Landesschützentag in Willingen: Tanja Frank an der Spitze

Drei neue Präsidenten:  Hessens Schützen wollen den Umbruch

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Viel Hoffnung ruht auf ihnen: Das neue HSV-Präsidium (von links): Otmar Martin (Sportleiter), Stefan Rinke (Jugendleiter), Thomas Scholl (Vizepräsident), Tanja Frank (Präsidentin), Markus Weber (Vizepräsident) und Friedhelm Wollenhaupt (Schatzmeister). 

Willingen – Es war ein langes Wochenende für die Schützen im Upland. Bis zur Wahl des neuen Präsidiums am Sonntag wechselten sich Feier- und Streitkultur munter ab. 

Das Führungsgremium wieder vollständig und ebenso schlagkräftig zu machen, war der Wunsch aller. Bereits im Vorfeld der Delegiertenversammlung am Sonntag wurden daher Meinungsbilder gesammelt, Lösungen abgeklopft, Personalien durchgespielt. Denn in den meisten der 27 Schützenbezirke hatte sich Unzufriedenheit angestaut, die sich schon vor einem Jahr zeigte, als die Präsidentenwahl vertagt wurde.

Neue Gesichter und eine neue Politik wünschten sich offenbar viele. Das brachte spätestens die Versammlung zum Abschluss des Landesschützentages zum Ausdruck: Beide Vizepräsidenten nahmen Abstand davon, ein weiteres Mal zu kandidieren. Der Baunataler Wolfram Herath, der Mitglied des SV Odershausen ist, hatte bereits am Samstag dem Gesamtvorstand erklärt, dass er nicht weitermacht und dafür unter anderem auch private Gründe angeführt.

Pfnorr und Herath hören auf

Hartmut Pfnorr legte am Sonntagmittag sein Herz auf die Zunge. „Gestern war ich noch anderer Ansicht, heute Morgen habe ich mich endgültig entschieden, nicht mehr zu kandidieren. Es ist Zeit zu gehen“, sagte der Wiesbadener mit bewegter Stimme. Er habe sich zuletzt neben persönlicher Kritik auch Unterstellungen anhören müssen. „Diese weise ich entschieden zurück, weil sie schlicht nicht stimmen.“

Nun war der Weg frei für neue Gesichter, und von bis zu zehn Kandidaten für einen Führungsposten, die im Laufe des Wochenendes in den Sitzungen eine Kampfabstimmung androhten, warf dann doch nur einer seinen Hut in den Ring. Einzig Tanja Frank stand zur Wahl als Präsidentin, die die Findungskommission im Januar als Wunschkandidatin präsentierte.

Die 48-jährige Baunatalerin hat sich als Referentin für Sommerbiathlon im Landesverband einen Namen gemacht, hat diese Sportart im HSV etabliert, zudem gilt sie als sehr gut vernetzt. Und erzielte ein Ergebnis, das ihr die Tränen in die Augen trieb: 264 von 271 Stimmen entfielen auf die Nordhessin, die vier Jahre als Bundessportleiterin im Deutschen Schützenbund für Trend- und Breitensport zuständig war. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagte Frank nach einer Minute stehendem Applaus. „Den ersten Meilenstein haben wir gesetzt.“

Und welche Erwartungen sieht sie auf sich zukommen? "Es ist ganz klar der Wunsch der Basis, dass der Verband kommunikativer wird und das Vertrauen seiner Mitglieder wieder herstellt. Es darf nicht diese Fronten geben – „die da oben“ und „die da unten“. Mitglieder wollen wahrgenommen und mitgenommen werden. Das ist lange Zeit auf der Strecke geblieben", sagte Frank.

Zwei, die die neue „Chefin“ gern in ihrem Team haben möchte, wurden ebenfalls mit beinahe 95 Prozent Jastimmen gewählt. Vizepräsident wird in Thomas Scholl ein weiterer Nordhesse, ebenfalls 48 Jahre alt. Der derzeitige Schützenmeister im Bezirk Schwalm-Eder mit 6300 Mitgliedern, der im Schützenverein Rhünda zu Hause ist, erhielt 261 Ja-Stimmen. „Ich trete an, weil wir der Meinung sind, dass es an der Zeit ist, wieder mit- statt gegeneinander zu arbeiten und Vertrauen zu schaffen“, sagte der Felsberger.

