Todesursache weiter unklar

Tödlicher Tauchunfall im Bergwerk in Willingen: Obduktion ohne eindeutiges Ergebnis

Unser Bild zeigt den Eingang zum Unglücksort mit Einsatzkräften der Feuerwehr.

Willingen. Als Todesursache des Volkmarsers, der bei einem Tauchgang in der Willinger Schiefergrube „Christine“ verunglückt war, kommen laut Obduktionsergebnis eine gesundheitliche Ursache oder ein persönlicher Fehler in Betracht.

Aktualisiert am 12. Juli, 13.30 Uhr -  Der bei einem Tauchgang am Mittwoch, 4. Juli, tödlich verunglückte 66-jährige Mann aus Volkmarsen wurde gestern beim Institut für Rechtsmedizin in Gießen obduziert.

Wie die Polizei heute mitteilte, brachte die Obduktion kein eindeutiges Ergebnis zur Todesursache. Es ergaben sich keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden. Auch ein Ertrinken scheide als Todesursache aus. In Betracht kämen hingegen eine gesundheitliche Ursache oder ein persönlicher Fehler beim Tauchen, heißt es in der Pressemitteilung. 

Das war passiert

Der 66-jähriger Mann starb, nachdem er mit einem befreundeten 51-Jährigen aus Bad Arolsen in dem Höhlensystem tauchen war. Weil die Ursache für das Unglück und die genaue Todesursache unklar war, hatte die Kasseler Staatsanwaltschaft eine Obduktion beantragt.

Blick in die Grube Christine: Ein Taucher in dem alten Stollen in Willingen.

Das war passiert: Gegen 21 Uhr am Mittwoch stiegen die beiden erfahrenen Taucher in den alten Stollen hinab. Beim Auftauchen machten die Männer regelmäßig sogenannte Dekrompessionsstopps, bei denen immer wieder in einer bestimmten Tiefe kurz verweilt wird. So soll der Dekompressionskrankheit vorgebeugt werden. Während einer solchen Pause entdeckte der Bad Arolser seinen Tauchfreund in sechs Metern Tiefe, er hatte das Bewusstsein verloren. 

Der 51-Jährige brachte ihn an die Oberfläche, alarmierte den Rettungsdienst und begann mit der Wiederbelebung. Mit dem Krankenwagen wurde der 66-Jährige schließlich ins Briloner Krankenhaus gebracht, wo er gegen 23.20 Uhr verstarb.

Die Kripo Korbach hat die Ermittlungen aufgenommen und die Tauchausrüstung sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Kassel wurde eingeschaltet, sie wird über die Beantragung einer Obduktion entscheiden, sagt Jörg Dämmer, Sprecher der Polizei. Beide Männer seien „langjährig erfahrene Taucher, die auch die entsprechende Qualifikation und Berechtigung dazu hatten“. 

Die Gemeinde Willingen, die Eigentümerin des Bergwerks ist, hat den Stollen verpachtet. Ob der Todesfall Konsequenzen für das Tauchangebot in der Grube haben wird, hänge von der Todesursache ab, so Bürgermeister Thomas Trachte. Sollte es ein Unfall oder gesundheitliches Problem gewesen sein, dürfe auch künftig getaucht werden. Hänge der Tod mit dem Tauchsystem an sich zusammen, könne man es möglicherweise nicht mehr anbieten.

Einsatzkräft der Willinger Feuerwehr bergen den verletzen Taucher aus der Grube.

Laut 112-Magazin gab der Pächter der Schiefergrube die Auskunft, beide Taucher hätten bereits mehrere Tauchgänge in der Grube absolviert, es handele sich bei den Männern um erfahrene Taucher. Es sei seiner Meinung nach aber denkbar, dass die Sicherung des Mundstücks nicht angelegt wurde. Sie soll das Mundstück fixieren, damit kein Wasser eindringt. 

Hier befindet sich die stillgelegte Grube:

Schiefergrube Christine: Bergwerk, Christstollen und Tauchen

Wie der Name bereits sagt: es handelt sich um eine ehemalige Schiefergrube. Sie wurde insgesamt etwa 100 Jahre betrieben und im Jahr 1971 geschlossen. Weil zur Verkleidung von Dächern und Häusern immer mehr Kunststoff verwendet wurde, rechnete sich der Abbau von Schiefer nicht mehr. Dieser wurde nämlich größtenteils zu Dachschieferplatten verarbeitet. Deswegen sieht man bis heute viele Häuser im Upland und im Sauerland, die ein Schieferdach haben oder mit Schiefer verkleidet sind. Inzwischen werden in der stillgelegten Grube Führungen für Familien angeboten. Gäste werden dabei durch einen Teil des Stollensystems gebracht. Eine Führung dauert eine knappe Stunde.

Im Stollen wird übrigens auch Stollen gelagert: Es gibt einen Bäcker aus der Stadt, der die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen dazu nutzt, um dort schon im Sommer den Christstollen für das Weihnachtsfest ruhen zu lassen. Die Lufttemperatur liegt konstant bei 8 Grad.

Neben den Führungen wird noch etwas Besonderes angeboten: Tauchen in der Grube. Wer als Höhlentaucher ausgebildet ist, darf durch die gefluteten Areale tauchen. Der Eingang für die Taucher ist auf der anderen Seite des Bergwerks. Nach Angaben der Stadt Willingen gibt es unter Wasser eine 1,2 Kilometer lange Führungsleine. Sie dient der Orientierung und soll im Notfall helfen. Auch das Wasser hat immer eine Temperatur von etwa 8 Grad. Auf der Homepage der Gemeinde heißt es: "Im Scheinwerferlicht entdecken die Taucher Kleidungsstücke, Schuhe, Flaschen, Werkzeug, Rohre, Schienen und Loren, so als sei ein Arbeitsplatz nur für kurze Zeit verlassen worden." Es sieht also so aus, als hätte der Bergbau eben erst stattgefunden. Der Tauchgang beginnt mit dem Einstieg über sogenannte Bremsberge. Das sind Überreste des Bergbaus. Über die Bremsberge zogen Bergleute früher die Loren.

Video: Bergwerk-Tauchen

Der Sender Pro 7 hat für sein TV-Format "Galileo" das Schieferbergwerk Nuttlar im Sauerland (NRW) besucht. Das Video zeigt, wie es im Bergwerk aussieht und wie das Wasser ursprünglich ins Bergwerk kam. Außerdem wird gezeigt, wie ein Tauchgang im Schieferbergwerk abläuft. Zu sehen ist nicht nur, wie verzweigt das Labyrinth unter Wasser ist, sondern auch, welche Gefahren in den Tiefen des Bergwerks lauern können.

Das Video wurde nicht von der HNA aufgenommen. Es gehört zur Video-Plattform Glomex.

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