Nach 15 Jahren Wechsel nach Burghasungen-Ehlen

Pfarrer Sascha Biehn-Tirre verlässt Adorf

Pfarrer Sascha Biehn-Tirre steht im Schiff der romanischen Johannis-Kirche in Adorf. Nach 15 Jahren nimmt er Abschied aus Adorf: Pfarrer Sascha Biehn-Tirre übernimmt zum Jahreswechsel die Kirchengemeinde Burghasungen-Ehlen.
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Nach 15 Jahren der Abschied aus Adorf: Pfarrer Sascha Biehn-Tirre übernimmt zum Jahreswechsel die Kirchengemeinde Burghasungen-Ehlen.

Nach 15 Jahren verlässt Pfarrer Sascha Biehn-Tirre Adorf: Er übernimmt zum Jahreswechsel die Kirchengemeinde Burghasungen-Ehlen.

Diemelsee-Adorf – Im Habichtswald tritt Biehn-Tirre die Nachfolge von Pfarrer Günter Schramm an, der am Ostermontag in den Ruhestand verabschiedet worden war. Warum der Wechsel? „Ich war neugierig auf was Neues“, erklärt er.

Er habe vor der Frage gestanden: „Bleibt man? Oder geht man?“ Auf der einen Seite sei es sehr schön zu sehen, wenn ehemalige Konfirmanden heirateten oder ihre Kinder zur Konfirmandenarbeit schickten. Er schätzt die Diemelseer, er kennt die Familien. Dennoch entschied er sich am Ende, den Wechsel zu wagen – mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Umzugtermin ist noch ungewiss

Wann die Familie von Adorf umzieht, hängt vom Abschluss der Sanierungsarbeiten im denkmalgeschützten Pfarrhaus im Habichtswalder Ortsteil Ehlen ab.

Biehn-Tirre kam in Bielefeld zur Welt und wuchs im Marburger Land auf. Nach dem Abitur am renommierten humanistischen Gymnasium Philippinum der Unistadt studierte er in Marburg und Göttingen. Im Theologie-Studium lernte er Martina Tirre kennen. Seine aus Würzburg stammende Frau verschlug es als Vikarin ins bayerische Franken, er absolvierte sein Vikariat in Südhessen, um ihr nahe zu sein. 2003 ordinierte ihn Bischof Prof. Martin Hein.

Seit 2006 in Adorf

Die Pfarrzeit auf Probe absolvierte das Ehepaar in Sondheim an der Rhön. Am 16. November 2006 traten die beiden Seelsorger den Dienst im Kirchspiel Adorf mit Sudeck und Rhenegge an. Kurz zuvor war Sohn Michael auf die Welt gekommen.

„Wir haben uns bewusst fürs Dorf entschieden“, sagt Biehn-Tirre. Dort sei noch eine „gute Volkskirchlichkeit vorhanden“, Pfarrer bekämen einen Vertrauensvorschuss, die Leute erzählten von sich. In den drei Dörfern habe er viele tatkräftige Menschen getroffen, die die Kirche voranbrächten. Es gebe eine „geistige Offenheit“, der Förderverein in Adorf sei ein Kulturträger, in den kleineren Dörfern sei die Gemeinschaft ausgeprägt.

Neue Impulse gesetzt

Das Paar setzte neue Impulse, „um Glauben erlebbar zu machen“: Es führte Alpha-Kurse über Grundlagen des christlichen Glaubens ein, Gesprächskreise, Meditationen oder „Brunch and Pray“ für alle Generationen, die Kinder- und Jugendarbeit wurde großgeschrieben. Auch die Sanierung der Adorfer Kirche in bislang vier Bauabschnitten war ein Dauerthema.

Pfarrerin Tirre wechselt nach Kassel

Martina Tirre wurde 2013 Diakoniereferentin im Landeskirchenamt in Kassel, seit dreieinhalb Jahren ist sie Vorständin des Kurhessischen Diakonissenhauses in Kassel. „Wir sind eine Pendlerfamilie“, sagt Biehn-Tirre – von Ehlen bis Kassel sind die Wege kürzer.

Wandel der Kirchenstrukturen mitgestaltet

Der Pfarrer begleitete den Wandel der Kirchenstrukturen in Diemelsee – schon vor seinem Amtsantritt war der Gemeindeverband mit zehn Dörfern entstanden. Von 2007 bis 2015 leitete er ihn, war für Personal, Finanzen und mit den Kirchenvorständen für den Haushalt verantwortlich. Daraus erwuchs die Kirchengemeinde Diemelsee. Erfreulicherweise gebe es keine Lagerbildung, sagt er.

2018 kam es zu einer Neuverteilung der Aufgaben, Biehn-Tirre wurde für die drei evangelischen Kindergärten zuständig, er gab Rhenegge und Sudeck ab und bekam neben Adorf die eigenständige Gemeinde Vasbeck.

Biehn-Tirre hat der Kampf der Vasbecker für ihr Kirchspiel beeindruckt: „Wer so kämpft, will etwas von der Kirche“, sie sei fest im Dorf verwurzelt, betont er. „Da ist viel Potential vorhanden.“ Das zeige sich auch beim Einsatz für die Sanierung der historischen Vogt-Orgel.

Froh ist er über „selbstbewusste Kirchenvorstände“ und selbständige Teams, die Kreise organisieren und sich „mit Herz und Hand“ für die Kirche engagierten. Wertvolle Arbeit leiste in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Diemelsee die Sozialpädagogin Silvia Feltz, die bei der evangelischen Jugend und als Schulsozialarbeiterin beschäftigt ist. Auch die Zusammenarbeit mit der Adorfer Mittelpunktschule solle ausgebaut werden.

Digitale Wege

In der Corona-Zeit mit ihren starken Kontakteinschränkungen ging Biehn-Tirre mit seinem Sohn vor Ostern 2020 digitale Wege: „Der Karfreitag sollte nicht ausfallen“, berichtet er. Es war ihm wichtig, an diesem theologisch wichtigen Tag präsent zu sein. So nahmen die beiden einen Gottesdienst für die Übertragung per Internet auf, zahlreiche weitere folgten in den nächsten Monaten. Außerdem gestalteten sie eine Homepage, um mit der Gemeinde in Kontakt zu bleiben.

Zusammenarbeit

Auch im Habichtswald gebe es eine gute Zusammenarbeit in den drei Gemeinden des „Kooperationsraumes Oberes Warmetal“ und eine „schlagkräftige Pfarrerschaft“, berichtet er.

Wer Biehn-Tirres Nachfolger in Adorf wird, ist noch offen. Klar ist aber: Die Pfarrstelle ist über die zweite Phase der Pfarrstellenanpassung 2025 hinaus sicher. Biehn-Tirre: „Die Stelle steht nicht zur Disposition.“

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