Blick hinter Kulissen der Grenzland-Kelterei: So wird Saft aus dem Apfel

Nieder-Schleidern. Der Herbst ist die Jahreszeit der Apfeltage. In vielen Gemeinden im Kreis gibt es solche Feste. Und eines darf bei keiner Apfelfeier fehlen: selbst gepresster Apfelsaft. Deshalb haben wir uns von der Grenzland-Kelterei Nieder-Schleidern zeigen lassen, wie ihr Saft zum Fest entsteht.

Das leichte Hämmern der Apfelpresse und das Rauschen des Rotationsmessers der Rätzelmühle: Diese Geräusche begleiten Reinold König und sein Apfelpress-Team in der Grenzland-Kelterei Nieder-Schleidern durch den Tag. Aus 2000 Kilogramm Äpfeln wird der Saft für das Apfelfest in Nieder-Schleidern am Samstag. Ungefähr 1200 Liter Apfelsaft werden zum Fest gepresst.

Für einen guten Saft ist die richtige Wahl der Äpfel entscheidend. „Eine ordentliche Mischung der Sorten ist sehr wichtig, um ein ausgeglichenes Säure- und Fruchtverhältnis zu bekommen“, erklärt Reinold König von der Grenzland-Kelterei.

Frisch gewaschen kommen die Äpfel in eine Rätzelmühle, eine Art Mixer. In den am oberen Ende angebrachten Trichter aus Metall werden die Äpfel gleichmäßig verteilt und mit sorgfältigen Händedruck durch die Mühle gepresst. Das Rotationsmesser schlägt dumpf auf die Äpfel auf. Sie werden zu einer breiartigen Masse. „Es ist sehr wichtig, die Äpfel zu Mus zu verarbeiten. So kann man auch den letzten Tropfen Saft aus ihnen herausholen“, erklärt König.

Zu Mus zerhexelt 

Die zerhexelten Äpfel werden in einer Wanne unterhalb der Rätzelmühle aufgefangen und dann auf einem Pressholz gleichmäßig verteilt. „Das ist entscheidend, um beim Pressen ordentlich Druck von oben zu bekommen“, sagt König. Auf das Pressholz wird nun ein sogenanntes Presstuch gelegt. Darauf wird das Apfelmus mit Hilfe einer quadratischen Form mit sorgfältigen Händestrichen verteilt. Dann wird das Mus mit dem Tuch eingewickelt, wie ein Geschenk.

„Das dient der Filterung“, sagt König. Auf die Oberseite des mit Mus gefüllten Tuchbündels legt man das nächste Pressholz. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis man einen Turm, bestehend aus zehn Presshölzern und neun Apfelmusbündeln aufgestapelt hat.

Pressen den Apfelsaft zum Apfelfest in Nieder-Schleidern (von Links): Reinold König, Robert Robe, Manuel König, Jürgen Reppert, Helmut Jäger-Keuling und Birgit Sauerwald. Fotos:  Brauner

Dieser Turm wird nun in die Apfelpresse geschoben. Von oben drückt das mechanische Oberteil der Presse erst mit 100 Bar, später mit 360 Bar auf den Apfelturm. Langsam verliert das Musgebilde an Höhe, aus allen vier Seiten sprudelt der Apfelsaft heraus. Süßlicher Duft verbreitet sich im Raum. „Beim Pressen muss man behutsam vorgehen. Deshalb pressen wir erst leicht mit 100 Bar und dann mit 360 Bar“, sagte König. So könne man ein das beste Ergebnis erzielen.

Doch nach dem Pressen ist der Saft längst nicht fertig. Der frisch gepresste Saft wird in einen 300 Liter fassenden, silberfarbigen Aufwärmbehälter aus Metall gepumpt. Anschließend wird er pasteurisiert. „Dazu heizen wir den Saft auf 60 Grad auf. Vitamine und Mineralstoffe bleiben dabei erhalten“, erklärt König.

Ist der Saft auf 60 Grad erhitzt, wird er in fünf Liter fassende, wiederverschließbare Plastiktüten gefüllt. Diese kommen in einen grün-weißen Karton. Ein erster Test ist gut. „Ein wunderbarer Geschmack“, sagt König zufrieden.

Apfelfest am Wochenende

Am Samstag, 18. Oktober wird ab 15 Uhr das Apfelfest zur Apfelwoche in Nieder-Schleidern auf dem Vorplatz des Dorfgemeinschaftshauses gefeiert. Dort wird unter anderem der frisch gepresste Apfelsaft der örtlichen Grenz-Kelterei ausgeschenkt. Dieser ist eigens für das Fest aus naturbelassenen Äpfeln gepresst worden. Dazu gibt es ein buntes Programm rund um die Feier. So wird auf dem Fest die erste Apfelkönigin von Nieder-Schleidern gewählt. Dazu wird der Pomologe Robert Jäger zu Gast sein. Unter seiner Regie sollen neue Apfelsorten bestimmt werden. Für die musikalische Umrahmung sorgt ein Projektchor, der auf dem Fest auftreten wird. (fbr)

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