Familie findet Metall-Gegenstand und alarmiert Polizei

Edersee: Kampfmittelräumdienst identifiziert „Tellermine“ als historisches Eisenrad

Ein altes Eisenrad, 15 Zentimeter im Durchmesser, auf dem trocken gefallenen Grund des Edersees bei Nieder-Werbe.
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15 Zentimeter Durchmesser weist das historische Eisenrad auf.

Auf einen verdächtigen, metallischen Gegenstand stieß eine Familie aus dem Ruhrgebiet am Grund des trocken fallenden Edersees.

  • Eine Familie findet auf dem Grund des Edersees am Dienstag, 13 Uhr, einen verdächtigen Gegenstand, den sie für eine Tellermine aus dem Zweiten Weltkrieg hält und ruft die Polizei
  • Gegen 14.30 Uhr beginnt ein Großeinsatz unter Beteiligung des Kampfmittelräumdienstes
  • Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Fund um ein historisches Eisenrad handelt

Edersee – Sie alarmierte am Dienstag gegen 13 Uhr die Polizei. Der Fund löste einen Einsatz unter Beteiligung des Kampfmittelräumdienstes aus, doch am Ende gab´s Entwarnung, meldet die Polizei. Bei dem Gegenstand handelte es sich nicht um eine Tellermine, sondern um ein offenbar historisches Eisenrad.

Metalldetektor schlug auf Edersee-Grund heftig an: Tellermine?

Die fünfköpfige Familie suchte mit einem Metalldetektor eigentlich nach Münzen auf dem Grund des Edersees. Vergeblich. Das Gerät schlug nur bei wertlosem Metall an. In einem Fall fiel die Reaktion des Apparates aber so stark aus, dass die Eltern, beobachtet von ihren Kindern, mit dem Spaten in die Erde vordrangen. Nach etwa 20 Zentimetern stießen sie auf das runde Etwas, das auf den ersten Blick wie eine Tellermine aus dem Zweiten Weltkrieg anmutete.

Der Vater rief gegen 13 Uhr die Polizei, die den umfangreicheren Einsatz einleitete. Er begann eineinhalb Stunden später, doch die Experten vom Kampfmittelräumdienst stellten rasch fest, dass hier keine Gefahr drohte.

Polizei mahnt zur Vorsicht bei solchen Funden auf dem Grund des Edersees: Immer 110 wählen

Obwohl sich der Alarm als unbegründet erwies, mahnt die Polizei generell zur Vorsicht, da sich Weltkriegsmunition noch im Sediment des Edersees befinden könnte. Wichtig sei, verdächtige Gegenstände auf keinen Fall zu bewegen oder mitzunehmen. Auch nicht, um sie bei der Polizei abzugeben. Der Anruf unter der 110 sei die einzig richtige Entscheidung.

Vermeintliche Rotationsbombe: Spektakulärer Einsatz 2004 ebenfalls mit verblüffendem Ergebnis

Über die Jahrzehnte hinweg gab es immer wieder mal solche Einsätze. Einer der spektakulärsten spielte sich 2004 direkt an der Wasserseite der Sperrmauer ab. Marinetaucher der Bundeswehr gingen der Sache auf den Grund.

Rotationsbombe vermutet: Doch der Fund an der Eder-Sperrmauer entpuppte sich 2004 als Grundgewicht eines Segelsteges.

Damals glaubte man erst, eine der Rotationsbomben gefunden zu haben, die beim Angriff auf die Edertalsperre 1943 nicht detoniert waren. Das Medieninteresse von Film, Funk und Fernsehen war gewaltig. Doch der Fund stellte sich als Beton-Hohlzylinder heraus. Mutmaßlich sei es ein baulicher Bestandteil von Flak-Stellungen aus dem Zweiten Weltkrieg, hieß es damals von älteren Edertalern. Die Wasserschutzpolizei vermutete nach der aufwendigen Bergung dagegen eher, ein Drainagerohr vor sich zu haben, das einmal als Grundgewicht für einen Segelsteg gedient habe.

Albert Stieglitz, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Hemfurth-Edersee, 2009 an den Überresten der historischen Lore aus der Bauphase der Edertal-Sperrmauer, an der „Kaiserbuche“

Spekulation bleibt vorerst auch, zu welchem Typ von Fahrzeug das nun gefundene Eisenrad einmal gehörte. Wegen des geringen Durchmessers scheiden die größeren Loren aus der Zeit des Baus der Eder-Sperrmauer zwischen 1909 und 1914 wahrscheinlich aus. Das waren offene Frachtanhänger, gezogen von kleinen Dampflokomotiven. Sie dienten dem Transport von Steinen. Das Material wurde zum Beispiel vom Steinbruch am „Weißen Stein“ bei Bringhausen auf diese Weise herangeschafft, um die Sperrmauer mit den felsigen Brocken aufzubauen. Auch an der Baustelle selbst wurden solche Loren eingesetzt. Auch wesentlich kleinere Modelle wurden verwendet. So erscheint nicht ausgeschlossen, dass der aktuelle Fund bei ihnen sienen Ursprung hat.

Eine Eisenbahnlore aus der Bauzeit der Edertalsperre

Derlei Überbleibsel aus der Gründerzeit der Eder-Talsperre sind rar geworden, sagt Uli Klein von der Gemeindeverwaltung Edertal. Er ist gerade mit den Inhalten des geplanten Besucherzentrums auf der Sperrmauer-Westseite beschäftigt. Viele Gäste und Einheimische erinnern sich, dass früher an der inzwischen stark beschnittenen, weil kranken „Kaiserbuche“ einmal die Reste einer Lore standen. Sie ist inzwischen trocken untergestellt, da sie vollends zu zerfallen drohte.  (Matthias Schuldt)

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