Nach negativer Information vom Landkreis

Initiatoren der neuen Seilbahn am Edersee geben nicht auf

Schloss Waldeck mit Edersee und Schiffsanleger Waldeck-See oder Waldeck-West
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Für die Seilbahn-Initiatoren kommt nur die Trasse vom Schloss zum Schiffsanleger infrage.

Der Waldeck-Frankenberger Landrat und sein Vize befürworteten im Herbst die geplante neue Seilbahn am Edersee. Die Kreisverwaltung winkt aber ab. Was machen die Projekt-Initiatoren jetzt?

  • Die Verwaltung des Landkreises Waldeck-Frankenberg hält die neue Seilbahn am Edersee für nicht genehmigungsfähig, obwohl Landrat und Vize im Herbst das Projekt befürworteten
  • Die Ideengeber der neuen Seilbahn am Edersee geben aber noch nicht auf
  • Sie versuchen, bei der EU in Brüssel die 50 Quadratmeter, die sie für die Seilbahn-Stütze brauchen, aus einem FFH-Gebiet für strengen Naturschutz herauszulösen

Waldeck – „Unsere anfängliche Euphorie ist großer Skepsis gewichen“, räumt Karl-Harald Hesselbein von der Initiatorengruppe für eine neue Seilbahn am Edersee ein. Damit reagiert er auf die Antwort des Landkreises Waldeck-Frankenberg auf eine Anfrage der Kreis-Grünen. Der Kreis hatte darin die neue Seilbahn am Edersee als nicht genehmigungsfähig eingestuft, weil sie nicht im Einklang mit der Verordnung des Nationalparks Kellerwald-Edersee stehe, zu dem der Schlossberg von Schloss Waldeck nun gehört.

Trotzdem wirft die Gruppe die Flinte noch nichts ins Korn, fügt Hesselbein hinzu. Bis zum Sommer gebe man sich Zeit für eine endgültige Entscheidung über das Projekt einer neuen Seilbahn am Edersee.. „Wir stehen in Kontakt mit der Landesregierung und mit dem Vertreter des Landes Hessen bei der Europäischen Union in Brüssel“, erläutert er.

Neue Seilbahn am Edersee braucht laut Initiatoren 50 Quadratmeter aus FFH-Schutzgebiet

Dabei gehe es um die Frage, ob 50 Quadratmeter im Schlosshang von Schloss Waldeck aus dem dortigen FFH-Schutzgebiet herausgelöst werden können. So viel Fläche brauche die neue Seilbahn am Edersee für eine Stütze. auf dem Weg zum Schloss Waldeck. Die hohe, europäische Naturschutzkategorie FFH liegt seit Jahren über dem Schlossberg. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes wurde auch festgelegt, dass die Natur sich in ihrer Entwicklung dort selbst überlassen bleibt zu Gunsten sehr seltener Tier- und Pflanzenarten.

Anders, als es der Landkreis in seiner Antwort darstellt, spielt der neue, zusätzliche Status des Bergs als Teil des Nationalparks Kellerwald-Edersee nicht die ausschlaggebende Rolle bei der Genehmigung. Darauf weist eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage des Vereins „Naturschutzinitiative“ hin, in dessen wissenschaftlichem Beirat der heimische Naturschützer Norbert Panek sitzt,

Internationale Anerkennung des Nationalparks Kellerwald-Edersee nicht gefährdet

Das Bundesumweltministerium bezweifelt in seiner schriftlichen Antwort, dass die neue Seilbahn am Edersee die internationale Anerkennung des Nationalparks Kellerwald-Edersee gefährde, denn die Anerkennung bleibe bestehen, so lange man 75 Prozent der Gesamtfläche unberührt lasse. Das Ministerium verweist in diesem Zusammenhang auf vergleichbare Infrastrukturprojekte in anderen Nationalparks – und zugleich auf die Zuständigkeit des Landes Hessen in der Frage.

Mit Blick auf den FFH-Schutzstatus des Schlossberges bringt das Ministerium eine FFH-Verträglichkeitsprüfung ins Gespräch. Es hat seine Stellungnahme ans Land Hessen weitergeleitet. Die neue Verordnung des Landes zum Nationalpark Kellerwald-Edersee bezeichnet den Neubau der Seilbahn vom Edersee zum Schloss Waldeck grundsätzlich als zulässig. Unter zwei Voraussetzungen: Die jetzige Seilbahn wird eingestellt, ihre Trasse zurückgebaut. Und das neue Projekt darf sich nicht negativer auf den Schutzzweck des Parks auswirken als die bestehende Seilbahntrasse.

Wie all dies im Detail – auch juristisch – tatsächlich auszulegen und zu werten ist, davon hängen die Realisierungschancen des Vorhabens der neuen Seilbahn am Edersee ab. Und das herauszufinden; dafür brauchen die Initiatoren laut Hesselbein jetzt die tatkräftige Mitarbeit von Politik und Verwaltungen aller Ebenen. „Wenn eine Ministerin, der Landrat und sein Vize ein Projekt befürworten oder positiv aufnehmen, handelt es sich dabei zunächst einfach um eine persönliche Stellungnahme“, zieht Hesselbein als Erkenntnis aus den Diskussionen der vergangenen Zeit: „Was zählt, sind die gesetzlichen Vorgaben.“

Grüne sehen das Aus für die neue Seilbahn am Edersee

Die Kreis-Grünen sehen in der Antwort des Kreises das Aus für eine neue Seilbahn am Edersee. Sie kritisieren zugleich in einer Pressemitteilung den öffentlichen Einsatz von Landrat Dr. Reinhard Kubat und des Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese für das Vorhaben aus dem Herbst.Die Waldecker Grünen schließen sich dem an: Es gebe weitaus bessere Ideen, in Waldeck und am Edersee sanften Tourismus zu entwickeln, meinen sie.

Der Verein „Naturschutzinitiative“ verweist darauf, dass der Waldbesitzer aus Naturschutzmitteln des Bundes finanziell entschädigt worden sei, als der Schlossberg von Schloss Waldeck seinerzeit Teil des Naturschutzgroßprojektes wurde. Würde die Seilbahn trotzdem gebaut, könne es passieren, dass die Entschädigung zurückgezahlt werden müsse, meint die Initiative und verweist auf ihre Anfrage ans Bundesumweltministerium dazu. Die Initiative, der der heimische Naturschützer Norbert Panek angehört, betrachtet die neue Seilbahn am Edersee auch als eklatant den Schutzzielen des Nationalparks zuwiderlaufend, zu dessen jüngster Erweiterung der Schlossberg zählt. In gleicher Weise hatte sich auch der Naturschutzbund geäußert. (Matthias Schuldt)

Der Landrat von Waldeck-Frankenberg und sein Vize hatten im Herbst das Projekt öffentlich befürwortet.

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