Hutebuchen und Niederwald in Edertal

Auf der Locheichenroute zum Welterbe Nationalpark Kellerwald-Edersee

Prächtige Hutebuche: Markante Baumgestalt auf der Locheichenroute im Edertal.
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Prächtige Hutebuche: Markante Baumgestalt auf der Locheichenroute im Edertal.

Im Rahmen der Serie „Natur im Edertal“ geht es auf der Locheichenroute zum Welterbe im Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Edertal – Startpunkt für die Locheichen-Route ist der Eingang zum Nationalpark Kellerwald-Edersee an der Heinrichshütte bei Gellershausen. Der 7,4 Kilometer lange Rundweg, markiert durch ein Eichhörnchen-Symbol, führt zunächst durch den Galgenbusch, eine Kuppe mit einstiger Niederwald- und Hute-nutzung. Niederwälder sind Wälder, deren Bäume sich nach dem Fällen durch Stockausschlag verjüngen. Waldweide mit Schweinen wurde hier noch bis in den Zweiten Weltkrieg betrieben.

Niederwald diente auch zur Gewinnung von Kohlholz. Solche Waldbilder sind auch am steilen Aufstieg zur Locheiche im Nationalpark Kellerwald-Edersee zu sehen. Und dann fällt der Blick schon auf einige Köhlerplatten, Stellen, wo früher Kohlenmeiler standen. An einer Böschung unterhalb einer solchen Köhlerplatte verrät die schwarze Farbe von Holzkohleresten die einstige Nutzung.

Tolle Aussicht ins Wesetal von der Köhlerplatte im Nationalpark Kellerwald-Edersee aus

Auf einer gut zugänglichen Köhlerplatte im Nationalpark Kellerwald-Edersee laden Bänke zur Rast ein. Hier bietet sich ein Fernblick in das Wesetal. Die Sitzgelegenheit können Wanderer nutzen, um sich in einem Nationalpark-Faltblatt über den weiteren Weg zu informieren. Es gilt, auf Nummernpfähle zu achten, die Besonderheiten am Wegrand markieren, denn dazu bietet das Faltblatt erklärende Texte. So zum Beispiel an einer Kehre die Nummer 4: Hier kreuzt ein Quellgerinne den Weg. Bereits nach einer kurzen Trockenphase fließt aber kein Wasser mehr. An dieser Stelle ist eine von drei Quellen des Klingesebachs, der bei Gellershausen in die Wese mündet.

Schwarze Bodenfärbung: Sie verrät eine Köhlerplatte.

Nach 2,6 Kilometern gelangt man an der Locheiche zu einer Wegkreuzung mit einer Bank. Der Wald der Locheiche wird schon seit 1988 nicht mehr genutzt, weil die hessische Forstverwaltung ein Naturwaldreservat eingerichtet hatte. Naturwaldreservate sind ausgewählte Waldgebiete, die der natürlichen Entwicklung überlassen bleiben und diesbezüglich intensiv erforscht werden.

Nationalpark Kellerwald-Edersee als Teil des Weltnaturerbes Buchenwälder

An einem Markierungspfahl verweist ein kleines Schildchen auf das UNESCO-Welterbe. Dieses herausragende Prädikat hat der Kernbereich des Nationalparks Kellerwald-Ederseeim Jahr 2011 zusammen mit vier anderen Waldgebieten Deutschlands erhalten als Teil des größten transnationalen Welterbes.

Landschaftlich reizvoll: Das Appenrod mit den Wildunger Bergen im Hintergrund.

Von der Wegekreuzung bis zum Tannendriesch sind es 2,4 Kilometer. Entlang der Bergkuppe der Locheiche verläuft die Route erholsam auf einer Höhe, zunächst als breiter Waldweg, geht dann aber in einen Pfad über. Einige Baumstämme liegen quer, und Brombeeren ranken dicht heran. Die Natur rückt näher! Dann biegt der Pfad durch einen Altbuchenbestand abwärts und führt schließlich durch einen Hohlweg zum Tannendriesch.

Driesch oder Triesch bezeichnet alte Weideflächen im heutigen Nationalpark Kellerwald-Edersee

Driesch oder Triesch ist eine alte Bezeichnung für eine beweidete Fläche. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee gibt es noch Fahrentriesch, Heiligenstocktriesch und Damentriesch. Zum Teil handelt es sich um einstige Gemarkungen aufgegebener Siedlungen. Am Tannendriesch steht eine historische Wildfütterung, die zum Info-Pavillon umfunktioniert wurde, und das Modell eines Kohlenmeilers kann betrachtet werden.

Der Weg zurück nach Gellershausen führt durch einen Altbuchenbestand, der auch Teil des Weltnaturerbes ist. Dann lichtet sich die Kulisse zu einem Grünlandkomplex, der zum Nationalpark gehört. Dessen Name Appenrod verweist darauf, dass hier im Mittelalter Wald gerodet wurde. Durch abwechslungsreiche bäuerliche Kulturlandschaft wird nach gut drei Stunden wieder den Parkplatz Heinrichshütte erreicht. (Wolfgang Lübcke)

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