Digitalisierung

Gottesdienst per Livestream: Wie die Kirche der Coronakrise trotzt

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Kirche in Zeiten von Corona: 

In Zeiten der Coronakrise denken die Kirchen um und bringen Andachten, Messen und Gebete ins Internet. Auch  in Waldeck-Frankenberg. 

  • Corona wirkt sich auch auf die Kirchen aus
  • Kirchengemeinden streamen Gottesdienste
  • Kirchen und Bistümer öffnen digital die Türen

Kirche in Zeiten von Corona: Rückgriff auf das Internet

Die Kirche ist leer, die Sitzbänke verlassen, die Gesangsbücher unbenutzt: DieCoronakrise schließt die Türen der Kirchen. Vermeintlich. Denn die Mitarbeiter und Mitglieder der Landeskirchen und Bistümer trotzen dem Virus.

So auch in Waldeck-Frankenberg und Kassel. Sie werden kreativ, greifen auf das Internet zurück und bringen Andachten, Messen und Gebete zu den Menschen. 

Seit beinahe zwei Wochen fallen die gemeinsamen Gottesdienste aus. Das ist ein riesiger Einschnitt für die Menschen, sind sich Vertreter einiger Landeskirchen und Bistümer in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen einig. 

Corona-Hygieneregeln verändern das Miteinander

Die Coronakrise birgt die Gefahr zu vereinsamen. Besonders betroffen seien Menschen, die vorher schon einsam waren, und die alte Generation, die ihre Kinder und Enkel nun nicht mehr sehen könnte, sagt Monsignore Michael Bredeck vom Erzbistum Paderborn.

In solch einer Situation sei es üblich, die Kirche zu öffnen, sagt Pfarrer Karl-Günter Balzer von der Landeskirche Kurhessen-Waldeck im Kreis Waldeck-Frankenberg gegenüber der HNA. 

Nun verbieten allerdings Corona-Hygieneregeln Menschenansammlungen und schreiben einen Abstand von mindestens 1,5 Metern vor. Doch die Pfarrgemeinden nehmen die Herausforderung, den Menschen auf Distanz zu begegnen, an. In der digitalen und der analogen Welt. 

Corona und die Kirche: Neue Formate für das Internet

Beide Wege seien notwendig, bestätigen Bernd Böttner, Prälat der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck, Volker Bauerfeld vom Bistum Hildesheim und Pfarrer Thomas Renze vom Bistum Fulda. 

Dafür werden von der Kirche über den bestehenden sonntäglichen Fernseh-Gottesdienst hinaus neue Formate für das Internet entwickelt: Wie etwa Videoaufnahmen und Livestreams der Gottesdienste, die auf den Webseiten der Landeskirchen, der Bistümer, der Gemeinden und der Pfarrer und Pastoren abgerufen werden können. 

Kirche will trotz Corona auch Menschen ohne Internet erreichen

Doch nicht nur in der digitalen Welt gibt es Angebote. „Wir bemühen uns, auch Menschen zu erreichen, die nicht so internetaffin sind“, sagt Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann von der Landeskirche Hannover. Es bleiben – als bewährte Mittel – der Telefonanruf und das Schreiben von Briefen. 

Die Kirche in Zeiten von Corona zu den Menschen bringen: Andachten und Bibelverse werden in Briefkästen hinterlassen, in Supermärkten aufgehängt und auf Anrufbeantworter gesprochen. Wichtig sei die Botschaft. Und die lautet: Da sind Menschen, die sich um mich kümmern. Das Engagement – analog und digital – lohnt sich, bestätigt Simon-Hinkelmann: „Die Menschen sind dankbar für den Kontakt.“ 

Und was passiert nach der Coronakrise? Die Menschen werden sich mehr aufs Wesentliche konzentrieren, dankbarer und nicht mehr alles als gegeben hinnehmen, hoffen Vertreter der Kirche. „Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist da und wird hoffentlich auch überdauern“, sagt Balzer.

Livestreams der Kirche 

Täglich werden Gottesdienste der verschiedenen Bistümer, Landeskirchen und aus deren Gemeinden live gestreamt. Hier ein Überblick:

  • Landeskirche Kurhessen-Waldeck: Jeden Sonntag ab 9 Uhr sendet die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck einen Video-Gottesdienst aus Kassel.
  • Landeskirche Hannover: Der Gottesdienst der hannoverschen Landeskirche kommt jeden Sonntag ab 8 Uhr aus der Pauluskirche in Hannover
  • Bistum Fulda: Die Liveübertragung vom Bistum Fulda kommt aus der Stadtpfarrkirche Fulda: täglich ab 9 Uhr (Eucharistiefeier) und ab 18 Uhr (Abendgebet). Sonntags wird zusätzlich eine Eucharistiefeier ab 11 Uhr gesendet.
  • Erzbistum Paderborn: Das Erzbistum Paderborn sendet dreimal täglich aus der Krypta des Hohen Doms in Paderborn: ab 8 Uhr das Morgengebet, ab 12 Uhr das Mittagsgebet und ab 18.30 Uhr die Heilige Messe.
  • Bistum Hildesheim: Im Bistum Hildesheim wird täglich aus dem Hildesheimer Dom übertragen: Montag bis Samstag ab 18.30 Uhr (an den Werktagen die Messfeiern, samstags die Vesper) und sonntags ab 10 Uhr (Sonntagsmesse).

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