Projekt mit der Adorfer Mittelpunktschule

Hauptschüler erlernen in der „Werkstatt-AG“ der Firma Weidemann das Arbeiten mit Metall

Erster Tag in der „Werkstatt-AG“: Acht Jugendliche der Adorfer Mittelpunktschule lernen seit Mittwoch bei der Firma Weidemann in Flechtdorf mit Metall zu arbeiten. Dies soll ihrer Berufsorientierung dienen. Rechts Ausbildungsleiter Timo Schulze.
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Erster Tag in der „Werkstatt-AG“: Acht Jugendliche der Adorfer Mittelpunktschule lernen seit Mittwoch bei der Firma Weidemann in Flechtdorf mit Metall zu arbeiten. Dies soll ihrer Berufsorientierung dienen.

Neue Wege geht Weidemann, um Nachwuchs zu gewinnen: In Zusammenarbeit mit der Adorfer Mittelpunktschule hat das Unternehmen in seiner Flechtdorfer Niederlassung das Projekt „Werkstatt-AG“ ins Leben gerufen.

Diemelsee-Flechtdorf – Die „Werkstatt-AG“ will Jugendliche für eine Ausbildung in Metall-Berufen begeistern. Am Mittwoch waren Hauptschüler der 7. Klasse zum ersten Mal zu Gast.

Ausbildungsleiter Timo Schulze hieß die Gruppe willkommen. Die Auszubildende Angelina Tent stellte den acht Schülern das 1960 in Flechtdorf gegründete Unternehmen vor, das seit 2007 in Korbach produziert. Fynn Sabisch gab einen Überblick über die Ausbildungsberufe bei Weidemann. Danach schauten sich die Jugendlichen die Ausbildungswerkstatt an, die voraussichtlich in zwei Jahren an den neuen Standort in Korbach umzieht.

Berufspraxis kennenlernen

Bis zum 24. November kommen die Schüler jeden Mittwoch von 13.30 bis 15 Uhr in die Werkstatt. Dort können sie sich in der Praxis ausprobieren: Sie lernen, ein Blech zuzuschneiden und zu biegen, sie bohren und feilen, sie schneiden Gewinde, prüfen und messen.

Ausbilder und Auszubildende betreuen sie bei allen Arbeiten. Die Schüler freuen sich außerdem darauf, einen Weidemann-Radlader einmal im Fahrsimulator steuern zu dürfen.

Abschluss mit Grillen

Zum Abschluss präsentieren sie beim neunten Werkstatt-Treffen ihre Arbeiten: Bis dahin haben alle acht einen Tesa-Roller gebaut, den sie als Andenken mit nach Hause nehmen dürfen. Und sie erhalten ein Teilnahme-Zertifikat. Zum Abschied gibt es ein gemeinsames Grillen mit Würstchen vom „Schaufelgrill“ eines Radladers.

„Gute Ergänzung zu Betriebspraktika“

„Die Werkstatt-AG ist eine gute Ergänzung zu Betriebspraktika“, erklärt die Lehrerin für Arbeitslehre, Lydia Oswald. „Gut, dass die Schüler diese Möglichkeit bekommen.“ In der Klasse 7 beginne die Berufsorientierung, in Flechtdorf könnten die Teilnehmer praktische Erfahrungen sammeln und prüfen, ob das Berufsfeld etwas für sie sei.

„Danke für das Angebot“, sagte Rektorin Eva Trilling. Das Interesse der Schüler an dem Pilotprojekt sei groß, „wir haben eine Warteliste.“ Etwa 70 Prozent der Klasse habe teilnehmen wollen, ergänzte Oswald. Trilling lobte zudem den unkomplizierten Shuttleservice, der die Teilnehmer von der Schule nach Flechtdorf und wieder zurück bringt.

„Junge Menschen ans Unternehmen binden“

„Wir haben uns überlegt, wie wir es schaffen, junge Menschen ans Unternehmen zu binden“, erklärte Timo Schulze. Ergebnis: die Werkstatt-AG. „Wir wollen damit das Interesse an gewerblichen Berufen wecken.“ Und nach dem Schulabschluss folge hoffentlich eine Ausbildung bei Weidemann. Derzeit laufe die „Rekrutierungsphase“ für den Ausbildungsstart im nächsten Jahr, sagte Schulze. „Wir freuen uns auf jede Bewerbung.“

Normalerweise beginnen bei Weidemann im Schnitt jedes Jahr drei bis vier Lehrlinge eine Ausbildung in gewerblichen Berufen und weitere drei bis vier in kaufmännischen Berufen. Bei rund 700 Beschäftigten liegt die Ausbildungsquote damit bei um die zehn Prozent. „Wir bilden bedarfsgerecht aus“, berichtet Timo Schulze – alle Auszubildenden werden möglichst übernommen. Wegen der Corona-Krise seien es in diesem Jahr nur insgesamt drei neue Jugendliche gewesen, berichtet Schulze.

Weniger Bewerbungen bei gewerblichen Berufen

Die Bewerbungszahlen seien bei kaufmännischen Berufen stabil, bei gewerblichen Berufen gingen sie zurück – es gibt zudem generell weniger Schulabgänger. 

Das Ausbildungsteam merke, dass das Interesse an Berufen wie Mechaniker nachlasse, erklärt die Personalleiterin Angela Stöcker. Mitunter gebe es Vorurteile gegenüber den Beruf. „Daher haben wir beschlossen, uns intensiver mit der Situation zu beschäftigen.“ Das Projekt „Werkstatt-AG“ solle „Freude und Neugier für gewerbliche Berufsgruppen wecken“.

Schulze kann sich vorstellen, das Projekt auch im nächsten Schulhalbjahr anzubieten. Die Zusammenarbeit lasse sich auch auf weitere Schulen ausweiten.

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