Gedenkveranstaltungen in Frankenberg und Volkmarsen

Volkstrauertag: Landrat Kubat erinnert an Lübcke-Mord

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Soldaten der Burgwaldkaserne an der Gedenkstätte auf dem Friedhof in Frankenberg.

Mit Andachten und Kranzniederlegungen wurde am Volkstrauertag in fast allen Orten des Landkreises an die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus’ erinnert.

Die zentralen Gedenkveranstaltungen im Süd- und Nordkreis fanden in Frankenberg und Volkmarsen statt. Dort erinnerte Landrat Dr. Reinhard Kubat anlässlich des Volkstrauertages auch an den Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke. 

„Jahrzehntelang schien es so, als hätte unsere Gesellschaft ihre Lehren aus der nationalsozialistischen Willkür- und Gewaltherrschaft gezogen“, sagte Kubat. Mittlerweile zeige sich der Rechtsextremismus aber wieder ganz offen und scheue auch vor Morden nicht zurück. 

Tief betroffen erinnerte der Landrat an die heimtückische Ermordung Lübckes. Noch vor einem Jahr habe der Regierungspräsident an gleicher Stelle gestanden und die Gedenkrede zum Volkstrauertag 2018 gehalten. Kubat: „Er wurde vor seinem eigenen Haus von einem rechtsextremen Gewalttäter getötet. Die Erinnerung begleitet mich jeden Tag.“ 

Ebenso bedrückend sei der Angriff auf die jüdische Gemeinde in Halle, ebenfalls durch einen Gewalttäter, der der Neonazi-Szene zugerechnet werde. Es sei beschämend, dass heute wieder jüdische Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Synagogen unter Polizeischutz gestellt werden müssten. Das zeige, wie wichtig eine funktionierende Erinnerungskultur für den Fortbestand der Demokratie sei

Kranzniederlegung auf dem Friedhof in Volkmarsen.

„Krieg in unserem Land ist lange her. Aber wir dürfen das Geschehene niemals verdrängen oder gar vergessen“, sagte Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß bei der Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof in Frankenberg. Die „europäische Idee“ dürften sich die Länder dieses Kontinents nicht nehmen lassen, sagte Heß: „Diese Idee müssen wir ausbauen.“ Frieden sei keinesfalls selbstverständlich: „Damals nicht und heute nicht.“

Aus Erzfeinden seien Freunde geworden, die heute eng zusammenarbeiten und sogar mit demselben Geld bezahlen, betonte der Bürgermeister. In Europa werde mit den Nachbarländern nicht nur in Frieden gelebt, sondern auch in enger Partnerschaft. „Gerade in Frankenberg haben wir bei der Europeade im Sommer eine freudige Facette dieses friedlichen Europas erleben dürfen“, sagte Heß.

Die meisten Menschen im heutigen Europa seien in Frieden aufgewachsen, machte Heß deutlich: Die Zahl der Menschen, die noch die apokalyptischen Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt hätten, werde immer kleiner. „Dass wir so lange im Frieden leben, ist vor allem eine Folge des europäischen Einigungsprozesss.“ Wer das Rad zurückdrehen möchte, müsse wissen, was dabei auf dem Spiel stehe. „Nie wieder Auschwitz, nie wieder Krieg“, appellierte Heß. 

Anlässlich des Volkstrauertages solle um die Toten nicht nur getrauert, sondern auch von ihnen gelernt werden. Die Opfer seien eine Verpflichtung für den Frieden. Wer vergesse, laufe Gefahr, die Immunität gegenüber gesteigertem Nationalismus, Ideologien des Hasses und des politischen Fanatismus zu verlieren: „Wo deren Saat aufgeht, wird es brandgefährlich.“

„Die Jugend ist unsere Zukunft – die Zukunft eines gemeinschaftlichen und friedlichen Europas“, sagte Heß: „Lassen sie uns gemeinsam an dieser Vision arbeiten.“

Auf das Folklorefestival Europeade in Frankenberg ging auch Pfarrer Christoph Holland-Letz ein. „Die Europeade ist ein Friedensprojekt, weil sie Begegnungen ermöglicht.“ Es müsse eine Welt gestaltet werden, in der die Menschen miteinander befreundet sein können. „Und das ist angesichts unserer Geschichte ein besonderer Auftrag für uns Deutsche.“ Für die katholische Kirchengemeinde nahm Gemeindereferentin Christiane Adler an der Kundgebung teil.

Vor dem Hochkreuz als Mahnmal und als Gedenkstätte für nachfolgende Generationen, legten Heß und Landrat Dr. Reinhard Kubat Kränze nieder, ebenso der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, das in Frankenberg stationierte Eloka-Bataillon 932, die Reservistenkameradschaft und die Feuerwehr. Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkveranstaltung vom Posaunenchor und vom MGV Liedertafel Frankenberg/Schreufa.

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