Er hatte schon als Kind an der Schanze gearbeitet

Kurz vor Skisprung-Weltcup in Willingen: Schanzenchef Wolfgang Schlüter (64) gestorben

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War der Chef an der Willinger Skisprungschanze: Wolfgang Schlüter starb mit 64 Jahren.

Wolfgang Schlüter, einer der Macher des Weltcup-Skispringens in Willingen, ist tot. Der Schanzenchef am Mühlenkopf starb unerwartet in der vergangenen Woche während des Ski-Urlaubs in Österreich.

Als Eismeister der Willinger Kurbetriebe erst vor einigen Monaten in Ruhestand gegangen, wollte der 64-Jährige vor der heißen Phase im Weltcup-Countdown mit seiner Familie in Schruns im Vorarlberg noch einmal einige Tage ausspannen. Nicht nur für seine Ehefrau, die beiden Töchter, Schwiegersöhne kam diese traurige Nachricht unerwartet.

„Ein Profi im Ehrenamt – aber mehr noch ein guter Freund, vorbildlicher Free Willi, der sein ganzes Schanzenteam auch in den schwierigsten Situationen mit seiner stets humorvollen Art für die Schanze und den Weltcup begeistern konnte, ist von uns gegangen. Wir sind alle sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie“, fasste Präsident Jürgen Hensel in bewegten Worten zusammen.

Seit 2006 war Wolfgang Schlüter Schanzenchef wie schon sein Vater Heinrich in den 1960ern. 54 Jahre war Schlüter Mitglied im Ski-Club Willingen. „Als Knecht“ hatte er schon als Kind an der Schanze mitgearbeitet und sein Wissen und seine Erfahrung später nicht nur an der Mühlenkopfschanze, sondern auch bei befreundeten Skiklubs in Klingenthal, Oberstdorf und Titisee-Neustadt eingebracht.

Skisprung-Weltcup: Die Eisspur war sein ganzer Stolz 

Er verlor nie die Nerven – ob der Schnee ausblieb, mit Schneekanonen und Lanzen produziert werden oder mit unzähligen Lkw-Fuhren aus Skihallen, der Veltins-Arena oder Fischfabriken herangekarrt werden musste. Schlüter wusste immer, was zu tun war. Für Fernsehen, Radio oder die Zeitungen gab er Interviews und erklärte jede Situation rund um den Anlauf und den Aufsprunghang. Die Eisspur, die er Weltcup für Weltcup hinzauberte, war sein ganzer Stolz, das Lob der Skispringer und FIS-Funktionäre hatte er sich verdient.

Als Fußballer verdiente sich Schlüter seine sportlichen Sporen. Rechter Verteidiger war seine Position. Als Fußball-Obmann zu Oberliga-Zeiten und später als Obmann der Altherren ließ ihn das runde Leder nicht los. Die Begeisterung dafür gab er an einen talentierten Enkel weiter. Einer der beiden Schwiegersöhne, Tobias Cramer, ist Trainer vom KSV Hessen Kassel und wie der andere, der langjährige Chef „Anlauf“ Michael Groß, auch als Free Willi im Weltcup-Team. Dort hinterlässt Schlüter eine große Lücke.

Arbeit an der Mühlenkopfschanze

Schlüters Stellvertreter Andi Rohn, ein Schulfreund aus Kindertagen, stürzte sich mit dem engsten Helferkreis in die Arbeit an der Mühlenkopfschanze, um die Trauer zu verdrängen und den Weltcup-Countdown in seinem Sinne fortzusetzen. Das Team will alles dafür tun, dass „Willingen/5“ vom 15. bis 17. Februar in Wolfgang Schlüters Sinn wieder ein Kult-Weltcup wird – auch wenn menschlich ein Schatten auf das Topereignis gefallen ist.

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