„Meine Füße tun mir leid“: Biobauer Schöneweis ist kurz vor Berlin

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Nur kurz ausruhen: Biobauer Otto Schöneweis aus Braunau hat es eilig und will am Samstag in Berlin sein.

Willingen/Berlin. Seine Knochen schmerzen und seine Füße tun ihm leid: Biobauer Otto Schöneweis ist auf den letzten Kilometern seines Protestlaufs. Fast wäre er gescheitert.

„Alleine hätte ich es nicht geschafft“, sagt Otto Schöneweis. Ohne seinen Freund Günther Böckmann wäre es eng geworden: 460 Kilometer in elf Tagen, von Usseln zu Fuß nach Berlin. Ein Protestmarsch, der an die Substanz geht. Der Bauer aus Schleswig-Holstein kam genau zur richtigen Zeit.

Seit Donnerstag wechseln sich die beiden ab. Während Böckmann noch frühstückt, zieht Schöneweis mit dem gut 140 Kilo schweren Kälberiglo weiter. Dann kommt Böckmann mit dem Auto nach und übernimmt die Tour. Gemeinsam haben sie ein Ziel: Sie wollen am Samstag in Berlin sein, wenn tausende Demonstranten gegen die derzeitige Agrarpolitik protestieren.

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Otto Schöneweis gibt seinen Zwischenbericht durchs Handy. „Moment, ein LKW, bitte lauter“, ruft der Braunauer. Er ist am Freitagmorgen auf der B1 in Richtung Potsdam unterwegs. Zeit für eine Pause hat er nicht. Jetzt, wo es auf jede Stunde ankommt. Er will bis Samstag, 9.30 Uhr, in der Hauptstadt sein. „Seitdem ich den Günther hier habe, weiß ich, dass ich das schaffe“, gibt er sich kämpferisch.

Jetzt, hinter Brandenburg, sei der Protestlauf wie ein Spaziergang. „Wenn alle wüssten, wie das im Harz war. Dort habe ich viel kämpfen müssen“, sagt Schöneweis. Drei Kilometer in drei Stunden. Schneller ging es nicht bei 14 Prozent Steigung. Die Etappen sind nicht spurlos an ihn vorbeigegangen. „Das merke ich in den Knochen und meine Füße tun mir leid.“ Doch der Neufundländer in ihm treibe Schöneweis immer weiter an. An Schlaf sei da nicht zu denken. „Man kommt auch mal eine Woche mit zehn Stunden Schlaf aus“, sagt der Biobauer. Einmal, es war bei Herzberg im Harz, wurde Schöneweis ganz taumelig. „Da habe ich mich eine Stunde schlafen gelegt. Das ist besser als ein starker Kaffee oder ein Schluck Cola.“

Auf seinen Touren gibt es immer wieder kleine Begegnungen. Da ist der Senior, der ihn Tags zuvor im Fernsehen gesehen hat und ihm nun fünf Euro für einen Kaffee in die Hand drückt oder die Frau, die ihm Mut macht, weiterzulaufen.

Immer wieder macht der Biobauer Bekanntschaft mit der Polizei. „Zwei Mal bin ich in der Nacht auf eine Schnellstraße geraten: einmal bei Göttingen und einmal bei Magdeburg.“ Doch die Beamten sind „sehr nett“ und begleiten Schöneweis auf den richtigen Weg. Zum Dank gibt’s ein Erinnerungsfoto.

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