Wege für Mütter und Schwangere werden länger

St.-Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen schließt Geburtsklinik

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Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen.

Wenn Ende Juni im Kreißsaal des St. Elisabeth-Krankenhauses Volkmarsens die Lichter ausgehen, bleiben in Waldeck-Frankenberg noch die Krankenhäuser Korbach und Frankenberg übrig.

Für die werdenden Mütter verlängern sich die Anfahrtswege. Für die Schwangeren im Kasseler Land und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen bieten sich als nächste Kliniken mit Geburtshilfeabteilungen Kassel oder Paderborn an. Doch werden Frauen auch schon mal nach Bielefeld, Göttingen oder Bad Hersfeld weiter geschickt.

Das sind Erfahrungen, von denen die Volkmarser Hebamme Irina Batzel berichtet. Sie betreibt seit 2006 in der Kugelsburgstadt mit zwei weiteren Hebammen die Praxis Neumond. Da Anästhesisten und Gynäkologen künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, können auch die Hebammen nicht mehr den Betrieb des Kreißsaals gewährleisten. Hohe, weiter steigende Haftpflichtpolicen für die Ärzte bedeuten das Aus für den Bereich Entbindungen.

Auch nach Schließung der geburtshilflichen Belegabteilung bleiben jedoch die gynäkologischen Leistungen am St. Elisabeth-Krankenhaus erhalten. „Unsere beiden Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff werden wie bisher in ihrer Praxis die Patientinnen ambulant und gynäkologische Patientinnen im Krankenhaus operativ ambulant und stationär versorgen“, so Klinik-Geschäftsführer Michael Schmidt.

Das letzte „Christkind“ im Krankenhaus Volkmarsen wurde 2017 geboren. Ende Juni 2019 gehen die Lichter im Kreißsaal aus. Unser Bild zeigt die Familie der Neugeborenen Mina Zaun mit Hebamme Shanna Glaser. 

Durch die Neugestaltung der Gebührenordnung für Hebammen hat sich seit Anfang 2018 die Vergütungssituation für stationäre Leistungen in geburtshilflichen Belegabteilungen deutlich verschlechtert.

Irina Batzel berichtet, dass die Vergütung den Einsatz einer Hebamme im Kreißsaal von 280 auf 160 Euro reduziert worden sei. Unterm Strich müssten die Hebammen Einkommensrückgänge um 23 Prozent hinnehmen. So würden die Fahrtkosten nicht mehr von den Kassen bezahlt.

Die Volkmarser Hebammen werden aber weiter ihre Praxis betreiben, Eltern vor der Geburt begleiten und auch danach ihre Leistungen anbieten. Irina Batzel bedauert die Schließung der Geburtshilfe. Schließlich sei der Umgang familiär gewesen. Die Eltern hätten die Rundum-Versorgung sehr geschätzt.

Die Geburtshilfe in Volkmarsen sei eine gut funktionierende Abteilung, die von vielen Schwangeren gerne in Anspruch genommen werde, so Schmidt. „Dass eine solche Abteilung letztlich aufgrund mangelhafter finanzieller Rahmenbedingungen schließen muss, ist traurig“, erklärt der gynäkologische Belegarzt Leonard Kalhoff. Dies sei auch durch Untätigkeit der Bundespolitik bedingt.

Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese hatte im Dezember im Gespräch mit unserer Zeitung Gespräche mit dem Land und den benachbarten Kreisen Kassel und Höxter angekündigt und bekräftigt, dass eine Schließung der Geburtshilfe-Abteilung auf jeden Fall vermieden werden müsse.

„Leider war es dann nicht möglich, einen gangbaren Weg zu finden“, bedauert Klinik-Geschäftsführer Michael Schmidt.

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