Kritik an Auszeichnungspflicht und Arbeitszeitregelungen

"Ein Desaster": Hotelier Gert Göbel zu Neuregelungen

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Willingen. Scharfe Kritik übt Gert Göbel, Chef der Göbels-Hotelgruppe, an der Aufzeichnungspflicht und an neuen Arbeitszeitregelungen. Er spricht vom größten Problem seiner Laufbahn.

Die mit dem Mindestlohn geforderte Aufzeichnungspflicht kritisiert Hotelier Gert Göbel als „bürokratisches Monstrum“. Im Brief an Ministerpräsident Bouffier schreibt der Willinger, er habe seine Hotelgruppe seit 1975 aus kleinsten Anfängen heraus entwickelt. Göbel: „Was ich in den letzten Monaten - und ich bin nun exakt seit 40 Jahren selbstständig - mit der neuen Aufzeichnungspflicht erleben muss, nicht mit dem Mindestlohn an sich, denn den zahlen wir unseren Mitarbeitern schon lange, ist das größte Problem meiner geschäftlichen Laufbahn.“

Im Dehoga-Landesvorstand 

Die neuen Aufzeichnungspflichten seien so umfangreich, dass er die negativen Auswirkungen nicht alle schildern könne, betonte das Mitglied im Dehoga-Landesvorstand Hessen. Weil man mangels Arbeit an Nachmittagen keinen Zwei-Schicht-Betrieb fahren könne (etwa Frühschicht bis 14 Uhr, Spätschicht ab 14 Uhr), würden die Personalkosten immens steigen. Das führe zu Preiserhöhungen. Gäste seien aber nicht bereit, sie zu zahlen, erklärte Göbel.

Gert Göbel

„Von meinen 900 Mitarbeitern beschäftigen wir etwa 150 als Aushilfen, die den so genannten Mindestlohn bekommen.“ Diese würden dringend benötigt, um Spitzen abzudecken. Laut Arbeitszeitgesetz dürften aber viele als Aushilfen nicht mehr beschäftigt werden, wenn sie bereits an ihrer „normalen“ Arbeitsstelle tätig gewesen seien und ihre Gesamt-Tages-Arbeitszeit über die Zehn-Stunden-Grenze hinausgehe. „Für uns, die wir auf solche Arbeitskräfte angewiesen sind, ist das ein Desaster“, sagte Göbel.

Die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes und die Dokumentationspflichten stellten die Hotelgruppe auch für alle übrigen Mitarbeiter vor gravierende haftungsrechtliche Probleme. Göbel: „Noch nie in meiner geschäftlichen Laufbahn sind die Verwaltungskosten so angestiegen. Wir verwalten und verwalten und verwalten, nur für unsere Gäste haben wir keine Zeit mehr!“ (aha)

Warum die Hotelgruppe bereits ihre Betriebszeiten und ihr Angebot zurückfährt, lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der HNA Waldeckische Allgemeine.

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