Thomas Viesehon, könne es ein „weiter so“ im Jugendzentrum nicht geben. Außerdem habe die Stadt Volkmarsen noch nie so viel Geld für die Kinder- und Jugendarbeit ausgegeben wie in den vergangenen Jahren, sagte er.

Von Julia Renner

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