Analyse des Gesundheitsnetzwerks PORT

Senioren in Willingen und Diemelsee zu Wohnsituation und Wünschen befragt

Mobilität ist für die befragten Senioren ein wichtiges Thema – der Einsatz des Rollators sei angesichts zugeparkter Gehwege etwa nicht immer einfach.
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Mobilität ist für die befragten Senioren ein wichtiges Thema – der Einsatz des Rollators sei angesichts zugeparkter Gehwege etwa nicht immer einfach.

Wie und wo Senioren im Alter leben wollen, hat das Gesundheitsnetzwerk PORT erfragt: Die meisten können sich einen Umzug nicht vorstellen, Barrierefreiheit ist gefragt.

Willingen/Diemelsee – Wie wollen die Menschen in Willingen und Diemelsee im Alter wohnen? Das Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen-Diemelsee startete im Oktober eine Umfrage, deren Ergebnisse es nun vorgestellt hat. Ein Großteil der Befragten erachtet demnach barrierefreien Wohnraum als besonders wichtig. „Die Menschen machen sich Gedanken über ihre Wohnsituation und wollen auch im hohen Alter selbstbestimmt leben können“, so Bürgermeister Volker Becker, Vorstandsmitglied bei PORT.

Auch das Wohnumfeld spielte bei der Befragung eine wichtige Rolle. Gefragt wurde zum Beispiel, wie es um die Gehwege beschaffen sei oder ob Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und andere Orte der Begegnung ohne große Hürden besucht werden können. Auch war Thema, wie es mit der Mobilität aussehe.

Gerade beim Wohnumfeld zeigte sich der Wunsch nach Verbesserungen: So seien Gehwege häufig zugeparkt und mit Rollator oder Gehhilfe schlecht zu benutzen. Auch die weiten Entfernungen zu Geschäften seien ein Problem, weil viele Befragte immer auf Angehörige oder nette Nachbarn angewiesen seien.

PORT Willingen-Diemelsee will Konsequenzen aus Informationen ziehen

Eine große Hausaufgabe für die Kommunen ist nach Erkenntnissen der Umfrage das Thema Mobilität. Besonders ältere Befragte haben Schwierigkeiten, zum Einkaufen oder zum Arzt zu kommen, wenn sie kein eigenes Auto haben oder nicht mehr selbst fahren können. Befragt wurden alle Einwohner ab 65 Jahren. Das Gesundheitsnetzwerk wollte unter anderem wissen, wie viele Menschen bereits barrierefrei wohnen, wer sein Haus gern umbauen würde oder wer sich für Wohnformen wie barrierefreies Wohnen interessiert. „Wir haben nun wertvolle Informationen gewonnen, wie wir uns in den Gemeinden aufstellen müssen“, so Bürgermeister Volker Becker.

Die zentralen Erkenntnisse der Wohnraumanalyse von PORT Willingen-Diemelsee.

Beim Stichwort Barrierefreiheit wird zunächst oft an ältere Menschen gedacht, doch gibt es fast in allen Lebensphasen Bedarf. Denn auch für junge Familien mit Kindern sind hohe Bordsteine und zugeparkte Gehwege ein Problem, wenn der Kinderwagen keinen Platz findet. Ebenso verhält es sich mit der Frage von öffentlichen Verkehrsmitteln. Dies betrifft alte Menschen ebenso wie junge, die noch keinen Führerschein oder Auto besitzen.

Eine Überlegung des Netzwerkes ist es, das bestehende Angebot der Anruf-Sammel-Taxis flexibler und die Haltestellen dezentraler zu gestalten. Auch das Ehrenamtsnetzwerk, das in den nächsten Jahren aufgebaut werden soll, könne hier Hilfe anbieten. Ebenso soll geschaut werden, ob Möglichkeiten bestehen, betreutes Wohnen anzubieten. In der Gemeinde Diemelsee sollen Wohnungen entstehen, die dann genutzt werden können.

„Eine solche groß angelegte Umfrage ist etwas ganz Besonderes und ziemlich einzigartig für kleine Gemeinden. Mit diesen Informationen können wir die Zukunft planen“, so Dr. Katharina Kappelhoff, Geschäftsführerin des Gesundheitsnetzwerkes. Ausführlich finden sich die Ergebnisse der Wohnraumanalyse auf gesundheit-port.de. Rückfragen beantwortet Viktoria Biedermann über E-Mail v.biedermann@gesundheit-port.de.

Erkenntnisse und Rücklauf der PORT-Wohnraumanalyse

An der Befragung nach 471 von 1878 Haushalten teil, die meisten davon umfassen Paare. 73,7 Prozent der Befragten gaben an, noch nicht auf Hilfe im alltäglichen Leben angewiesen zu sein. In vollständig barrierefreien Wohnungen– hier definiert als rollstuhlgerecht und schwellenfrei – leben nur 9 Prozent, teilweise knapp 39 Prozent der Befragten. Später noch umzuziehen, erwägt bei den 65- bis 69-Jährigen kaum mehr als ein Drittel, mit fortschreitendem Alter werden es immer weniger. Das Leben in einer betreuten Wohnanlage ist die am häufigsten erwogene Alternative. Mit der Vorstellung, im eigenen Zuhause alt zu werden, einher gehen Wünsche nach Barrierefreiheit, fußläufiger Erreichbarkeit von Geschäften und der Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Auch eine Verbesserung des ÖPNV wird angestrebt. (red/wf)

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