„Kapital für naturverträglichen Tourismus nicht verspielen“

Waldeck: NABU kritisiert Seilbahn-Projekt am Edersee

Um dieses Waldstück geht es: Links verläuft aktuelle Trasse der bestehenden Seilbahn; für das geplante neue Projekt ist eine Trasse von der Waldecker Bucht über einen kleinen Randbereich des Edersees und dann vom Ufer hinauf zum unteren Schlossparkplatz angedacht.
+
Um dieses Waldstück geht es: Links verläuft aktuelle Trasse der bestehenden Seilbahn; für das geplante neue Projekt ist eine Trasse von der Waldecker Bucht über einen kleinen Randbereich des Edersees und dann vom Ufer hinauf zum unteren Schlossparkplatz angedacht.

„Wald und Wasser sind das Kapital der Ederseeregion für einen sanften, naturverträglichen Tourismus, das nicht verspielt werden sollte.“ – Mit dieser Aussage wendet sich der NABU (Naturschutzbund Deutschland) gegen das geplante Seilbahnprojekt zwischen Edersee und Schloss sowie Stadt Waldeck.

Edersee - Der Naturschutzverband wertet es als landschaftsschädigend, hat aber keine Bedenken gegen eine Ertüchtigung der vorhandenen Seilbahn.

Kontraproduktiv zum UNESCO-Welterbetitel

Das Seilbahnprojekt stehe nach Meinung des NABU in krassem Widerspruch zu dem regionalökonomischen Leitbild für eine naturverträgliche Tourismusentwicklung, wie es vom Naturpark Kellerwald-Edersee und vom Kellerwaldverein festgeschrieben wurde. In den letzten Jahren habe sich das Umfeld des Edersees zu einer deutschlandweit beachteten Modellregion mit UNESCO-Welterbe-Titel entwickelt, das Projekt sei da kontraproduktiv.

NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider verweist darauf, dass der NABU seit Jahren ein touristisches Gesamtkonzept für die Ederseeregion fordere, inklusive Verkehrskonzept. Stattdessen erfolge „ein Landschaftseingriff nach dem anderen, ohne die Auswirkungen auf die bislang so einzigartige, noch unverfälschte Landschaft zu berücksichtigen“. Eine Seilbahn steigere Verkehrsbelastung auf der Ederseerandstraße enorm, die Parkplätze würden bei weitem nicht ausreichen, befürchtet der NABU. Der Bau zusätzlichen Parkraums hätte weitere Eingriffe zur Folge.

NABU spricht von einem „Gau des Denkmalschutzes in Waldeck-Frankenberg“

Notwendige Gebäude und technische Anlagen direkt unterhalb des Schlosses und am Bürgerhaus bewertet der NABU als „Gau des Denkmalschutzes in Waldeck-Frankenberg“. Ein intaktes Landschaftsbild sei außerdem ein wichtiges Element des Naturschutzrechtes. Neben dem Schloss Arolsen sei die Waldecker Burg das bedeutendste historische Bauwerk im Waldecker Land und gelte als Symbol der Ferienregion. Deshalb sei sein Umfeld vor störenden Eingriffen zu schützen. Aus denkmalpflegerischer Sicht müssten auch Auswirkungen eines Betonmasten am Bürgerhaus auf das historische Stadtbild von Waldeck bedacht werden.

Ebenso stelle eine Talstation am Ederseeufer einen gravierenden Landschaftseingriff dar. NABU-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai verweist darauf, dass der Schlossberg zu dem europäischen FFH-Schutzgebiet Ederseesteilhänge gehört und „landesweit von herausragender Bedeutung“ ist. Er gehöre zur Kulisse des Naturschutzgroßprojektes, für das der Zweckverband des Naturparks bundesweite Verpflichtungen eingegangen sei, die einem solchen Landschaftseingriff entgegen stünden.

Seilbahn-Projekt aus Sicht des Naturschutzbunds „weder sinnvoll noch genehmigungsfähig“

Der Schlossberg sei forstlich stillgelegt und solle sich weiter zu einem Naturwald entwickeln. Es handele sich um einen der besten trockenen Eichen-Hainbuchenwälder in Hessen mit seltenen Baumarten wie Elsbeere und Mehlbeere. Die Waldeckische Domanialverwaltung habe für die Naturwaldentwicklung eine Entschädigung vom Bundesumweltministerium erhalten. Deshalb fände es der NABU befremdlich, wenn diese ihr Einverständnis zu den Plänen erteilen sollte. Der im Schutzgebiet geplante Masten bedeute einen erheblichen Eingriff in das FFH-Gebiet. Eine Bauzufahrt sei nötig, die Anlagen müssten dauerhaft für Rettungszwecke offen bleiben.

Geradezu abenteuerlich erscheine es, dass die Betreiber schon davon ausgehen eine Art „Teilgenehmigung“ von diversen Behörden in der Tasche zu haben. Mai und Schneider: „Aus unserer Sicht ist aus all den Gründen das Projekt weder sinnvoll noch genehmigungsfähig.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.