Diemel soll wieder natürlicher fließen

Diemel-Renaturierung: Schluss mit der Wasser-Autobahn

Auf einer Länge von 600 Metern wurde der Flusslauf der Diemel bei Marsberg im Frühjahr 2020 wieder renaturiert. Begleitet wurde das Projekt von der Universität Kassel.
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Auf einer Länge von 600 Metern wurde der Flusslauf der Diemel bei Marsberg im Frühjahr 2020 wieder renaturiert. Begleitet wurde das Projekt von der Universität Kassel.

Um den Flusslauf der Diemel bei Marsberg wieder näher an seinen natürlichen Zustand zurückzuführen, hat ein Kooperationsprojekt der Universität Kassel, des Vereins Planar (Planungsnetzwerk für nachhaltige Regionalentwicklung) und des Marsberger Wasserverbandes Diemel den Fluss auf einer Länge von rund 600 Metern wieder entfesselt.

Diemelstadt/Marsberg - Die obere Diemel ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Seltene Tier- und Pflanzenarten leben dort. Doch aus ökologischer Perspektive ist der Fluss weit weg von einem naturnahen Zustand. „Dabei war das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie der EU ursprünglich, dass bis 2015 alle Oberflächengewässer in einem guten ökologischen Zustand sein sollten“, stellt Jens Eligehausen, Lehrbeauftragter Landschafts- und Vegetationsökologe an der Universität Kassel und Mitgründer des Vereins Planar fest.

Die Menschen hätten die Diemel bereits vor knapp 200 Jahren ihren Lebensumständen angepasst. Der Flusslauf wurde verändert, Ufer begradigt, Ackerland gewonnen oder Bergbau betrieben. Ein Korsett aus Stein und die Begradigungen machten die Diemel zur Wasser-Autobahn. Das hat viele Pflanzenund Tierarten verdrängt, die strömungsberuhigte Flachwasserzonen und lockeren Kies zum Leben benötigen. „Natürlich können wir den alten Zustand nicht 1:1 wiederherstellen. Aber wir können an den wichtigsten Stellschrauben drehen“, erklärt Eligehausen.

Mit wenig Geld viel erreicht

Das Gewässer könne sich nun seitlich verlagern, zudem bestehe die vormals verdichtete, lebensfeindliche Sohle nun aus lockerem Kies.

Die Umsetzung sei sehr kosteneffizient verlaufen: „Unsere Maßnahmen konnten wir für wenige tausend Euro umsetzen“, freut sich der Gewässerökologe Eligehausen. Studierende entwickelten Planungsideen Eligehausen beteiligte Studierenden der Landschaftsplanung oder aus dem Umweltingenieurwesen im Rahmen seiner Lehrveranstaltungen am Projekt. Die Studierenden entwickelten auch eigene Ideen, basierend auf drei verschiedenen Maßnahmenkategorien: So wurden Uferbefestigungen wiederehrgestellt und dynamischen Prozesse wieder ermöglicht..

Erste Erfolge bereits wissenschaftlich nachgewiesen

Außerdem wurden Instream-Strukturen wie Kiesbänke und Totholzstrukturen angelegt. Nebenrinnen und strömungsberuhigten Flachwasserzonen wurden für Jungfische, Amphibien und andere semiaquatische Arten geschaffen.

Die Natur hat sich erholt: Blick auf den gleichen Diemelabschnitt Anfang Juli 2020.

Bei der Kontrolle des Fischbestandes durch die Universität Kassel im Juni 2020, konnten die Studierenden bereits erste Erfolge nachweisen. „Wir fanden Elritzen in der oberen Diemel und Äschenlarven stromauf der WEPA-Papierfabrik“, sagt Eligehausen höchst erfreut. Das beweise, dass die Maßnahmen schnell und kosteneffizient wirken.  red/es

Webseite der Uni zeigt mehr Details

Die Ergebnisse des Projektes wurden offen einsehbar veröffentlicht unter: www.diemel-entfesselt.de

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