Diemelsee Vorreiter in Nordhessen

Innovative Leuchten am Adorfer Reikweg werden nur bei Bedarf hell

Ortstermin am Adorfer Reikweg zur Vorstellung der neuen Leuchten. Von links: Lothar Lemberg vom Bauamt der Gemeindeverwaltung, Heidrun Steinhard vom Adorfer Ortsbeirat, Ilka Deutschendorf vom Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung, Ortsvorsteher Bernd Becker und Bürgermeister Volker Becker.
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„Intelligente Beleuchtung“ am Adorfer Reikweg: Die Leuchten werden nur hell, wenn Fußgänger vorbeikommen. Mit der Technik will die Gemeinde Insekten schützen. Von links: Lothar Lemberg vom Bauamt der Gemeindeverwaltung, Heidrun Steinhard vom Adorfer Ortsbeirat, Ilka Deutschendorf vom Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung, Ortsvorsteher Bernd Becker und Bürgermeister Volker Becker.

Eine „intelligente Beleuchtung“ ist am Adorfer Reikweg in Betrieb gegangen: Sie wird nur dann hell, wenn auch Fußgänger vorbeikommen. Mit der innovativen Technik will die Gemeinde Diemelsee „Lichtverschmutzung“ vermeiden und Insekten schützen.

Diemelsee-Adorf – Die Anregung gab Heidrun Steinhard vom Adorfer Ortsbeirat. Bei der konstituierenden Sitzung im Frühjahr sprach sie das Thema „Lichtverschmutzung“ und Insektenschutz an und rief auf, „neue Wege zu gehen“.

„Insektenfreundliche“ Lichtsysteme

„Das versuchen wir gern“, erklärt Bürgermeister Volker Becker. Lothar Lemberg vom Bauamt der Gemeindeverwaltung nahm sich des Themas an. Der Diplom-Ingenieur war schon in der Fachliteratur auf die „insektenfreundlichen“ Lichtsysteme aufmerksam geworden. Bislang stünden sie überwiegend in Süddeutschland, „hier noch überhaupt nicht“ – Diemelsee sei ein Vorreiter in Nordhessen.

Lemberg wählte als „Teststrecke“ den rund 160 Meter langen barrierefrei ausgebauten Reikweg aus, der im Sommer fertig wurde. Er sprach die Energie Waldeck-Frankenberg und Hersteller an und stellte die Idee dem Ortsbeirat vor. Auch mit Ilka Deutschendorf vom Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung stimmte er sich ab. „Überall fand das Projekt positiven Anklang.“

Die Beleuchtung gehört zum Ausbau des neuen Weges, der zu 85 Prozent aus dem Dorferneuerungsprogramm des Landes finanziert wird. Für die neue Technik musste Lemberg eine Änderung beantragen – die Zustimmung sei sofort gekommen.

LED-Strahler und Bewegungssensor im Kopf

Das System besteht aus einem Leuchtenkopf mit 19-Watt-LED-Strahler und Bewegungssensor sowie der Steuerungssoftware. Die Lampen erreichen nur dann ihre volle Helligkeit, wenn auch jemand vorbeigeht. Sie funktionieren in mehreren Stufen:

  • In der Dämmerung werden die Lampen mit zehn Prozent Lichtleistung angeschaltet – Passanten sollen so gleich erkennen, dass Lampen am Weg vorhanden sind.
  • Erfasst ein Bewegungssensor Fußgänger, wird die Leistung für 90 Sekunden langsam auf 100 Prozent hochgefahren. Auch die beiden benachbarten Lampen werden hell.
  • Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens sind die Leuchten ausgeschaltet. Erfasst ein Sensor Bewegung, werden seine Leuchte und die beiden benachbarten auf 50 Prozent Lichtleistung hochgefahren.

Erfahrungen sammeln

„Mit dieser Einstellung will die Gemeinde erst einmal Erfahrung sammeln“, erklärt Lemberg. Auch wegen der Steuerung entfielen auf jede der sechs Leuchten rund 900 Euro Mehrkosten. Würden mehr Leuchten angeschlossen, sänken die Kosten pro Leuchte.

Die Mehrkosten würden durch Einsparungen wieder ausgeglichen, berichtet Lemberg– der Reikweg werde unterm Strich nicht teurer. Die LED-Technik spare rund 200 Euro Stromkosten im Jahr – aber das Hauptziel sei ja gewesen, die Lichtausstrahlung zum Schutz der Insekten einzudämmen.

Der Reikweg habe sich angeboten, weil er nah am Ufer der Rhene liege. Er diene gerade jetzt in den dunklen Wintermonaten als „praktische Versuchsstrecke“, um Erfahrungen zu sammeln: Werde die neue Technik angenommen? Der Weg werde stark frequentiert.

Kreis begrüßt die Innovation

Der Fachdienst begrüße das Projekt außerordentlich, betont Ilka Deutschendorf. Insekten seien stark betroffen vom Licht, die insektenfreundliche Beleuchtung am Reikweg sei „sehr gut gelungen“. Insekten orientierten sich bei ihren Nachtflügen am Mond, berichtet sie. Treten künstliche Lichtquellen wie Straßenlampen auf, umkreisen sie dieses Licht – Tausende sterben.

Fledermäuse reagierten unterschiedlich, berichtet Deutschendorf. Manche Arten suchten Laternen auf, um Insekten zu fressen. Andere scheuten das Licht – auch ihnen hilft die neue Technik.

Auch die „Lichtfarbe“ sei wichtig, erklärt sie. „Es ist ein prima Projekt.“ Auch Anwohner profitierten, wenn Lichtstrahlung verringert werde, merkt Lemberg an.

„Der Ortsbeirat sagt Danke“

„Der Ortsbeirat sagt Danke“, bekundet Steinhard. Der Weg sei eine Bereicherung fürs Dorf, fügt Ortsvorsteher Bernd Becker hinzu. Der Bürgermeister lädt auch andere Kommunen ein, sich die neue Technik anzuschauen.

Lemberg kann sich vorstellen, das System später auch in Wohngebieten zu nutzen. Es könne auch für Eigentümer ein Anstoß sein, ihre Haus- und Hofbeleuchtung zu überdenken. „Wir müssen sehen, ob es praktikabel ist“ – denn eines sei klar: „Die Technik muss Akzeptanz in der Bevölkerung haben.“

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