„Feldhasen“ gestalten ihr „Ortsschild“ um

Aufregung über den „fürstlichen Freistaat“ in Rhenegge

Anwohner der Rhenegger Siedlung „Im Feld“ an ihrem neu gestalteten „Ortsschild“.  Das „Ortsschild“ bleibt trotz der Beschwerde eines Wanderers stehen: Die Rhenegger „Feldhasen“ haben die Tafel am Weg zu ihrer Siedlung einfach umgestaltet.
+
Das „Ortsschild“ bleibt trotz Beschwerde stehen: Die Rhenegger „Feldhasen“ haben die Tafel am Weg zu ihrer Siedlung einfach umgestaltet.

Die Rhenegger „Feldhasen“ haben ihr „Ortsschild“ nach einer Beschwerde umgestaltet: Ein Wanderer störte sich an ihrem „fürstlichen Freistaat“.

Diemelsee-Rhenegge – Gefährliche Separatisten und fanatische Monarchisten ausgerechnet im friedlichen Rhenegge? Einen „Abgrund an Landesverrat“ witterte offenkundig ein auswärtiger Wanderer, der sich über das inoffizielle „Ortsschild“ der Rhenegger „Feldhasen“ aufregte. Die Gemeinschaft hat ihr Schild deshalb auf die Schnelle umgestaltet.

Schild steht schon seit Jahren

Wenn Besucher in die Rhenegger Siedlung „Im Feld“ wollen, begrüßt sie am Anfang des Weges schon seit vielen Jahren eine wie ein normales Ortschild gestaltete Tafel mit der Aufschrift „Freistaat Feld – Fürstentum Waldeck.“ Sie hat bislang stets für Schmunzeln gesorgt.

Bis jüngst ein auswärtiger Wanderer am Schild vorbeikam. Er ließ offenkundig jeglichen Sinn für Humor vermissen und beschwerte sich offiziell. Freistaat Feld? Tummeln sich da etwa krude „Reichsbürger“? Und dann noch Fürstentum Waldeck? Ja, wo leben wir denn?

Waldeckisches „Nationalbewusstsein“

Na, im ehemaligen Fürstentum Waldeck, das bis 1929 als Freistaat fortbestand, würden prompt eingefleischte Waldecker antworten, die sich bis heute ihr ausgeprägtes „Nationalbewusstsein“ und ihre Heimatliebe bewahrt haben. Und das sind bekanntlich nicht wenige. Bis heute fahren Autos nicht nur mit „WA“-Kennzeichen umher, sondern auch mit Aufklebern „Fürstentum Waldeck“. Also: Wo ist das Problem?

Und selbst Auswärtigen müsste eigentlich gleich auf den ersten Blick klar werden: Das Schild kann nur ironisch gemeint sein. Ein Freistaat in einem Fürstentum? Und ein Fürstentum mitten in der Bundesrepublik Deutschland? Das könnte Staatsrechtler schon ins Grübeln bringen. Oder eher zu einem herzhaften Lachen – weil sie anders als der Wanderer den Witz verstehen.

„Königsallee“ im fürstlichen Freistaat

Und dann hängt gleich nebenan auch noch das Schild „Königsallee“. Und das völlig zu Recht: Der Weg führt schließlich zum Hof von Karl-Friedrich und Silke Bornemann, die seit dem 22. Juni 2015 hochoffiziell das regierende Königspaar der historischen Schützengesellschaft sind. Ob der humorlose Wanderer auch die Abschaffung der traditionsreichen Schützen-Monarchie gefordert hat, ist nicht bekannt.

Aber dank der Beschwerde des Wanderers hatten die „Rhenegger Feldhasen“ ein Problem. Was tun? Das Schild einfach abbauen? Undenkbar. Für die Gemeinschaft zähle „dieses schöne Fleckchen Erde in Diemelsee zu den tollen Sehenswürdigkeiten“, betont eine Anwohnerin. „Die Bewohner sind sehr stolz darauf.“ Ein großer Feldhase und die beiden Schilder hätten schon so manches Foto von Touristen und Diemelseern geziert, sagt sie. „Zu Weihnachten und zu Ostern wird diese Sehenswürdigkeit immer besonders schön hergerichtet“ – auch die WLZ berichtete schon darüber.

Neue Schrift fürs neue Schild

Und so ließen sich die „Feldhasen“ schnell etwas einfallen. Sie entwarfen ein neues Schild mit „Freistaat Feld“ in Druckschrift und „Fürstentum Waldeck“ in einer Kursivschrift, damit auch Humorbefreite gleich kapieren: Vorsicht, Ironie! Bitte mitdenken! Und so heißt künftig das neue Schild Einheimische und Urlauber herzlich willkommen.

Erleichtert haben die bekanntlich durchweg verfassungstreuen und heimatliebenden „Feldhasen“ diese Lösung in gemütlicher Runde bei Bratwurst und Bier ausgiebig gefeiert. Insofern bescherte die Aktion des Wanderers der Gemeinschaft wenigstens etwas Positives: eine schöne Spontanfeier. DR. KARL SCHILLING

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.