Niederschläge lassen Weserpegel vorübergehend deutlich ansteigen

Regen bringt Atempause für Edersee

Segelboote in der Waldecker Bucht - Wasserstand des Edersees am 17. Juni 2020.
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Wenig Wasser im Edersee: Dieses Foto zeigt Segelboote in der Waldecker Bucht am 17. Juni.

Vor einigen Tagen hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) die Abgabe aus dem Edersee aufs Minimum von 6 Kubikmetern pro Sekunde gedrosselt. Und dabei bleibt es voraussichtlich bis deutlich in die nächste Woche hinein dank mehrerer durchziehender Tiefdruckgebiete mit ihren beachtlichen Niederschlägen. Das bestätigt Jiri Cemus von der zuständigen Abteilung beim Amt in Hann. Münden auf Nachfrage.

Die Regenfälle ließen und lassen die Pegel der Weser nach trockenen Wochen hoch steigen und verschaffen der Edertalsperre eine Atempause. „Solche Phasen im Sommerhalbjahr sind für die Bewirtschaftung ideal“, sagt Cemus.

Der Wermutstropfen

Der Wermutstropfen besteht darin, dass der Edersee selbst weit weniger vom Regen hat.

Der Zulauf liegt aktuell leicht über der Minimalabgabe von 6 Kubikmetern pro Sekunde. Der Grund liegt in der üppigen Vegetation des Talsperren-Einzugsgebietes. Die Pflanzen in Wald und Flur nähmen 90 Prozent der Niederschläge im Sommerhalbjahr auf, erläutert Cemus.

Das Grundsatzproblem

Am Grundsatzproblem ändert die Erholungspause nichts. Während der See im feuchten Winter 2019/20 beinah durchgängig 30 bis 40 Millionen Kubikmeter mehr als im langjährigen Durchschnitt enthielt, zerstörte das trockene Frühjahr diese solide Ausgangsbasis ruck-zuck. Inzwischen befinden sich 30 bis 40 Millionen Kubikmeter weniger in der Talsperre als im Mittel der Jahre.

Die Spar-Variante

Und das, obwohl das WSA seit Wochen nicht mehr den normalen Weserpegel von 1,20 Meter ansteuert, sondern wegen der Wasserknappheit die Marke 1,15 Meter bei Hann. Münden anpeilt. Diese Vorgehensweise ist eine der wichtigsten Konsequenzen aus den Edersee-Krisenverhandlungen der vergangenen Jahre. Eine „Triggerlinie“ listet dabei für jeden Tag im Jahresverlauf einen bestimmten Edersee-Füllstand auf. Sobald er unterschritten ist, sinkt das Pegelziel für die Weser in Hann. Münden auf besagte 1,15 Meter.

Doch selbst, um nur diesen reduzierten Pegel zu erreichen, musste das WSA Wochen lang 20 Kubikmeter pro Sekunde und mehr aus dem Staubecken ablassen.

Doppeltes Déjà vu

So hob die Kritik etwa unter Segelfans am Edersee angesichts des rasch fallenden Wasserstandes erneut an, obgleic`Sh alle Formen von Freizeitvergnügen aktuell möglich sind. „Wenn das so weitergeht, können wir die Boote wieder im August herausholen“, fürchten viele ein Déjà vu. Tief sitzen die frustrierenden Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Vergleichbare Erinnerungen teilt andererseits Sascha Wagner, Geschäftsführer der AHE-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Rinteln. 800 000 Tonnen Weserkies verschifft der Rohstoffproduzent alljährlich über den Fluss – insofern die Weser durchgängig ausreichend Wasser führt.

Denn schon bei 1,15 Meter können die beiden Spezial-Schubleichter deutlich weniger Fracht laden als die maximalen 650 Tonnen. „Mit weniger als 1,15 Meter Pegel bei Hann. Münden können wir gar nicht mehr fahren“, sagt Wagner.

Ein zweites Unternehmen aus der Branche im nordrhein-westfälischen Varenholz an der Weser stecke in der gleichen Lage. Geschätzte 400 000 Tonnen Kiesfracht pro Jahr fallen dort an.

Die Rechtsgrundlage

„Ich habe Verständnis für die Situation am Edersee, bitte aber auch um Verständnis für unsere Lage“, fügt Wagner hinzu. Die Bewirtschaftungsverordnung für den Edersee ziele auf die Schiffbarhaltung der Weser ab. Auf dieser Rechtsgrundlage habe die Unternehmensgruppe AHE in den zurückliegenden Jahren zweistellige Millionenbeträge investiert. Rechtssicherheit als Investitionsschutz: Auf dieses Prinzip beruft sich AHE in der Diskussion um die Talsperrenbewirtschaftung.

Edersee-Runde beim RP

Unterdessen steht am 9. Juli im Regierungspräsidium (RP) Kassel das jährliche Edersee-Gespräch an. Eigentlich war das erste offizielle Treffen des neuen Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber mit den Beteiligten für Ende März vorgesehen. Wegen der Corona-Krise wurde es verlegt.

Klüber bringt als langjähriger Stellvertreter und Vertrauter des ermordeten Dr. Walter Lübcke auch bei diesem Thema das Hintergrundwissen mit.

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