"Vize" aus Nord und Süd

Ihm zur Seite steht Markus Weber aus Ober-Ramstadt in Südhessen. Der 41-Jährige IT-Fachmann, 15 Jahre Sportleiter im Bezirk Rhein-Main-Modau, erhielt 241 Stimmen. „Der Verband, das sind die Bezirke und Vereine. Mit ihnen müssen wir arbeiten. Und für sie“, sagte Weber, der in Fritz Klink (Groß-Gerau) einen Gegenkandidaten hatte, der aber offenbar nicht besonders ernst genommen wurde – 23 Stimmen bekam der 66-Jährige.

Neues Ehrenmitglied des Hessischen schützenverbandes ist seit Sonntag Fritz Emde. Der langjährige Arolser Kreisschützenmeister nahm unter anderem die Glückwünsche von Wolfram Herath (links) entgegen. Der Odershäuser nahm Abschied als Vizepräsident des HSV.

Zwei Kandidaten auch bei der Wahl zum Schatzmeister: Amtsinhaber Friedhelm Wollenhaupt aus Rotenburg hatte im 41-jährigen Mark Nolzen aus dem Vogelsberg einen jungen Herausforderer, der Mehrheit (155:122 Stimmen) war aber die Erfahrung Wollenhaupts lieber.

Eher Formsache war hingegen die Wiederwahl von Sportleiter Otmar Martin (62 Jahre, Alsfeld) und Jugendleiter Stefan Rinke (51, Ober-Breidenbach), die 261 bzw. 265 Stimmen erhielten.

Popcorn und viel Sitzfleisch

Dass im Untergeschoss des Besucherzentrums ein Kino ist, fand Anklang bei den Delegierten: „Das ist teils großes Kino. Da passt da ja dazu“, sagten einige Bezirksvertreter, die sich den Versammlungsmarathon mit Knabbereien versüßten. Sieben Stunden dauerte die Delegiertenversammlung am Sonntag in Willingen. 

Dass viel Zeit draufgehen würde bei der Diskussion um die vom Hessischen Schützenverband (KSV) geplante Umlage der Vereine für den Umbau des Landesleistungszentrums (LLZ) in Frankfurt, das war klar. Dass aber bereits nach der Debatte um die notwendige Satzungsänderung das Thema keines mehr war, kam überraschend. 

Doch so kam es. Weil die Delegierten der Satzungsänderung die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verweigerten, musste über den Antrag des Präsidiums gar nicht mehr abgestimmt werden – es fehlte somit die rechtliche Grundlage, überhaupt eine solche Umlage erheben zu dürfen. „Ich glaube, dass war den meisten so nicht klar“, meinte die neue Präsidentin Tanja Frank. „Der Höchstbetrag einer Umlage darf das Dreifache des derzeitigen Jahresbeitrages nicht übersteigen.“ An diesem Satz, der neu in die Satzung aufgenommen werden sollte, störten sich einige Bezirksvertreter.

Zeigt her eure Kärtchen: Sieben Stunden dauerte die Delegierten-Versammlung im Besucherzentrum.

Eine Diskussion entfachte sich mehr und mehr, und die Zweifel, ob die Vereine genau wissen, was auf sie zukommen kann. Letztlich war der Paragraph vielen zu wacklig formuliert – bei 181 Ja- und 90 Nein-Stimmen fehlten 23 Stimmen, um die Sache zu verabschieden. 

So muss das neue Präsidium nun die Umrüstung des LLZ auf elektronische Scheiben von 2020 auf 2021 verschieben – oder eine andere Art der Finanzierung finden. Die Notwendigkeit eines Standumbaus hatten die meisten allerdings nicht bestritten im Vorfeld. 

Zumal nach zunächst unklarer Kostenlage noch vor einem Jahr inzwischen der Kostenrahmen realistisch aufgestellt ist. Das veranschaulichte Klaus Jürgen Hensel, der die Möglichkeiten zur Umrüstung der großen Zehn-Meter-Halle im LLZ auf 60 elektronische Stände vorstellte. Der Marburger Bezirksschützenmeister, der in einem Ingenieurbüro arbeitet, begrenzte die Kostenschätzung auf maximal 450.000 Euro. (schä)

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