Adorf: Ein Platz zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Adorf. An 15 Adorfer Bürger jüdischen Glaubens, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde, soll ein Gedenkstein erinnern, der am Freitag, 18. März, am Kahlberg, dem Standort der 1939 abgerissenen Synagoge, enthüllt wird.

In Adorf bestand bis 1938 eine kleine jüdische Gemeinde, das ist bei der Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum nachzulesen. Ihre Entstehung geht ins 18. Jahrhundert zurück. 1854 gehörten den jüdischen Familien im Ort zwölf Häuser und die Synagoge mit dem rituellen Bad.

Die jüdischen Familienvorsteher waren als Kauf- und Handelsleute tätig. 1872 lebten 87 Juden, davon 39 Männer, 32 Frauen und 16 Schulkinder, in Adorf. 1933 lebten noch 19 jüdische Personen in Adorf. In den folgenden Jahren zogen die meisten von ihnen auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien auch aus dem engsten Umfeld weg und/oder wanderten aus.

1936 mussten die jüdischen Gewerbebetriebe zwangsverkauft werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört, 1939 wurde das Gebäude abgebrochen. Die 15 jüdischen Adorfer, an die der neue Gedenkstein erinnern soll, wurden deportiert. Sie kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern oder Ghettos ums Leben.

Die Gedenkrede während der Gedenksteineinweihung, die in der Woche der Brüderlichkeit stattfindet, hält der 1949 in Adorf geborene Richter am Bundesverfassungsgericht, Wilhelm Schluckebier. Weitere Ansprachen werden Landrat Dr. Reinhard Kubat und Diemelsees Bürgermeister Volker Becker halten.

Er sei der entsprechenden Bitte des Geschichtsvereins gerne gefolgt, sagte Schluckebier auf Anfrage der HNA, weil er zum einen Mitglied des Waldeckischen Geschichtsvereins und zum anderen in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge aufgewachsen sei. Seit 2006 ist er als einziger Strafrechtler im Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts tätig. (eds)

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