Ziel Berlin: Bauer Schöneweis machte Station in Göttingen

Macht Station in Göttingen: Otto Schöneweis in seiner Kälber-Box. Im Vordergrund Holzschuhe mit Spikes, die er in den nächsten Tagen in den Bergen im Harz tragen wird. Foto: Brüssler

Braunau/Göttingen. Bauer Otto Schöneweis möchte ein Zeichen setzen gegen Missstände in der Agrarpolitik. Deshalb wandert er von Willingen nach Berlin.

In Göttingen berichtet er vom bisherigen Reisverlauf. In zehn Tagen will der 59-Jährige die 460 Kilometer zum Bauerprotest vor dem Berliner Kanzleramt zu Fuß gehen. Das sind bis zu 20 Stunden täglich, die der Milchbauer in Holzschuhen hinter sich legt. Übernachtet wird in einer umgebauten Kälberbox, die er hinter sich her zieht.

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-In Holzschuhen zum Bauernprotest nach Berlin

Bei strahlendem Sonnenschein startete Schöneweis am Mittwoch in Usseln (HNA berichtete) über Bad Arolsen nach Warburg, wo er bei Josef Jacobi, Mitgründer der Upländer Bauernmolkerei übernachten konnte. Schon auf den 65 Kilometern davor hatte der lustige Bio-Bauer, der sich unterwegs gern Gedichte ausdenkt und die mit nordhessischem Dialekt zum Besten gibt, mit einer Schwierigkeit zu kämpfen: „Gleich hinter Arolsen ist mir der Griff vom Wagen abgebrochen und dann fingen die Hände an zu krampfen.“

Nach der Reparatur ging es aber sofort weiter: Um 4 Uhr gestartet, schaffte er die elf Kilometer lange Etappe von Warburg nach Trendelburg in drei Stunden. Doch dann kam eine Steigung, für die der 59-Jährige fünf Stunden brauchte. Damit Schöneweis trotzdem pünktlich beim Termin in Göttingen sein konnte, sammelte ihn sein Unterstützer Jacobi mit dem Auto ein. „Danach fährt mich Josef aber sofort wieder zurück und ich laufe von dort aus weiter - ich will keinen Kilometer geschenkt haben“, ergänzt der ehrgeizige Bio-Bauer mit einem Lächeln.

Seine Route führt ihn weiter über Braunlage und Magdeburg nach Berlin zur Demo, die parallel zu Grünen Woche stattfindet. Für eine faire Landwirtschaft protestieren dann am 17. Januar vor dem Kanzleramt bis zu 25 000 Menschen: „Ich hab noch die Hoffnung, dass ich pünktlich in Berlin bin, aber wenn ich es nicht schaffe, nimmt mich ein Freund mit dem Tieflader ab Brandenburg mit“, erzählt Schöneweis.

Abends ist der 59-Jährige so erschöpft, dass er sich sogar darauf freut in der 1,90 langen Kälberbox zu schlafen, die gleichzeitig auch sein Proviant- und Schuhlager ist: „Wenn ich bei Bauern schlafen würde, würde das zu viel Zeit kosten. Für den Wagen muss ich nur ein geschütztes Eckchen suchen und kann schlafen. Angst hab ich da nicht.“ Wenn es ganz hart kommt, zieht er den Wagen mit beiden Händen und geht dabei rückwärts. „Blasen bekommt man eh, wenn man so viel läuft, aber in meinen Holzschuhen merke ich die kaum. Wenn ich erstmal die Berge hinter mir habe, fühle ich mich wie auf Wolken!“, freut er sich auf die ebene Strecke.

Der BUND Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder organisieren zusammen eine eintägige Busfahrt zur Demo mit Zustieg in Frankenberg, Korbach und Fritzlar. Der Fahrpreis beträgt 30 Euro. Die Demonstration findet parallel zur Internationalen Grünen Woche in der Hauptstadt statt. Genauso wie Otto Schöneweis will der BUND auf die Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam machen. Anmeldungen zur Fahrt nach Berlin beim BUND Frankenberg, Frankenberger Str. 12a, 35066 Frankenberg, 06451/2304150. (nh/kme/zli) www.bund-waldeck-frankenberg.de
E-Mail: rudolf.schaefer@bund.net

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