Anschluss ans Glasfaserkabel erweitert pädagogische Möglichkeiten

Digitalisierung verändert die Adorfer Mittelpunktschule

Im EDV-Raum II der Adorfer Mittelpunktschule: Jungen und Mädchen der Klasse 4a lösen Mathematikaufgaben am Rechner.
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Im EDV-Raum II der Adorfer Mittelpunktschule: Jungen und Mädchen der Klasse 4a lösen Mathematikaufgaben am Rechner – die Digitalisierung im Unterricht hat längst Einzug gehalten.

Digitalisierung verändert die Adorfer Mittelpunktschule: Der Anschluss ans Glasfaserkabel verbessert und erweitert die pädagogischen Möglichkeiten.

  • Die Schule ist seit Oktober ist die Schule ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen.
  • Die Digitalttechnik erweitert die pädagogischen Möglichkeiten, hat aber ihre Grenzen.
  • Schüler müssen Medienkompetenz erlangen, die Lehrer führen sie heran.

Diemelsee-Adorf – Die digitale Technik mit elektronischen Tafeln, Doku-Kameras, Beamern und Lernprogrammen bietet der Mittelpunktschule erweiterte pädagogische Möglichkeiten. Auch der Corona-bedingte Wechsel ins „Homeschooling“ wird zumindest für ältere Schüler leichter.

Kreis baut Netzwerkinfrastruktur aus

Seit Oktober ist die Schule ans Glasfasernetz angeschlossen, der Kreis lasse derzeit für rund 41 000 Euro 32 Basisstationen fürs WLAN einbauen und rund 150 Meter Kabel verlegen, berichtet Pressesprecher Dr. Hartmut Wecker. Das erledigten externe Handwerker bis Ende Januar. Danach werde die Netzwerkinfrastruktur angepasst, um das schnelle Internet der Kasseler Firma Netcom in den Gebäudeteilen zu verteilen. Damit kann das Netzwerk in Betrieb gehen: Bis Ende Februar 2021 sei die volle Internetleistung des Glasfaseranschlusses zu nutzen, erklärt Wecker.

Technik kommt unterrichtsbegleitend bereits zum Einsatz

An der Adorfer Mittelpunktschule kommt moderne Technik unterrichtsbegleitend bereits zum Einsatz. Der „Lockdown“ ab März wegen der Corona-Pandemie habe diese Entwicklung beschleunigt, berichtet die Rektorin Eva Trilling. Aber ihre Schule sei längst auf dem Weg gewesen.

Der Anschluss der Gebäude auf dem Dansenberg ans Glasfasernetz bringt einen einen neuen Schub. Dadurch würden zwei Schwachstellen beseitigt, sagt der Lehrer Reinhard Weber, der auch IT-Beauftragter der Schule ist.

  • Mit dem Glasfaserkabel macht die Schule einen Sprung bei der Kapazität der Datenübertragung. Standen bisher wie in vielen Privathaushalten nur 100 Megabit pro Sekunde zur Verfügung, sind es jetzt 1000. Auch das Hochladen von Daten gehe schneller, was Videokonferenzen erleichtere. Wenn derzeit in den ersten beiden Unterrichtsstunden die Rechner hochgefahren würden, „können wir erst einmal eine Gedenkminute einlegen,“ berichtet Trilling. Das ist bald Geschichte.
  • Außerdem soll das WLAN-Netz ausgebaut werden. Jeder Klassenraum soll eine Basisstation erhalten, über die Schüler I-Pads oder Laptops kabellos mit dem Schulnetzwerk verbinden können. Das WLAN sei einfacher zu handhaben und spare Zeit, sagt Trilling. Sie rechnet damit, dass die neue Technik öfters genutzt wird.

„Wir sind digital schon gut ausgestattet“, berichtet Trilling. Seit der Kreis die bis zu 50 Jahre alten Gebäude umfassend saniert hat, verfügt die Schule bereits über zwölf „Activeboards“ – bei 17 Klassenräumen und den Fachräumen. In jedem Klassenraum gibt es einen Beamer, einen Lehrerrechner und eine Dokumentationskamera. Über sie werden Arbeitsblätter, Schülerhefte oder Präsentationen am „Activeboard“ sichtbar. Löst eine Lehrerin vor der Kamera eine mathematische Gleichung auf einem Blatt, können die Kinder an der Tafel jeden Schritt mitverfolgen.

