Leiter Schweiger in Edertaler Gemeindevertretung

Nationalpark Kellerwald-Edersee bietet besseren Hochwasserschutz als Wirtschaftswälder

Alter Baum im Nationalpark Kellerwald-Edersee aus der Froschperspektive.
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Bietet auch Schutz vor Hochwasser: der Nationalpark Kellerwald-Edersee mit seinen alten Bäumen.

„Ein ungenutzter, naturbelassener Wald bietet besseren Hochwasserschutz als ein Wirtschaftswald“, sagt der neue Nationalparkleiter Manuel Schweiger.

  • Der neue Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee, Manuel Schweiger, diskutierte mit der Edertaler Gemeindevertretung über die künftige Zusammenarbeit
  • Themen waren unter anderem die Wege im Nationalpark Kellerwald-Edersee oder die Rolle die Jagd beim Versuch, die Wälder an den Klimawandel anzupassen
  • Ein großes Anliegen des neuen Leiters und der Gemeindevertretung ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Nationalpark Kellerwald-Edersee deutlich hörbarer und auffälliger in die Öffentlichkeit zu tragen

Edertal – Er stellte sich in der Edertaler Gemeindevertretung am Donnerstagabend in der Affolderner Festhalle vor. Weil große Harvester-Erntemaschinen im Nationalpark den Boden nicht verdichteten, bewahre dieser seine Funktion als natürlicher Schwamm.„Verdichtete Böden regenerieren sich kaum“, fügte Schweiger hinzu. Der vielstufige Aufbau eines alten Naturwaldes mit allen Generationen von Bäumen und einem großen Anteil an Totholz verzögere und minimiere den Abfluss von Niederschlägen zusätzlich.

Manuel Schweigers Erläuterung zum Thema Hochwasserschutz war ein Beispiel für das, was sich mehrere Stimmen aus der Gemeindevertretung Edertal für die Zukunft vom neuen Leiter des Nationalparks Edersee erwarten: eine auffälligere, öffentliche Präsentation der vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die der Forschung in den ersten 20 Jahren des Schutzgebietes entspringen, bis hin zu Anregungen dafür, wie sich außerhalb liegende Wälder für den fortschreitenden Klimawandel besser rüsten lassen. Der Nationalpark bleibt davon nicht verschont, „speziell die älteren Buchen. Sie sind andere Bedingungen gewohnt und nicht so anpassungsfähig wie die jüngeren. Das hätte ich mir vor zehn Jahren auch nicht träumen lassen“, sagte der Nationalparkleiter.

Nachdenken über die Jagd zum Schutz junger Bäume

Edertals Bürgermeister Klaus Gier sprach in diesem Themenumfeld auch die Jagd an. Aus einem Waldbegang im Willinger Raum zieht er den Schluss, dass die in der Region traditionell betriebene Form der Jagd nachwachsende Bäume nicht ausreichend vor Verbiss schützt und man über andere Vorgehensweisen beraten müsse. Manuel Schweiger erkannte selbst für den Nationalpark Kellerwald-Edersee etwaigen Handlungsdruck, auch wenn der Eingriff des Menschen im Schutzgebiet möglichst gering ausfallen müsse. Nicht nur Rehe und Hirsche stellen angesichts fehlender Raubtiere ein Problem für natürliche Waldentwicklung dar, sondern auch zu viele Wildschweine mit ihrer Wühlarbeit.

Ein anderes wichtiges Thema für mehrere Gemeindevertreterinnen und -vertreter: die Wege im Nationalpark Kellerwald-Edersee . Ob es solche von einst am Affolderner See sind, die nicht mehr zur Verfügung stehen, oder jene, die künftig auf den jüngsten Erweiterungsflächen an den Nordhängen des Edersees verlaufen. „Die Bestandsaufnahme zu den Erweiterungsflächen läuft noch“, antwortete Schweiger. Das Vorlegen von Wegeplänen für die neuen Gebiete des Nationalparks Kellerwald-Edersee hält er zum Jahresende hin für möglich. Ins Thema alter Wege am Affolderner See werde er sich einarbeiten.

Einladung zu jährlichen Besuchen der Gemeindevertretung Edertal im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Generell erwartet das Parlament eine engere Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung und den Nationalparkkommunen als bisher. Dafür zeigte sich Schweiger offen und lud die Gemeindevertretung Edertal zu jährlichen Rundgängen durchs Großschutzgebiet ein. Edertals Bürgermeister Klaus Gier verwies darauf, dass sich aus seiner Sicht die Zusammenarbeit in den letzten Jahren bereits verbessert habe. Das zeige auch die sehr positive Entwicklung des Wildtierparks Edersee. was der Vorsitzenden des Fördervereins, Rainer Pfeffermann, bestätigte. (Matthias Schuldt)

Der neue Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee, Manuel Schweiger, trat sein Amt Anfang September an.

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