Jahrestag

Vor 70 Jahren: Als eine Bombe ein Loch in die Edersee-Sperrmauer riss

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Edersee. In den Morgenstunden des Montags, 17. Mai 1943, traf gegen 1.50 Uhr eine speziell entwickelte Rollbombe der Royal Air Force die Edertalsperre. Die Detonation riss ein halb ovales Loch in die Mauer, durch das sich 160 Millionen Kubikmeter Wasser in das Tal ergossen. Eine Rekonstruktion.

In der Flutwelle kamen mindestens 47 Menschen zwischen der an der Talsperre gelegenen Gemeinde Edersee und Kassel ums Leben.

Spekulationen und Meldungen, wonach etwa 700 ukrainische Kriegsgefangene in einem unterhalb der Sperrmauer gelegenen Lager in der Flutwelle ertrunken sein sollen, sind unwahr. Es handelt sich um eine Fehlinterpretation geschichtlicher Ereignisse, denn der tragische Tod ukrainischer Kriegsgefangener betrifft die

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Möhnetalsperre. Dort kamen in der gleichen Nacht mehrere hundert Internierte durch die Bombardierung und Zerstörung der dortigen Talsperre ums Leben.

An ihren und den gewaltsamen Tod vieler weiterer Menschen, ebenfalls ausgelöst durch eine englische Fliegerbombe, erinnert heute ein Mahnmal am Kloster Himmelpforten. Die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen wird auch am Beispiel der Angreifer deutlich. Von insgesamt 133 beteiligten Soldaten starben in dieser Nacht 53 Angehörige der 617. Fliegerstaffel. Nach Flakbeschuss, unter anderem über Holland und Belgien, überlebten die Besatzungsmitglieder die Abstürze einzelner Maschinen nicht. Die nationalsozialistischen Machthaber in Berlin waren Stunden nach dem Luftangriff um Schadensbegrenzung und Vertuschung der zerstörerischen Ausmaße bemüht.

Radio HNA: Interview mit Edersee-Touristik zum Thema

Fotos: Historische Bilder der Bombardierung 1943

Historische Bilder: Bombardierung der Edertalsperre 1943

Die zerstörte Talsperre am Tag nach dem Angriff vom 17. Mai 1943. 19 speziell umgebaute Bomber der Royal Air Force waren damals Angriffe auf deutsche Talsperren geflogen. © nh
Mehrere Anflugversuche auf die Talsperre schlugen in der sternenklaren und ungewöhnlich hellen Nacht zunächst fehl. Dann brachte ein weiterer Angriff schließlich den von den Engländern gewünschten Erfolg. © nh
Die Bombe sprang wie ein hüpfender Kieselstein über die Wasseroberfläche in Richtung Sperrmauer. Gegen 1.50 Uhr prallte der Behälter mit explosivem Material zunächst gegen die Mauer. Foto: Archiv Grötecke © nh
Danach sank die Rollbombe wie geplant vor der Talsperre. In etwa zehn Metern Wassertiefe löste der Druckzünder die Detonation aus. © nh
Die Druckwelle riss ein halbovales Loch in die Talsperre, durch das sich das angestaute Wasser in einer Flutwelle in das untere Edertal ergoss. © nh
Zu sehen ist die zerstörte Talsperre auf diesem Bild am Tag nach dem Angriff. © nh
Die Flutwelle nach der Bombardierung der Edertalsperre erreichte selbst noch Hann. Münden. Hier zu sehen ist die Lange Straße auf einer Originalaufnahme von Rektor Mesch. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden © nh
Hann. Münden nach der Bombardierung der Edertalsperre, hier zu sehen ist die zerstörte Mühlenbrücke. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden © nh
Die Flutwelle erreichte in Hann. Münden auch die Mühlenstraße. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden © nh
Auch die Sydekumstraße blieb nicht verschont. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden © nh
Zu sehen sind auf diesem Bild die Wassermassen in Hann. Münden an der Löwenbrücke. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden © nh
Nur mit Booten konnten sich die Menschen in Hann. Münden (hier: Questenbergweg) fortbewegen, wenn sie trockene Füße behalten wollten. Bild aus dem Album von Mündener Baurat Pleuser
Hier zu sehen ist die Pionierbrücke in Hann. Münden. Bild aus dem Album von Mündener Baurat Pleuser
Zu sehen ist hier die Kirche St. Blasius. Bild aus dem Album von Mündener Baurat Pleuser
Die Eisenbahnbrücke der Main-Weser-Bahn bei Wolfershausen (Felsberg/Schwalm-Eder-Kreis) wurde ebenfalls von den Wassermassen zerstört. Original im Privatbesitz von Herbert Noell, Kassel © nh
Überflutete Häuser nach der Bombardierung der Edertalsperre. Der Ort ist nicht bekannt.
Klein Affoldern am Morgen des 17. Mai 1943 nach der Bombardierung und Zerstörung der Edertalsperre. © nh
Dieses Foto zeigt Tierkadaver auf der Hauptstraße in Mehlen nachdem die Wassermassen verschwunden sind. © nh
Schlimm getroffen hatte es auch Affoldern. Dieses Bild zeigt die zerstörte Dorfmitte. Von der zerstörerischen Kraft waren neben Affoldern die Dörfer Edersee, Hemfurth, Mehlen und Giflitz besonders hart betroffen. © nh
Blick über die zerstörte Affolderner Ederbrücke in das Dorf. © nh
Eine Spur der Verwüstung hinterließ die Flutwelle auch am Kraftwerk in Hemfurth. © nh
Nach der Flut kam der Wiederaufbau. Hier an der Eisenbahnbrücke der Main-Weser-Bahn bei Wolfershausen (Felsberg/Schwalm-Eder-Kreis). Original im Privatbesitz von Herbert Noell © nh
Und auch die Talsperre selbst musste wiederaufgebaut werden. Foto: Archiv Grötecke © nh
In Hann. Münden beseitigten die Menschen ebenfalls die Schäden, die das Wasser angerichtet hatte. Hier sieht man Aufräumungsarbeiten in der Unteren Lange Straße.

Sie machten Juden für die Anschlagspläne verantwortlich. In den Tagen danach wollte das Nazi-Regime das zerstörte Dorf Affoldern dem Erdboden gleichmachen und die Bewohner nach Polen oder Kärnten umsiedeln. Doch die Affolderner lehnten eine Umsiedelung ab. (ukl)

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