I-Pads in Klassenstärke für die Schüler

Am „Activeboard“: Der Lehrer Reinhard Weber ruft über die digitale Tafel ein Lernprogramm auf. Er ist auch IT-Beauftragter.

Zwischen zwei Klassenzimmern sind „Differenzierungsräume“ eingerichtet, in denen kleinere Gruppen oder einzelne Schüler unterrichtet werden. Dort stehen bislang sechs Laptops. Außerdem hat die Schule die erste Lieferung von zehn I-Pads erhalten, weitere 20 sollen folgen, berichtet Weber. Auch die Grundschüler des dritten und vierten Jahrgangs sollen sie zur Medienbildung nutzen. Außerdem gibt es zwei Computerräume. Die nutzen überwiegend die Jahrgänge 5 bis 10 für den Fach- und EDV-Unterricht, Grundschüler eher sporadisch.

Digitale Aufgabenformate

Viele Schulbuchverlage und Software-Entwickler bieten inzwischen digitales Begleitmaterial an. So würden im Chemieunterricht Filmsequenzen eingespielt oder Versuchsanordnungen präsentiert, sagt Eva Trilling. Hinzu kämen digitale Aufgabenformate. Statt Arbeitsblätter auszufüllen, arbeiten Schüler immer mehr am PC, erledigte Aufgaben schicken sie an ihre Lehrer zurück.

Vorteil sei, dass die Lehrer Lernfortschritte besser verfolgen könnten. „Der Trend wird noch noch verstärken“, schätzt sie. Angesichts der Masse an Angeboten müsse die Schule aber Schwerpunkte setzen.

Grenzen des Digitalen

Aber was ist pädagogisch sinnvoll? Dazu gebe es viele Studien, berichtet die Rektorin. Grundsätzlich gelte: Je jünger die Schüler, desto weniger Digitaltechnik. So müssten die Grundschüler weiter mit Heft und Stift das Schreiben üben, betont Trilling. „Die klassischen Medien haben Bestand.“

Kinder sollten strukturiert die alten Kulturtechniken erlernen. Auch im Unterricht gehe es immer um einen „maßvollen und zweckgerichteten Einsatz“, sagt die Pädagogin. Lehrer müssten sich immer fragen: „Was ist die bessere Wahl?“ Aber die Kinder wüchsen mit der neuen Technik auf, deshalb müssten sie Medienkompetenz erlangen, , um mit ihr verantwortungsbewusst umzugehen. Sie müssten lernen, Medien reflektiert zu nutzen, sie müssten wissen, woher Informationen kommen und welche seriösen Quellen sie nutzen können. Deshalb würden sie ans Thema herangeführt.

Landesweite Lernplattformen

Sechs Wochen vor den Sommerferien kam für die Jahrgänge 6 bis 10 die Umstellung auf die hessenweit eingesetzte Lernplattform „Moodle“, die das Kultusministerium aus Gründen des Datenschutzes empfehle, berichtet Weber. Vorteil: Aufgaben lassen sich am Rechner erledigen und gleich wieder ins System hochladen. Im neuen Schuljahr solle „Moodle“ als unterrichtsbegleitendes Medium einen festen Platz erhalten. „In der Phase sind wir jetzt.“ Vorteil für Schüler: Sie lernen ein System kennen, mit dem viele auch später in der Berufsschule arbeiten müssen.

Für Grundschüler sei es nicht so geeignet, für sie seien analoge Arbeitsblätter zum Herunterladen besser, erläutert Trilling. Für sie werde die einfacher strukturierte Plattform „Padlets“ eingeführt, die „optisch schön gemacht“ sei, berichtet Weber.

Wechsel vom Präsensunterricht ins Digitale

Die digile Technik erlaube, mit Schülern besser in Kontakt zu bleiben, sie habe sich in Corona-Zeiten bewährt, sagt Trilling. Auch bei Krankheit können Schülern von zuhause aus verfolgen, was gerade im Unterricht durchgenommen wird. Und sollte eine Klasse Corona-bedingt in Quarantäne müssen oder geteilt werden, „können wir ohne große Aktion vom Präsensunterricht ins Digitale wechseln“, sagt Weber. „Moodle weist in Richtung Zukunft.“ Wenigstens für die Älteren.

Und für alle Schüler gilt trotz aller Technik: Der persönliche Kontakt bleibt doch unverzichtbar. (Dr. Karl Schilling)

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