Interview mit Biathletin aus Ottlar

Nadine Horchler nach ihrem ersten Weltcupsieg: „Ja, das ist ein cooler Wettkampf“

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Sie ist heute die Nummer eins: Die zweitplatzierte Laura Dahlmeier (links) zeigt auf Nadine Horchler, die ihren ersten Weltcup gewann.

Willingen. ZDF-Reporter Alexander Ruda hatte Gänsehaut, die Bild-Zeitung schrieb vom Biathlon-Märchen in Antholz. Wie die gebürtige Ottlarerin (Kreis Waldeck-Frankenberg) Nadine Horchler selbst ihren ersten Weltcupsieg im Massenstart von Antholz erlebt hat, erzählt die 30-Jährige im Interview mit unserer Zeitung.

Was war anstrengender, der Wettkampf selbst oder das Händeschütteln und der Interviewmarathon danach? 

Nadine Horchler: Ich weiß nicht. Ich wurde regelrecht überflutet mit Glückwünschen. Es waren ganz viele Leute, die sich wirklich von Herzen mitgefreut haben.

Sie waren als 19. des Einzels zunächst nicht qualifiziert. Wann haben Sie von Ihrem Start erfahren? 

Horchler: Beim Essen am Abend vorher, da hatte die Russin schon abgesagt. Es war vielleicht ganz gut, dass ich es nicht vorher wusste, denn so hatte ich vorher einen ganz entspannten Tag. Erst habe ich locker trainiert und nachmittags die Füße hochgelegt. Ich bin auch vom Kopf her runtergefahren, denn ich hatte mich doch geärgert, dass es eigentlich für den Massenstart nicht gereicht hatte.

Wie haben Sie geschlafen? 

Horchler: Gut. Ich bin zwar vor dem Wecker wach geworden, aber das ist vor Wettkämpfen normal.

Die Kommentatoren hatten Sie erst nach dem dritten fehlerfreien Schießen auf der Rechnung. Wann haben Sie gemerkt, dass das ein ganz besonderer Tag werden kann? 

Horchler: Im Laufen habe ich mich von Beginn an gut gefühlt. Als ich dann beim ersten Stehendschießen auch fünf Mal getroffen habe, und das auch mit einer gewissen Ruhe und Sicherheit – da habe ich gedacht: ja, das ist ein cooler Wettkampf.

Wie erklären Sie diese Nervenstärke, immerhin sind Sie Stammgast im IBU-Cup, den Sie letzten Winter gewonnen haben, und nur ab und zu im Weltcup unterwegs? 

Horchler: Vielleicht, weil ich 2013 in Antholz mit zwei fünften Plätzen meine bisher besten Weltcup-Ergebnisse gefeiert habe. Ich habe hier in Sprint, Verfolgung und in der Staffel schon null geschossen, da wusste ich, dass ich es auf dem Stand kann. Ich habe mir auch etwas Zeit gelassen, weil man hier in der Höhe doch ein bisschen mehr schnaufen muss. Ich wusste, ich muss übers Schießen kommen.

Nach dem letzten Schießen haben sie rasch die vier Sekunden Rückstand auf Gabriela Koukalova zugelaufen und sie im Schlussspurt acht Sekunden hinter sich gelassen. Was war die entscheidende Phase? 

Horchler: Am letzten Buckel hat sie versucht, wegzukommen. Da habe ich mir gesagt, du musst dranbleiben, komme, was wolle.

Die Entscheidung fiel kurz danach in der letzten Abfahrt. 

Horchler: Ja, Co-Trainer Tobias Reiter hatte morgens noch gesagt, nach der Abfahrt müsst ihr innen sein, sonst habt ihr auf der Zielgeraden keine Chance. Da habe ich noch gedacht, das ist für mich nicht so interessant – zum Glück habe ich mich erinnert.

Wie haben Sie Ihren Triumphlauf ins Ziel vor 20 000 Zuschauern erlebt? 

Horchler: Normalerweise hört man die Konkurrentinnen hinter sich, aber weil die Zuschauer so geschrien haben, das ganze Stadion gebebt hat, wusste ich nicht, wie groß der Abstand ist. Und ich habe mich auch nicht getraut, mich umzudrehen. So war mir erst drei Meter vor dem Ziel klar, dass ich tatsächlich gewinne.

Wie sehr haben Sie sich gefreut, dass die Weltcupführende Laura Dahlmeier sie mit der Geste von Sprintstar Usain Bolt zur Nummer eins gekürt hat? 

Horchler: Ich wusste gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Wir trainieren in Mittenwald zusammen und da weiß sie, dass es bei mir auch nicht immer so einfach war. Deshalb hat sie mir den Sieg auch ganz besonders gegönnt.

Und was kommt jetzt? 

Horchler: Offiziell ist es noch nicht, aber ich werde wahrscheinlich, wie geplant, ab Mittwoch die EM in Polen laufen. Für die WM Anfang Februar in Hochfilzen bin ich Ersatzfrau.

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