Geschenk an die evangelische Gemeinde

Günter Koch baut die romanische Heringhäuser Barbara-Kirche als Modell nach

Mit dem Modell der romanischen Heringhäuser Sankt-Barbara-Kirche: Links Pfarrer Jörg Schultze bei der Übergabe, der Erbauer Günter Koch erläutert ihm einige Baudetails. Sie stehen vor dem Chor der Kirche.
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Mit dem Modell der romanischen Heringhäuser Sankt-Barbara-Kirche: Links Pfarrer Jörg Schultze bei der Übergabe, der Erbauer Günter Koch erläutert ihm einige Baudetails.

Mit fast 84 Jahren hat Günter Koch das Modell der Heringhäuser Barbara-Kirche gebaut. Vorige Woche übergab er es der Gemeinde als Geschenk. Es soll in einer Vitrine im nördlichen Seitenschiff dauerhaft zu sehen sein.

Diemelsee-Heringhausen – „Ich staune“, sagt Pfarrer Jörg Schultze. Das goldene Kreuz auf dem Turm, die romanischen Bögen der Fenster, das Mauerwerk, die Abstützungen am Seitenschiff. Akribisch hat Günter Koch aus Drensteinfurt das Gotteshaus nachgebildet, in dem der Seelsorger seit vielen Jahren wirkt.

Aus Brandenburg vertrieben

Günter Koch stammt aus der Mark Brandenburg, seine Familie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und strandete in der westfälischen Stadt Drensteinfurt nahe Münster. Koch wurde zunächst Elektrotechniker, schulte um auf Medizintechnik und befasste sich bis zu seinem Ruhestand mit der Digitaltechnik für den Zeitungs- und Buchdruck.

Seit Jugendjahren Modellbauer

Schon mit zwölf Jahren begann Koch mit dem Modellbau. Zunächst waren es Laubsägearbeiten, dann verfeinerte er seine Techniken immer weiter. Seit 21 Jahren gehört er im westfälischen Drensteinfurt dem Heimatverein an, elf Jahre arbeitete er im Vorstand mit. Er baute ein Modell der Stadt um 1700, sogar eine Postkutsche hat er nachgebildet.

2016 verlieh ihm die Stadt für sein Werk den Bürgerpreis für Denkmalpflege. Außerdem lieferte er die Vorlagen für zwei Bronzen, die die Stadt um 1800 und im Jahr 2000 darstellen.

Haus in Heringhausen

Schon seit Jahrzehnten ist Koch aber auch Heringhausen eng verbunden, sein Vater kaufte dort 1972 ein Haus, dass der Sohn später übernahm. „Ich bin jeden zweiten Monat für zwei Wochen hier“, sagt Koch. Vom Haus aus blickt er auf die Barbara-Kirche. So entstand die Idee, auch sie im Modell nachzubauen.

Er sprach Pfarrer Schultze an. Der hatte noch alte Pläne im Pfarramt: Für eine Diplomarbeit hatte ein Architektur-Student um 1948 einen Aufriss der Kirche gezeichnet. Außerdem umrundete Koch das Gotteshaus mit seiner Kamera, rund 20 Fotos dienten ihm als Vorlage.

Zunächst ein Pappmodell

Zunächst baute er ein Modell aus Pappe und begutachtete es: Stimmen die Proportionen und die Details? Er verwende absichtlich keinen Originalmaßstab, erklärt Koch. Ein Professor für Ingenieurwesen und Architekt habe ihm einmal geraten, so zu bauen, „wie du das siehst“.

Eigene Technik entwickelt

Vor einem halben Jahr begann Koch mit der eigentlichen Arbeit. Er nahm zunächst Sperrholztafeln und fräste die Schieferplatten des Dachs hinein. Dann folgten Tafeln mit dem Mauerwerk. Er presste sie in Silikonmasse, die er mit einer von ihm entwickelten Mischung aus Gips und Porzellanpulver ausgoss. „Das wird knochenhart“, sagt er.

Auch die romanischen Fensterbögen sägte er zunächst aus, um sie dann ebenfalls abzugießen. So gewann er Zug um Zug seine Bauteile. Für die mächtigen Bäume an der Kirche nutzte er Äste von Büschen am Heringhäuser Seeufer, die er mit mattem Lack übersprühte. Für Rasen und Wege nutzte er Material des Eisenbahn-Modellbaus.

Mal arbeitete er an Abenden ein paar Stunden, mal einen Sonntag Vormittag. Wie viel Zeit er an der Barbara-Kirche gesesenen hat, kann er nicht sagen – er schätzt, mehr als 100 Stunden.

Drei Skulpturen kommen hinzu

Außerdem hat Koch einen Miniatur-Abguss der um 1500 entstandenen Statue der heiligen Barbara aus dem nördlichen Seitenschiff geschaffen, die neben dem Kirchenmodell ausgestellt wird.

Zwei weitere Modelle sollen das Ensemble in der Vitrine vervollständigen: Im nördlichen Seitensschiff steht das Grabdenkmal des Reformators Daniel Dillen, der 1550 das „Predigeramt“ in Heringhausen überahm und dort 1601 mit 74 Jahren starb. Auch das will Koch nachbilden. Und die 1674 gegossene älteste Glocke im Turm kommt in Miniaturformat hinzu.

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