Erste Station ist in Adorf

Mädchenbus beendet seine Corona-Pause und tourt wieder

Wieder auf Tour durch Nordhessen: Der Mädchenbus hat seine Corona-Pause beendet, erste Station war am Mittwoch die Adorfer Dansenberghalle.  Hinten von links: Sarah Porthaus, Anna Ahlbach und Sabine Schneider vom Team und der Diemelseer Beigeordnete Hans Hiemer.
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Wieder auf Tour durch Nordhessen: Der Mädchenbus hat seine Corona-Pause beendet, erste Station war am Mittwoch die Adorfer Dansenberghalle.

Das Team des nordhessischen Mädchenbusses ist wieder auf Tour: Erste Station war am Mittwoch die Adorfer Dansenberghalle.

Diemelsee-Adorf – Die Zahl der Infizierten ist endlich auch im Kreis nach unten gegangen, der TÜV hat dem 48 Jahre alten Oldtimer-Bus Ende Mai eine neue Plakette verpasst – Zeit für das Team des nordhessischen Mädchenbusses, die Corona-Zwangspause zu beenden.

In drei nordhessischen Kreisen unterwegs

Auch wenn am Nachmittag in Adorf noch nicht wieder 20 Mädchen wie sonst herumwirbeln, freut sich Sabine Schneider: „Es geht wieder los“, ruft sie, ab sofort ist der Bus wieder jede Woche in Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Kassel-Land unterwegs. „Wir sind froh, dass wir wieder fahren dürfen – im Laufe der Jahre hat sich doch eine Verbundenheit mit den Gemeinden entwickelt.“

Auch technisch sei alles klar: Die Grundsubstanz des Busses von Magirus-Deutz sei laut TÜV noch immer in einem guten Zustand, berichtet Schneider. „Wir sind froh jemanden gefunden zu haben, der sich um unser Schätzchen kümmert“: Der gemeinnützige Trägerverein des Mädchenbusses habe einen erfahrenen „Schrauber gefunden“. Es werde schwierig, Ersatzteile zu finden – der Mechaniker habe seine Kontakte.

Markantes Erkennungszeichen

„Es lohnt sich, Arbeit in den Bus zu stecken“, betont sie – er ist dem Team ans Herz gewachsen. Und er ist ein markantes Erkennungszeichen in den Gemeinden, die er anfährt.

In Adorf haben Anna Ahlbach, Hatice Bozkurt und Sarah Porthaus mit Schneider schnell die Spiele für die Mädchen ausgepackt. Und nach den Monaten im Corona-Lockdown gibt es viel zu erzählen. In der kleineren Gruppe sei der Austausch um so intensiver, sagt Schneider.

Kreis und Gemeinde fördern den Trägerverein

Noch herrschten eben die Corona-Bedingungen, stellt der Beigeordnete Hans Hiemer fest. Für die Gemeinde sei der Mädchenbus ein wichtiges Projekt, deshalb unterstütze sie den Trägerverein auch finanziell. Hiemer ruft andere Kommunen auf, es Diemelsee gleichzutun. Auch der Kreis beteiligt sich mit jährlich 10 000 Euro an den Kosten. Der Kreis Kassel-Land wolle demnächst nachziehen, sagt Schneider. Die Basis-Finanzierung leistet seit 2015 das Land Hessen.

Der Bus sei wichtig für die Mädchen, sagt Hiemer, sie könnten bei den Treffen etwas anderes sehen und hören – und sie könnten ihre Probleme besprechen. Er würde sich wünschen, wenn Eltern oder Großeltern auch aus anderen Ortsteilen die Mädchen zu den Treffen nach Adorf brächten. Schneider ist aber auch offen für neue Standorte in Diemelsee.

„Verbindungsstelle zwischen Schule und Elternhaus“

„Wir sehen uns als Verbindungsstelle zwischen Schule und Elternhaus“, sagt Schneider. Das Team wolle abdecken, was beide nicht leisten könnten. Dabei arbeite es auch mit den Sozialarbeiterinnen wie mit Silvia Feltz in Adorf zusammen. „Wir sehen uns als Ergänzung.“

Ab einem bestimmten Alter wollten Mädchen nicht mehr alles mit ihren Eltern besprechen, erklärt sie. Sie wollten sich untereinander austauschen – oder mit dem Team ihre Probleme besprechen oder Fragen stellen.

Vertrauen zu den Mädchen aufgebaut

Im Bus seien die Mädchen unter sich, „sie kennen sich.“ Außerdem sei ihnen das Team bekannt – Schneider ist seit vielen Jahren dabei, Anna Ahlbach seit drei Jahren. Schon seit 23 Jahren gibt es das Projekt. Durch die Kontinuität der Besuche hätten sie Vertrauen zu den Mädchen aufgebaut, sagt Schneider.

Gesprächsthemen seien Mobbing oder gerade in der mittleren Gruppe der Elf- bis 13-Jährigen die Entwicklung des Körpers: „Da passiert etwas, mit diesen ganzen Veränderungen müssen die Mädchen zurecht kommen.“ Sie sollten sich auch untereinander vertrauen, beschreibt Schneider. Und sie sollten miteinander solidarisch sein.

Neues Projekt für auch für Jungen

Am 14. Juni startet der Trägerverein ein neues Projekt: Dann tourt ein Kinder- und Jugendbus mit Sabine Schneider durch Nordhessen, der gemeinsame Freizeitangebote für Mädchen und Jungen an Bord hat. Erste Termine sind in Battenfeld, Bottendorf und Gellershausen vorgesehen.

Das Team hat seinem violetten Bus mit blauem Schriftband den Namen „Lila Geschoss“ verpasst. Angesichts des schmalen Budgets „haben wie alles selber gemacht“, sagte Schneider. „Wir haben viel improvisiert.“ Zum Team gehörten auch ein Mann und zwei Studentinnen der Kasseler Uni mit, die ihr Praktikum beim Verein absolvieren.

Zweiwöchige Pilotphase

In der zweiwöchigen, vom Land finanzierten Pilotphase will das Team ausprobieren, ob das Konzept aufgeht und ob Jungen das Angebot annehmen. „Es ist als Test gedacht“, sagt Schneider, komme das Angebot an, „werden wir es ausweiten.“

Vorerst sind acht Standorte in drei nordhessischen Kreisen vorgesehen – Hans Hiemer lud das Team nach Diemelsee ein und sagte die Unterstützung der Gemeinde zu. Es sei sinnvoll, den Nordkreis auch zu berücksichtigen. (Dr. Karl Schilling)

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