Der Angriff auf die Edertal-Sperrmauer 1943

In England als Kriegsheld verehrt: Guy Gibson, in Indien geborener Bomber-Kommandant, befehligte den Angriff auf die Edertal-Sperrmauer. Gibson wurde nur 26: Im September 1944 starb er beim Absturz seiner Maschine über Holland.

Als die Menschen im Edertal sich über den schönen Muttertag freuten, begannen 126 Männer im fernen England ihren Arbeitsalltag als Soldaten: Sie bestiegen auf dem Flugplatz Scampton 19 Lancaster-Bomber. Die hatten eine tödliche Fracht an Bord.

Denn der Auftrag der Männer lautete: Die Talsperren von Eder, Möhne und Sorpe zu bombardieren und zu zerstören.

Dass das überhaupt möglich war, bezweifelten deutsche Militärs. Die Sperrmauer des Edersees, hatten sie immer wieder versichert, sei durch eine Bombe nicht gefährdet. Die Spionage hatte offenbar versagt – die Deutschen wussten nicht, dass Elitesoldaten der Royal Air Force schon seit Monaten über irischen und schottischen Gewässern den Abwurf einer Spezialbombe übten. Die Bombe würde nach dem Abwurf wie ein flacher Stein übers Wasser hüpfen, vor dem Ziel versinken und unter Wasser detonieren.

Als die Piloten unter Commander Guy Gibson den Möhnesee erreichen, geraten sie unter Abwehrfeuer. Aber ihnen gelingt es, eine der Spezialbomben zu platzieren. Die Möhne-Sperrmauer bricht, 1300 Menschen sterben in den Fluten, meist russische Zwangsarbeiter in einem Lager.

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Wenig später gibt Commander Gibson den für das Edertal so verhängnisvollen Befehl. Die Piloten Young, Shannon, Maudslay und Knight sollen ihm zur Edertalsperre folgen. Die Männer am Steuerknüppel schwitzen – nur 18 Meter hoch dürfen sie bei einer Geschwindigkeit von 385 Kilometer pro Stunde fliegen. Als Visier für den Anflug auf die Sperrmauer benutzen sie eine Konstruktion, das aus einem Holzbrett und zwei Nägeln besteht. Decken sich die Nägel mit den Sperrmauer-Türmen links und rechts, soll die Bombe ausgeklinkt werden.

Um 1 Uhr nachts beginnt der Anflug. Drei Bomben haben die Engländer noch dabei. Hauptmann Shannon löst seine aus – sie verfehlt das Ziel. Auch die zweite erreicht nicht die Sperrmauer – sie detoniert auf der Fahrbahn. Bleibt Leutnant Les Knight. Die Uhren zeigen genau 1.51 Uhr, als er den letzten Anflug beginnt. Der Brite sieht durch sein Visier, löst die Bombe aus – Treffer.

Ein 70 Meter breites und 22 Meter tiefes Loch wird in die Sperrmauer gerissen. 8000 Kubikmeter Wasser stürzen pro Sekunde ins Tal. (tho)

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