Preisdebatte

Auch Willinger Kino boykottiert Disneys "Avengers"

Bundesweit gestartet, läuft aber nicht in allen Kinos: der Film „Avengers“ von Walt Disney, unser Foto zeigt eine Szene daraus. Im Bild oben rechts Friedrich Bähr, Betreiber des Willinger Studio-Kinos, der sich am Protest gegen die höheren Filmmieten beteiligt.

Willingen/Frankenberg. Am Protest gegen die von Disney erhöhte Filmmiete beteiligt sich auch das Studio-Kino in Willingen. Im Frankenberger Thalia-Kino wird "Avengers" dagegen gezeigt.

Bundesweit ist in dieser Woche der Walt-Disney-Film „Avengers: Age of Ultron“ in den Kinos angelaufen. Doch viele Filmtheaterbetriebe im ländlichen Raum - so auch das „Studio-Kino“ in Willingen - zeigen den neuen Action-Streifen nicht. Geschätzte 700 Kino-Betreiber in Deutschland protestieren damit gegen die von Disney geforderte Erhöhung der Filmmiete auf 53 Prozent des Ticket-Preises.

Bisher gehen knapp 48 Prozent pro Eintrittskarte an die Filmverleiher. Mehr als die Hälfte bedrohe die Existenz der Kinos auf dem Lande. Und man befürchte, dass nach Disney auch alle anderen großen Filmverleihe höhere Mieten verlangen. „Das ist ein Dammbruch“, sagt Friedrich Bähr, der Chef der Bähr Filmtheaterbetriebe (Adorf) und Betreiber des Willinger Kinos. Deshalb beteilige er sich an der Protestaktion. Schon jetzt könne sein Kino nicht mehr allein von dem Eintrittsgeld leben, sondern - wie eine Tankstelle - nur durch den Verkauf von Süßigkeiten, Getränken, Popcorn & Co. im Kino-Shop Gewinne erzielen.

Die großen Kinos in den großen Städten zahlen bereits 53 Prozent des Ticket-Preises an die Filmverleihe. Doch hätten es die Kinos auf dem Land auch erheblich schwerer, um etwa die Investitionen in neue Technik wieder hereinzuholen, betont Bähr. Deshalb wolle er es wenigstens versuchen, die höheren Filmmieten abzuwenden. Der Erfolg der Protestaktion gegen Disney hängt seiner Einschätzung nach davon ab, wie viele Kinos beim Boykott mitmachen. Und in diesem Zusammenhang fällt Friedrich Bähr ein launiger Spruch ein. „Es heißt ja, wenn man drei Kinobetreiber unter einen Hut bringen will, dann muss man zwei totschlagen.“

Film läuft im Thalia 

Wilhelm Ortwein, Betreiber des Thalia-Kinos in Frankenberg, zeigt den Film „Avengers“. „Wir sind ein kommerzielles Kino, wir mussten den Film zeigen, weil er sehr populär ist und es im Vorfeld schon viele Nachfragen gab“, begründet das Ortwein.

Die Proteste der Kollegen gegen die von Walt Disney nun geforderten 53 Prozent pro Eintrittskarte seien allerdings berechtigt. „Die haben die Konditionen derart angezogen, dass es schmerzhaft ist“, sagt Ortwein. „Wenn das Schule macht, wird der eine oder andere Film nicht im Kino gezeigt.“ Auch er habe solche Fälle schon gehabt. „Die nehmen auf uns kleinen Kinos keine Rücksicht.“  

Was der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) zu den Disney-Forderungen sagt, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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