Stadtverordnete beschließen Verhandlungen mit Edersee-Marketing

Fritzlar sucht beim Tourismusmarketing doch die Nähe des Edersees

Beliebtes Touristenziel: Fritzlar zählt mit seiner historischen Altstadt laut GEO-Magazin zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands. Tritt die Domstadt 2022 vielleicht der Edersee Marketing bei? foto: Peter Zerhaus/Archiv
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Beliebtes Touristenziel: Fritzlar zählt mit seiner historischen Altstadt laut GEO-Magazin zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands. Tritt die Domstadt 2022 vielleicht der Edersee Marketing bei?

Nach intenisver Debatte beschlossen die Stadtverordneten: Die Stadt Fritzlar will übers Stadtmarketing doch Dienstleitungen der Edersee Marketing GmbH in Anspruch nehmen.

Edersee/Bad Wildungen – Nachdem sich das Parlament in vorhergegangenen Sitzungen mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen (SPD, Freie Wähler und Grüne) mehrfach gegen eine Geschäftsbeziehung mit der Edersee Marketing ausgesprochen hatten, folgte nun ein einstimmiges Votum für eine Übergangslösung. Der von der Koalition eingebrachte Antrag sieht vor, dass der Magistrat der Stadt Fritzlar Verhandlungen mit der Edersee-Marketing und ihren Gesellschaftern aufnehmen soll. Ziel dieser Verhandlungen ist laut Antragstext, die Stadt als gleichberechtigte Partnerin zu etablieren.

„Klar ist, dass die Verhandlungen ergebnisoffen geführt werden müssen“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Mario Jung. Von einer vollwertigen Mitgliedschaft mit Kosten von bis zu 175 000 Euro bis zu einem Scheitern der Verhandlungen sind somit viele Szenarien denkbar. Ausdrückliches Ziel sei es, das touristische Angebot auszubauen. Jung: „Der Status quo ist zu wenig.“Weiterhin sieht der Antrag der Koalition vor, dass eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern aller Parteien der Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung, drei Vertretern des Stadtmarketings Fritzlar sowie der Ersten Stadträtin und Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) gebildet wird. Diese soll die Verhandlungen mit der Edersee-Marketing intern begleiten.

Stadtmarketing-Verein wird übergangsweise Kunde der Edersee-Marketing

Solange die Verhandlungen andauern, wird die Stadt dem Stadtmarketing-Verein jährlich eine Summe von 37 500 Euro zur Verfügung stellen. Das entspricht dem Betrag, den die Stadt als Kundin der Edersee Marketing GmbH gezahlt hätte. Anstelle der Stadt Fritzlar wird nun übergangsweise der Stadtmarketing-Verein Kunde der Edersee-Marketing. Eine befristete Mitgliedschaft der Stadt hatte Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) im September in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, was aber von den Koalitionsfraktionen abgelehnt wurde.

Die CDU sprach in der Diskussion über den Antrag in der jüngsten Sitzung nun von einer „Kehrtwende“ der Koalitionsfraktionen. Ingmar Theiß, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, betonte, dass das Vorgehen der Koalition für große Verunsicherung unter den Geschäftsleuten gesorgt habe. Auch Fraktionskollege Martin Hannappel kritisierte die Koalition: „Sie haben zweimal mit der Verlässlichkeit der Stadt gespielt.“ Den schlechten Beigeschmack in der Öffentlichkeit hätte man sich ersparen können.

CDU Fritzlarer sieht „Kehrtwende“ der Fritzlarer Koalition aus SPD, Freien Wählern und Grünen

Dr. Christoph Pohl (Freie Wähler) widersprach der Darstellung der CDU, wonach die Koalition nun eine Kehrtwende vollziehe. Vielmehr sei die Option eines Beitritts zuvor nicht in Betracht gezogen worden. Mit dem eingebrachten Antrag wolle man eine Überbrückungslösung für die Zeit der Verhandlungen schaffen. „Wieso sollte die Stadt Kundin des Edersee- Marketings werden, wenn man uns nicht als gleichberechtigten Partner haben will?“, sagte Pohl weiter. Von einer Kehrtwende könne auch laut SPD-Mann Jung keine Rede sein. Vielmehr gehe es darum, eine Übergangslösung zu schaffen.

„Wenn wir nicht gleichberechtigt behandelt werden und überprüfbare Leistungen zu fairen Preisen bekommen, dann machen wir etwas Eigenes“, sagte Jung. Auch die im Fritzlarer Stadtmarketing organisierten Kaufleute würden eine solche Lösung mittragen. „Ich habe mich über den Ablauf sehr geärgert“, sagte Dr. Baschar Malek (FDP). Außerdem stellten Vertreter der Freien Demokraten die Frage nach einem Plan B. „Ich bin ein bisschen skeptisch, ob das alles so gut geht“, ergänzte Malek.

Stadt Fritzlar hat die Edersee Marketing inzwischen angeschrieben

Die Fritzlarer Stadtverwaltung hat inzwischen die Edersee-Marketing angeschrieben zwecks Aufnahme von Gesprächen. Das bestätigt Geschäftsführer Claus Günther auf Nachfrage. „Grundsätzlich halten wir es natürlich für richtig, in der Region zusammenzuarbeiten“, sagt er. In den Verhandlungen mit der Stadt Fritzlar und mit dem Stadtmarketing werde es darum gehen, wie die Kooperation konkret weitergeführt werden kann.

Die Möglichkeit, dass Fritzlar als Gesellschafter der Edersee-Marketing beitritt, stelle eine neue Variante dar, die bisher noch kein Thema gewesen sei. Es gelte abzuklären, welche Vorstellungen Fritzlar mit einer Vollmitgliedschaft verbinde und wie sich das mit den Vorstellungen der bestehenden Gesellschafterkommunen vereinbaren lasse, meint Günther. Etwaige Verhandlungen müssten die Gesellschafter der Edersee-Marketing deshalb natürlich mitführen.

Edersee Marketing betreibt nun weiterhin unter anderem Online-Buchungssystem für Fritzlar

Günther geht davon aus, dass die Zusammenarbeit vorerst so aussehen könnte wie bisher: Das Fritzlarer Stadtmarketing und die Stadt kaufen Dienstleistungen der Edersee-Marketing ein, wie sie es bisher im Zuge der inzwischen aufgelösten Touristischen Arbeitsgemeinschaft, kurz TAG, taten. So wie die alte Edersee-Touristic dabei als Dienstleisterin wirkte, würde diesen Part die neue Edersee-Marketing als Nachfolgerin übernehmen. Zu den erbrachten Leistungen zählte etwa das Online-Buchungssystem für die Unterkunftsbetriebe.

„Die darüber noch bestehenden Verträge hatten wir zum Jahresende gekündigt, nachdem die Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung ja zunächst beschlossen hatte, eigene Wege in der Vermarktung einzuschlagen“, berichtet Claus Günther zur bisherigen Situation. Obwohl Fritzlar seinen Schwerpunkt auf dem Städtetourismus habe und geklärt werden müsse, wie sich dieser Aspekt in die Grundsatzstrategie der Edersee-Marketing einfügen lasse, stelle die Region aus Sicht der Urlaubsgäste schließlich eine Einheit dar: eine Einheit, deren größte Stärke in ihren Naturschätzen liege. Das spiegele sich darin, dass Fritzlar dem Naturpark Kellerwald-Edersee angehöre und auch im neuen Urlaubsmagazin der Edersee-Marketing zu finden sei. Dessen Grundkonzept sei noch zu Zeiten der TAG einvernehmlich ausgearbeitet worden (Daniel Seeger/Matthias Schuldt).

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